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Im Test: PlayStation 2 - Sonys neue Spielekonsole

Spiele & DVD-Spielfilme - eine Spielekonsole für die ganze Familie? In Japan hat Sony innerhalb von zwei Tagen fast eine Million PlayStation 2 verkauft, die Medien rund um die Welt überschlagen sich mit Berichten rund um die neue Spielekonsole. Darunter auch viel Kritik auf Grund technischer Probleme, die Sonys Wunderkonsole Negativschlagzeilen einbrachten. Verspricht Sony mit der PlayStation 2 mehr als gehalten werden kann oder gehört ihr die Zukunft? Unser intensiver Test der japanischen PlayStation 2 verrät mehr...
/ Christian Klaß
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Sonys PlayStation 2 (PS2) hat bereits zwei Jahre vor ihrer Auslieferung für Wirbel gesorgt - allerdings mehr in Form von Gerüchten als durch Fakten. Im letzten Jahr stellte Sony dann auf dem Microprocessor Forum im Frühjahr 1999 erstmals die Architektur eines neuen Prozessors vor, der eine revolutionäre Leistung versprach. Ab diesem Zeitpunkt wurde selbst die PC-Branche aufmerksam und neben AMDs Athlon wurde der "Emotion Engine" getaufte, von Toshiba und Sony entwickelte PlayStation-2-Prozessor langsam zum Tischgespräch der IT-Branche.

Die PR-Maschinerie von Sony hat dabei ganze Arbeit geleistet: Obwohl die PlayStation 2 erst seit 4. März in Japan erhältlich ist, hat Sony seinen Teil dazu beigetragen, dass Segas leistungsfähige Dreamcast-Konsole von vielen nur als Übergangslösung gesehen wird. Dabei hat Sega einiges zu bieten, vor allem in spielerischer Hinsicht.

Doch worin liegt nun die Faszination der neuen Konsole, die selbst die Computer-Branche ergriffen hat? Zu allererst einmal in den Möglichkeiten, die Sony verspricht: Glaubwürdige 3D-Welten, DVD-Spielfilm-Wiedergabe, zukünftiger Breitband-Internetzugang und PlayStation-1-Kompatibilität. Kombiniert in der PlayStation 2 ergibt sich daraus eine Wohnzimmer-Konsole für die ganze Familie. Die dahinterstehende Technik tut ihr Übriges, um selbst Besitzer von hochgezüchteten PCs oder Macs aufhorchen zu lassen.

Die Technik

Die in Japan für derzeit 39,800 Yen (etwa 750 DM) verkaufte PlayStation-2-Hardware kann sich mehr als sehen lassen - sowohl die einzelnen Komponenten als auch die Erweiterungsmöglichkeiten der Konsole sind beachtlich:

Schon das schwarze Design-Gehäuse, das im Gegensatz zur Vorgängerin mehr wie ein edles Stück Stereo-Anlage als eine Spielekonsole aussieht, bestätigt einmal mehr die breite Zielgruppe: Die ganze Familie, vom Kind bis zu den Eltern, soll an der neuen Konsole Gefallen finden. Mit Abmessungen von 301 mm x 178 mm x 78 mm ist das Gehäuse nicht größer als das der Vorgängerin, eher kleiner. Dank der kompakten Bauform erlaubt es auch ein senkrechtes Aufstellen der Konsole.

In der Konsole werkeln mehrere Spezial-Prozessoren, die durch einen auf der Gehäuse-Rückseite sitzenden und sich in seiner Lautstärke zurückhaltenden Lüfter gekühlt werden.

Die CPU:

Die mit 294,912MHz getaktete 128-bittige CPU der PlayStation 2, die "Emotion Engine", ist mit ihrer integrierten Fließkommaeinheit und zwei speziellen Vektoreinheiten (VU1 & VU2) für die mathematischen Berechnungen zuständig. Ihr stehen 32 MByte Direct-RDRAM-Speicher mit einer Bandbreite von 3,2 GByte/s zur Verfügung.

