dooyoo-Gründer Rene Kaute im Interview
Golem: Welche Themenbereiche bzw. Produkte finden den größten Zuspruch? Kann dooyoo dem Anspruch gerecht werden, ein breit gefächertes Spektrum an Kommentaren über eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte zu geben? Schließlich dürfte das Interesse an Computer- und Telekommunikations-bezogenen Artikeln weitaus höher als in anderen Bereichen sein.
Golem: Welchen wirklichen Nutzen können die Meinungen liefern? Besteht nicht die Gefahr, dass Käufer dazu tendieren, die von ihnen gekauften Produkte zu positiv zu bewerten? Außerdem: Hat der Käufer den nötigen Überblick und das Wissen, das von ihm gekaufte Produkt mit anderen am Markt befindlichen zu vergleichen?
Rene Kaute: Die verschiedenen Informationsquellen, die dem Kosumenten bisher heute zur Verfügung stehen, lassen allesamt ein Manko erkennen – entweder sie sind kommerziell eingefärbt (Werbung), dafür aber überall erhältlich oder aber gratis, dann aber nur schwer zu bekommen. Das ist besonders bei Informationen von Freunden der Fall. Ein Tipp eines Freundes ist unabhängig, glaubwürdig und versorgt mich mit persönlichen Informationen. Studien aus den USA sagen, dass 80 Prozent der Konsumenten bei ihren Kaufentscheidungen (Erfahrungsgüter) ihre Freunde um Rat fragen. Wenn ich jemanden kenne, der das Produkt schon seit Wochen/Monaten gebraucht, stellen diese Erfahrungen einen immensen Wert für jeden Konsumenten dar. Erst durch die Möglichkeit der Vernetzung können wir unseren "Freundeskreis" um ein Vielfaches vergrößern. Vorher war es häufig nur schwer möglich, einen Freund zu finden, der genau das Produkt kannte und beurteilen konnte.
Golem: Besitzen die Meinungen einen großen Wert für die Hersteller der getesteten Produkte? Gibt es bereits Firmen, die offen ihr Interesse an den Einträgen bekundet haben? Wird es in Zukunft eine eng verzahnte Zusammenarbeit zwischen dooyoo und Herstellern geben, die eventuell bevorzugt Zugang zu den Meinungen über ihre und verwandte Produkte erhalten?
Rene Kaute: Eine enge Kooperation mit den Herstellern direkt wird es in Zukunft nicht geben. Wir müssen unsere Unabhängigkeit bewahren – eine Kooperation wäre hier ziemlich unglaubwürdig. So werden auch die Händler, bei denen die Mitglieder ihre Produkte ordern, bewertet werden können – hält ein Händler die versprochenen Leistungen nicht ein, muss er sich gefallen lassen, von den Community-Mitgliedern bewertet zu werden und evtl. sogar aus dem Programm genommen zu werden. Die meisten Händler haben mittlerweile begriffen, dass sie sich der zunehmenden Transparenz des Wettbewerbes nicht mehr entziehen können und stehen einer Bewertung durch die Verbraucher durchaus positiv gegenüber.
Golem: Wie kann gewährleistet werden, dass es sich bei den Meinungen wirklich um ernsthafte Beurteilungen und nicht um unüberlegt hingeworfene oder gar von anderen Quellen kopierte Texte handelt, die einzig darauf abzielen, das Konto des Users zu füllen? Welche Kontrollen führt dooyoo durch?
Rene Kaute: Richtig ist, dass die Meinungsschreiber bei dooyoo.de über ein natürliches Mitteilungsbedürfnis verfügen. Dennoch sind die Hemmschwellen im Netz sehr viel geringer als im offline-Leben. Gerade bei extremen Erfahrungen steigt die Kommunikationsbereitschaft sehr stark an: habe ich mir z.B. ein neues Handy gekauft, dass nach wenigen Tagen seinen Geist aufgibt, so werde ich dies i.d.R. meinem Nächsten mitteilen wollen. Ärger und Freude sind demnach Anlässe der Kommunikation.
Schlecht formulierte Meinungen gibt es leider immer wieder – wie schwarze Schafe. Glücklicherweise aber ist die Anzahl der Spielverderber gering. Mit unserem Incentivierungssystem setzen wir gezielt auf hochwertige Beiträge und fördern sehr gut geschriebene Rezensionen besonders. Qualität ist unser Herz. Sobald wir unser Incentivierungssystem umstellen, wird es noch stärkere Anreize geben, gute Rezensionen zu schreiben. Und das ist wichtig, denn Qualität ist unser Herz.
Die Qualität der Informationen ist gesichert. Dooyoo.de wendet ein intelligentes, mehrstufiges Bewertungssystem an, das sinnvolle Qualitätsfilter für Produkte und Meinungen liefert. Der User kann auf die Produkt- und Dienstleistungsempfehlungen zurückgreifen, die seinen Bedürfnissen und seinem Profil entsprechen.
