Lycos Europe verpatzt Börsendebüt
Trotz 30facher Überzeichung pendelte sich der Aktienkurs unterhalb des Ausgabepreises von 24 Euro ein. Nur jeder fünfte Privatanleger bekam überhaupt Aktien. Per Losverfahren erhielt jeder Fünfte bei der Deutschen Bank 65 und bei der Commerzbank 40 Papiere.
Doch mittlerweile dürften diejenigen, die leer ausgingen, darüber nicht mehr böse sein.
Für Internetunternehmen und sicherlich für die Aktionäre war die Kursentwicklung ungewöhnlich. Normalerweise entwickeln sich die Kurse zunächst steil nach oben und sinken in den Folgetagen durch Gewinnmitnahmen meist ab.
Vermutlich hat jedoch die Börsenpolitik des Unternehmens einen gewaltigen Anteil an dem ungewöhnlichen Verhalten.
So schreibt beispielsweise die Süddeutsche Zeitung unter der Überschrift "Dreist, Dreister, Lycos", dass Lycos "außer Hoffnung nichts aufzuweisen" habe.Lycos sei "unverfrorene Wege gegangen, um zwei Regularien für die Zulassung am Neuen Markt zu erfüllen."
Zum einen geht es um den vorgeschriebenen Streubesitz von 20 Prozent, den Lycos nur dadurch einigermaßen erreichen konnte, weil man nur die Hälfte des Grundkapitals meldete, zum anderen seien die Stimmrechte der Aktien in zwei Klassen aufgeteilt worden: "eine mit sehr weitgehenden Stimmrechten für die bisherigen Anteilseigner selbst und eine mit stark eingeschränkten für die neuen Teilhaber."
Durch die Kapitalisierung wird Lycos insgesamt 773 Millionen Euro einnehmen - 672 Millionen Euro aus dem Börsengang und 101 Millionen Euro durch eine Mehrzuteilungsoption. Konsortialführer bei dem Börsengang sind Deutsche Bank und Goldman Sachs.
Lycos ist eine Gemeinschaftstochter des US-Unternehmens Lycos und der Medienunternehmen Bertelsmann und Gruner + Jahr.