Der Grafik-Prozessor:

Die PS2 hat ihren eigenen Grafikprozessor, den "Graphics Synthesizer", der mit etwa 150 MHz Taktfrequenz und 4 MByte VRAM On-Chip-Grafikcache unabhängig sämtliche Grafikberechnungen ausführt, die von der Emotion Engine in Auftrag gegeben werden. Zu den Features des Graphics Synthesizers zählen neben den Standard-3D-Features wie Mip-Mapping, bi-linearer Filterung, Environment Mapping und Z-Buffering auch Anti-Aliasing (Kantenglättung) und sogar Bezier Surfacing für organischer wirkende Objekte. Die PS2 schafft laut Sony, maximal 75 Millionen untexturierte Polygone/Sekunde zu berechnen; sind diese texturiert, gefiltert und beleuchtet, sollen es immer noch mehr als beachtliche 20 Millionen Polygone/Sekunde sein. Damit lassen sich lebendig wirkende Gesichter, Körper, wehende Haare und Kleidung ebenso gut erzeugen wie Wolken oder detaillierte Landschaften.

Die Technik (Fortsetzung)

Sound-Prozessor:

Die SPU2, der Soundprozessor der PlayStation 2, bietet 48 Stimmen bzw. Kanäle, die per Software in Verbindung mit der CPU um weitere Stimmen ergänzt werden können. Sie besitzt 2 MByte Speicher für Samples, unterstützt Sampling-Frequenzen von 44,1 KHz und 48 KHz und - während der Wiedergabe von DVD-Filmen - den Surround-Sound-Standard DTS für Heimkino-Klang.

I/O-Prozessor:

Der "IOP" ist das einzige Überbleibsel der PlayStation 1, das neben der Kompatibilität zu PlayStation-1-Spielen ausschließlich für die Überwachung und Verwaltung der Ein- und Ausgabegeräte wie z.B. Gamepads und Joysticks sorgt. Er besteht aus einer mit 33,8688 MHz oder 36,864 MHz getakteten (wählbar) erweiterten PlayStation CPU, die der Emotion Engine diese Arbeit abnimmt.

DVD-Laufwerk:

Das integrierte DVD-Laufwerk liest DVDs mit 4facher und CDs mit 24facher Geschwindigkeit. Die Schublade des Laufwerks besitzt eine kleine Rille, die einen Wechsel auch im aufrechten Stand des Gehäuses erlaubt, ohne dass die DVD oder CD hinausfällt.

Schnittstellen u. Erweiterungsmöglichkeiten:

Schon beim Auspacken der Konsole fällt auf, wie viele Anschlussmöglichkeiten das Gerät bietet: Per USB lassen sich Geräte wie WebCams, Drucker, Mäuse, Tastaturen oder Ähnliches anschließen, während mit der schnelleren iLink-Verbindung z.B. Festplatten und digitale Filmkameras an die Konsole gestöpselt werden können.

Eine Netzwerkkarte kann per PC-Card-Steckplatz eingesteckt werden - ideal für den geplanten breitbandigen Internet-Zugang.

Die Technik (Fortsetzung Schnittstellen u. Erweiterungsmöglichkeiten)

Insgesamt besitzt die Konsole folgende Anschlussmöglichkeiten:

  • 2 Anschlüsse für Spielecontroller
  • 2 Steckplätze für Speicherkarten (Memory Cards)
  • 1 AV-Multikabel-Ausgang
  • 1 optischer Digitalausgang (Audio)
  • 2 USB-Ports
  • 1 iLink (IEEE1394/FireWire)
  • 1 PC-Card-Steckplatz (PCMCIA Typ III)

Die Anschlüsse für Spielecontroller eignen sich übrigens nicht nur für den mitgelieferten Dual Shock 2 Controller, sondern auch für ältere PlayStation-1-Controller, so dass Besitzer der alten Konsole nicht alles neu kaufen müssen. Der Dual Shock 2 ist dem Dual Shock der PlayStation 1 sehr ähnlich, bietet sowohl digitale als auch analoge Steuermöglichkeiten als auch Force-Feedback.

Die mitgelieferte Speicherkarte hat eine Kapazität von 8 MByte, da sie jedoch die Software für die DVD-Wiedergabe enthält, steht nicht der gesamte Speicher für Spielstände zur Verfügung. Die max. 1 MByte (bzw. 4 MByte bei Kompression) Speicherkarten der alten PlayStation können ebenfalls eingesetzt werden. Dank Sonys Magic-Gate-Technologie können Daten auf den Speicherkarten kopiergeschützt und verschlüsselt werden.

Erste Inbetriebnahme der PlayStation 2
Das japanische Gerät kann nur mit Hilfe eines Step-Down-Konverters betrieben werden. Dieser senkt die hiesige Netzspannung von 220 Volt auf die in Japan genutzten 110 Volt. Damit läuft die PS2 auch hier zu Lande ohne Probleme, sofern der genutzte Konverter die Konsole nicht überfordert. In England sollen bereits Importgeräte aufgrund nicht kompatibler Konverter durch Überspannung ihren Geist aufgegeben haben. Was sofort auffällt ist, dass die PS2 im Gegensatz zur Vorgängerin auch in den Stand-by-Modus versetzt werden kann. Tippt man den zuständigen Schalter nur kurz an, sorgt das für einen Neustart der Konsole.