Kern der Site sind die Produkt-Reviews der Konsumenten und herstellerunabhängige Expertenmeinungen. Von allen Produkten finden sich dazu Darstellungen in Text und Bild. Ein dreistufiges Bewertungssystem der Produkt-Reviews der Konsumenten führt zunächst über eine Wertung durch Noten. Hier erhält der User einen Überblick über die Meinungen der anderen Mitglieder. In einer zweiten Stufe werden die Produkt-Reviews ihrerseits als mehr oder weniger nützlich eingestuft. Der Vorteil liegt darin, dass der Konsument ein Gefühl dafür erhält, welche Kriterien andere Käufer für besonders wichtig erachtet haben. Dies gibt mehr Sicherheit bei der Kaufentscheidung. Die dritte und letzte Stufe sieht eine Auswahl über das Persönlichkeitsprofil des Rezensenten vor (Name, Alter, Hobbies etc.). So kann der Interessent stärker einschätzen, ob er und der Rezensent zusammenpassen. Hier entsteht das "dooyoo"-Community-Feeling. Aufgenommen in den virtuellen Freundeskreis geben verwandte Profile immer wieder eine vertraute und persönliche Kaufhilfe für den Konsumenten. Links zu den Herstellerfirmen der besprochenen Produkte runden das Angebot der Web-Seite ab.
Golem: Inwieweit kann das Meinungsbild durch gezielte Kampagnen von Unternehmen, beispielsweise eine Vielzahl von Einträgen, manipuliert werden?
Rene Kaute: Zu Beginn hätten manipulierte Meinungen sehr wohl zu einem Problem werden können – mittlerweile ist unsere Community jedoch so groß, dass manipulierte Meinungen hier nicht mehr ins Gewicht fallen. Keine Firma könnte es sich erlauben, mehrere Mitarbeiter darauf anzusetzen, bewusst manipulierte Reviews ins Netz zu setzen – wir würden diese Firmen bewusst öffentlich bekannt geben.
Golem: Für die technische Umsetzung des dooyoo-Angebots zeichnet Living Systems verantwortlich. Verschenkt man im Internet-Business mit dem Outsourcing der Technik nicht die Möglichkeit, durch direkten Einfluß sich mit besonderen Features hervor zu tun? Was ist der Grund, die Technik komplett extern in Auftrag zu geben, und würde dooyoo diesen Weg wieder beschreiten?
Rene Kaute: Wir haben uns bewusst entschieden die Technologie an einen der besten Anbieter auf diesem Gebiet outzusourcen. Auch hier setzen wir auf besonders hohe Qualität und Professionalität. Dies ist zwar langfristig etwas teuerer aber es bringt den Usern mehr Zuverlässigkeit. Wir lassen ständig neue Features programmieren und arbeiten dazu sehr eng mit dem Living-Systems-Team zusammen. Für tägliche Änderungen haben wir zusätzlich ein kleines inhouse-Team an HTML-Programmierern.
Golem: Wie viele User nutzen das Angebot von dooyoo, wie viele Meinungen werden täglich hinzugefügt, wie viele gelesen?
Rene Kaute: dooyoo.de ist zur Zeit Deutschlands schnellstwachsende Internet-Community. Nach vier Wochen hatten wir schon 50.000 Meinungen auf unserer Plattform – das Feedback der User ist extrem positiv. Momentan können wir über 100.000 Meinungen über Produkte und Dienstleistungen, über 30.000 registrierte Mitglieder bei monatlich 7 Millionen Pageimpressions verzeichen.
Im Augenblick umfasst das Angebot auf der Website die Kategorien Campus, Computer, City-Guide, Dienstleistungen, Elektronik, Fahrzeuge, Games, Gesundheit, Kids & Family, Lifestyle, Medien, Reisen und Sport.
Jeden Tag kommen zwischen 2.500 und 4.000 Meinungen hinzu.
Golem: Laut Medienberichten haben die beiden deutschen Internet-Meinungsportale ciao.com und dooyoo ein Übernahmeangebot des US-Branchenführers epinions.com dankend abgelehnt. Wollen Sie kein zweites deutsches eBay werden?
Rene Kaute: Sicherlich wird epinions.com in den naher Zukunft in den deutschen und europäischen Markt treten. Was dann passiert, muss man sehen. In jedem Fall wird es für die Amerikaner natürlich einfacher in den Markt zu kommen, wenn sie mit einem deutschen Partner kooperieren.
Golem: Wie beurteilen Sie den Zusammenschluss von Amiro und ciao.com, Ihren größten Konkurrenten? Stehen Sie jetzt einer Übermacht gegenüber und benötigen Sie vielleicht doch einen US-Partner, um gegen die Konkurrenz bestehen zu können?
Rene Kaute: Hier von einer Fusion zu sprechen halte ich für übertrieben – vielmehr handelt es sich hier um das "Einverleiben" eines Unternehmens, das ohne Venture Capital ausgestattet, auf dem deutschen und Europäischen Markt selbständig keinerlei Überlebenschance gehabt hätte.
Die zweite Frage wird sein wie der User hier reagiert – es könnte ziemlich problematisch werden, die Community-Mitglieder und -Meinungen in einen Pott zu werfen.
Wir planen, noch in diesem Monat in vier weiteren europäischen Ländern zu starten – die neuen dooyoo-Sites starten in Frankreich, Spanien, Österreich und Italien. Vor diesem Hintergrund hat dooyoo.de in den Metropolen Paris, Rom, Madrid und Wien schlagkräftige Teams rekrutiert. Die Teams bestehen u.a. aus ehemaligen Microsoft-, Andersen-Consulting-, Deloitte-Consulting- und Telecom-Italia-Mitarbeitern.