Bericht von der Game Developers Conference 2000
Highlight der Veranstaltung war der Auftritt von Bill Gates, der persönlich erstmals das Konzept von Microsofts X-Box, einer multifunkionalen Unterhaltungs- und Netzkonsole vorstellte. Weitere Veranstaltungen waren ein vielbeachteter Vortrag von Peter Molyneux, Lionhead Studios sowie die Präsentation der seit kurzem in Japan erhältlichen Sony Playstation 2.
Thomas Dlugaiczyk von der Games Academy(öffnet im neuen Fenster) schaute sich für GNN.de auf der Konferenz um ...
Hollywood meets Silicon Valley
Nur noch wenige Meter trennen die MD11 vom todbringenden kalten Wasser der San Francisco Bay Area. Bange Sekunden verstreichen und dann - Rums. Die Maschine schlingert etwas. Landung geglückt, die Erde hat uns wieder.
Der Weg in die neue Welt ist immer noch beschwerlich. Wer sich freiwillig 11 Stunden mit über 250 anderen Menschen in einer rasenden Aluminiumhülle in 10km Flughöhe einschliessen lässt, hat gute Gründe dafür. Die Games Developer Conference ist sicher ein guter Grund. San José liegt eine gute halbe Stunde Autobahnfahrt südlich von San Francisco entfernt - im Herzen des Silicon Valley, dem Zentrum der amerikanischen Computerindustrie.
Auf den ersten Blick wird dem Besucher klar: Hier regieren die Kreativen. Kaum ein Anzug oder Jackett ist zu sehen. Das Outfit der meisten Teilnehmer signalisiert unmissverständlich - wir sind anders, zählen uns nicht zum Establishment. Nur die Namensschilder verraten einige der Manager, Produzenten oder Geschäftsführer. Mann und Frau tragen Casual Wear - Freizeitkleidung.
Ansonsten gibt man sich themenzentriert: Themen wie "BOPS-Conquering the Geometric Pipeline" und "Level Designer Brainstorm" lassen vor allem die Augen der Hard- und Softwarespezialisten aufleuchten. Über 300 Vorträge, Sessions und Präsentationen konnten zwischen dem 8. und 12. März besucht werden.
Bei allen neuen Plattformen ist das Softwareangebot ein wichtiger Punkt zur Durchsetzung am Markt. Microsoft setzt dabei offensichtlich stark auf die Vielzahl weltweit gut qualifizierter Softwareingenieure und bietet dazu bereits ab April ein DirectX 8 SDK (Entwicklungskit) in der Betaversion an, welches die zukünftige X-Box-Plattform unterstützen wird. Doch das alles ist noch Zukunftsmusik.
So interessierten sich die circa 30 Teilnehmer deutscher Entwicklungsstudios sowie Pressevertreter ebenfalls für das Messeprogramm, welches am Rande der Konferenz angeboten wurde. Im Vordergrund standen Tools für die Herstellung sowie neue Hardware im Audio- und Grafik-Bereich.
Ein spannender Bereich war der Job-Markt, in dem circa 90 Firmen recht offensiv um neue Mitarbeiter warben. Da auch im Silicon Valley die Studios ständig neue Mitarbeiter suchen, waren die Stände teilweise dicht umlagert.
Die Vielzahl der angebotenen Vorträge und Sessions machten eine Auswahl für die zahlreichen Besucher recht problematisch. Neben vielen anderen wurde Peter Molyneux's Vortrag über zukünftige Grundlagen der Gamesentwicklung viel beachtet.
Aus Deutschland waren Teut Weidemann von Wings Simulations sowie Thorsten Oppermann von Computec USA, einer Tochter der Computec Media AG, mit Vorträgen vertreten. Die Firma NxN aus München stellte ihr Daten Management System für Spieleentwicklung auf der Messe vor und die Grafikkartenfirma ELSA stellte Grafikkarten für den High-end- und Games-Bereich vor. Am Rande bemerkt: In drei Arbeitsgruppen haben sich Teilnehmer mit dem Thema Gewalt in Computer- und Videospielen auseinandergesetzt. Ein deutlicher Hinweis, dass diese Diskussion auch bei den Entwicklern und Studios mit großer Intensität geführt wird.
Zum Abschluss noch ein Insider-Witz, der deutlich macht, wie aufwendig Spieledesign und -produktion sein kann: Die Firma Ion Strom brauchte 6 Jahre, um ein Spiel zu veröffentlichen. Die Firma Anvil benötigte dafür 8 Jahre. Wieviel Jahre benötigen beide Firmen für ein gemeinsames Projekt? [Thomas Dlugaiczyk]