Die PS2 zeigt beim Systemstart eine kurze 3D-Animation, die sich nicht abbrechen lässt, aber nicht weiter stört. Legt man keine CD oder DVD ein, so zeigt die Konsole ein Konfigurationsmenü, das auch die Verwaltung der Speicherkarten erlaubt. Zumindest dann, wenn man des Japanischen mächtig ist, ansonsten gilt es, die japanischen Schriftzeichen auf ihre Bedeutung hin zu untersuchen. Zum Glück gibt es jedoch die Möglichkeit, die Konsole auf englische Menüführung umzuschalten - vorausgesetzt man findet die entsprechende Option.

DVD-Wiedergabe
Nicht auf englische Sprache umschalten lässt sich die optisch sehr einfach gehaltene DVD-Wiedergabe-Software, die aktiviert wird, sobald beim Systemstart eine DVD eingelegt wird. Trotzdem ist die Bedienung nicht sonderlich schwer zu meistern, allerdings zeigte sich schnell, dass die DVD-Software noch einige Macken hat: Während Region-Code-freie und japanische DVDs problemlos und in hoher Qualität wiedergegeben werden, stürzte die Konsole beim Zugriff auf europäische DVDs ab. Und das, obwohl japanische und europäische DVDs den Region-Code 2 gemeinsam haben.

DVD-Wiedergabe (Fortsetzung)

DVDs aus anderen Ländern können mit der vorliegenden Version der DVD-Software dank einer integrierten Sperre nicht abgespielt werden - zum Schutz der einzelnen Märkte vor günstigen Grauimporten. Zumindest DVDs mit Region-Code 1 (USA, Kanada) können jedoch dank einer Sicherheitslücke der Software mit Hilfe von einfachen Tricks trotzdem abgespielt werden. In einer nächsten, hoffentlich fehlerfreieren Version der DVD-Software soll diese Lücke geschlossen werden - um Ärger mit der Filmindustrie zu vermeiden, scheint Sony deshalb sogar bereit zu sein, alle 1 Million Konsolen zurückzurufen. Von dem ebenfalls bekannten Speichermodul-Problem waren übrigens auch wir betroffen: Nach einiger Zeit der Nutzung waren die DVD-Treiber zerpflückt und mussten mit Hilfe der beigelegten Utility-CD wiederhergestellt werden.

Das Wichtigste: Die Spiele
Das Wichtigste für den Erfolg einer Konsole ist nicht notwendigerweise die Technik, sondern vielmehr die Verfügbarkeit von zugkräftigen Spieletiteln, die mehr als nur Durchschnittsware sind. Hier hat Sony einiges in Bewegung gesetzt und fast alle großen Entwicklerstudios und Publisher für die PS2 gewonnen. Bis jedoch die Spieleentwickler annähernd die Möglichkeiten der Hardware ausgeschöpft haben, dürfte noch einige Zeit vergehen. Zum Japan-Start der PS2 gab es bereits zehn PS2-Spiele; viele davon solide Umsetzungen bekannter Spiele, jedoch noch keine wirklich revolutionären Neuheiten, die auf den Konkurrenzkonsolen undenkbar wären.

Zwei der zehn zum Japan-Start erschienenen Titel haben wir uns näher angeschaut, das Prügelspiel "Street Fighter EX3" und die Arcade-Rennsimulation "Ridge Racer 5".

Die Spiele (Fortsetzung)

Wie in den Vorgängern hat man auch im fünften Teil der Ridge-Racer-Serie die Möglichkeit, mit einer Vielzahl von Sportwagen durch realistische Stadt- und Landschaftskurse zu fahren. Die Steuerung und die Spielbarkeit sind dabei gewohnt gut, die Musik mit ihrem stumpfen Techno-Mix gewohnt schlecht und die Sprachausgabe auf Grund mangelnder Abwechslung bereits nach kurzer Zeit äußerst anstrengend.

Am interessantesten war natürlich die Frage, ob dieser Titel auf Grund seiner grafischen Fähigkeiten die Möglichkeiten der neuen Hardware ausnutzen würde. Dies ist aber eindeutig nicht der Fall - die Präsentation ist zwar gelungen, Unterschiede zu aktuellen Dreamcast-Rennspielen sind aber kaum auszumachen. Die Hintergründe sind sehr detailliert, die Geschwindigkeit angenehm schnell, und kleine grafische Besonderheiten wie Bremsspuren, Funkenschlag und spiegelnde Fensterscheiben (Environment-Mapping) fallen ebenfalls positiv auf. Ridge Racer 5 ist aber definitiv kein Spiel, für das sich die Anschaffung der PlayStation 2 lohnt.

Selbiges gilt erst recht für Street Fighter EX 3, den neuesten Spross aus der legendären Beat'em-Up-Serie. Zwar ist auch hier die Spielbarkeit ausgezeichnet, aber die Präsentation muss beinahe schon als enttäuschend bezeichnet werden. Die Charaktere wirken zum Teil farblos, die Animationen sogar verwaschen.

Vergleicht man Street Fighter EX 3 mit der aktuellen Referenz des Prügelspielgenres Soul Calibur, so ist der Dream-Cast-Titel dem Straßenkämpfer in nahezu allen Belangen, und so auch in der Präsentation, haushoch überlegen. Das Programm wirkt nicht so, als ob den Programmierern bewusst war, welche Hardware ihnen in Form der neuen PlayStation zur Verfügung steht.

Die Spiele (Fortsetzung)

Nicht alle Spiele werden übrigens auf CD-ROM ausgeliefert werden. Schließlich macht es gerade bei Spielen, die fast nur auf 3D setzen und keine Filmsequenzen einsetzen, nicht unbedingt Sinn, die teureren DVD-Medien einzusetzen. So sind CD-Spiele auf blauen CDs, DVD-Spiele auf silbernen DVDs und die PlayStation-1-Spiele auf den altbekannten schwarzen CDs zu finden.

Die Zukunft der PlayStation 2

Es ist so gut wie sicher, dass die PS2 einer gesegneten Spielezukunft entgegenblickt. Bereits Ende 1999 hatten fast 90 japanische Publisher Lizenzvereinbarungen unterzeichnet, knapp 50 nordamerikanische und etwa 30 europäische Unternehmen haben zumindest eine Absichtserklärung unterschrieben. Auf der Anfang März stattgefundenen Games Developer Conference 2000 hat Phil Harrison von Sony Entertainment of America während einer Technologie-Demonstration bekannt gegeben, dass es mittlerweile fast 100 Entwickler gibt, die sich um PlayStation-2-Entwickler-Pakete beworben haben, 57 hätten sie schon und weitere 37 würden sie in Kürze erhalten.

Im Laufe des Jahres und vor allem zum für Ende des Jahres geplanten US- und Europa-Start der PS2 dürften deshalb genügend interessante Titel erhältlich sein, um Sony auch außerhalb von Japan einen Erfolg zu bescheren.

Der - zumindest für Japan - für Ende 2001 angekündigte 100MBit-Breitband-Internetzugriff wird nicht nur optisch und spielerisch ansprechende Online-Spiele ermöglichen, sondern die Konsole in Verbindung mit einer ebenfalls 2001 erscheinenden Tastatur zum leistungsfähigsten Internet-Rechner der Preisklasse unter 1.000,- DM machen. In Verbindung mit einer angekündigten schnellen PS2-Festplatte eröffnet sich Sony hier neue Vertriebswege, sei es für Videos, Musik oder Spiele.

Ein weiteres zu erwartendes Highlight macht die PlayStation 2 noch interessanter für das Wohnzimmer, denn ab 2001 soll sie per Zusatzhardware auch zum digitalen Videorekorder werden.

Fazit:
Sony hat bei der PlayStation-2-Entwicklung ganze Arbeit geleistet. Zwar wird diese derzeit durch die ärgerlichen Probleme mit den Speicherkarten und der DVD-Wiedergabe überschattet, doch nichtsdestotrotz kann die Konsole in technischer Hinsicht überzeugen. Die 3D-Fähigkeiten der PlayStation 2 sind beachtlich - das bekommt man jedoch momentan mehr durch technische Demonstrationen als durch erhältliche Spieletitel bestätigt. Letztere enttäuschen derzeit eher, wenn es um revolutionäre Neuerungen geht. Die hochgesteckten Erwartungen können sie nicht wirklich befriedigen. Das wird sich jedoch in den nächsten Monaten ändern, denn die angekündigten Spiele versprechen einiges an Unterhaltung.


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