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Deutsche Bank investiert kräftig in E-Commerce

Tiefgreifende Umgestaltung auf allen Geschäftsebenen. "Das Internet erfasst den Finanzdienstleistungssektor stärker als alle anderen Branchen. Es wird die Bankenlandschaft in den nächsten Jahren von Grund auf verändern. Wir werden unser Geschäft umbauen und mit Partnern kooperieren. Ziel ist es, alle sich bietenden neuen Möglichkeiten optimal zu nutzen" , so Dr. Rolf-E. Breuer, Vorstandssprecher der Deutschen Bank.
/ Jens Ihlenfeld
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In diesem Zusammenhang stellte Breuer einige Thesen zur Zukunft des Finanzdienstleistungssektors in der digitalen Welt des Internet vor:

  • Das Internet biete höchste "Convenience". So habe der Kunde direkten Zugang zu Märkten, umfassenden Informationen und personalisierten Dienstleistungen. Konventionelle Vertriebskanäle werden dadurch zunehmend verdrängt.
  • Die hohe Transparenz und Vergleichbarkeit von Preisen im Internet führe zu dramatischem Margenverfall bei undifferenzierten Standardprodukten.
  • Der freie Zugang zu Informationen und stark reduzierte Transaktionskosten beschleunige die Desintermediation.
  • Es komme zu einer grundlegenden Verlagerung von Verhandlungsmacht hin zum Kunden. Intermediäre würden durch diese Stärkung der Kundenposition umgangen.

Gerade die Banken, so Breuer, haben als klassische Intermediäre seit jeher den größten Teil ihrer Einnahmen aus Vermittlerfunktionen bezogen. Im Zeitalter des Internet dürften die Kunden jedoch zunehmend weniger bereit sein, den Banken Gebühren für pure Vermittlungsleistungen zu zahlen. Aus seiner Sicht lassen sich drei Bereiche für das künftige Bankgeschäft definieren:

  • Beratungskompetenz: Auch bei hoher Markttransparenz und Produktvergleichbarkeit benötigen Entscheidungsträger hochwertiges Research und Beratungsleistungen, um komplexe finanzielle Entscheidungen treffen zu können.
  • Risikotransformation: Die Übernahme und die Transformation von Risiken auf Aktien-, Renten- und Derivatemärkten, in den Bereichen Venture Capital und Private Equity sowie bei der strukturierten Finanzierung werden zentrale Aufgaben des Bankgeschäfts bleiben.
  • Transaktionsabwicklung: Angesichts des rasanten Wachstums der Kapitalmärkte ist die Transaktionsabwicklung ein wichtiger Wachstumsbereich.

"Die Vermittlungsaufgaben der Finanzinstitute werden immer mehr an Attraktivität verlieren, während Beratungsleistungen, das Risikomanagement und Transaktionsbearbeitung künftig in den Vordergrund treten. So stellen wir uns die Veränderung des Bankgeschäfts im Zuge der digitalen Revolution und die künftige Geschäftstätigkeit der Deutschen Bank vor" , resümierte Breuer.

Die Global-E-Strategie soll die Geschäftstätigkeit der Deutschen Bank fundamental verändern. Sie steht – so Breuer – für die globale Verknüpfung von Märkten mit Investoren und stützt sich auf vier wesentliche Säulen:

  • Nutzung des Internet, um Kunden einen besseren und breiteren Zugang zur Beratungskompetenz der Deutschen Bank zu bieten.
  • Aktive Mitgestaltung der Transformation von Kapital- und Gütermärkten im Zuge der Evolution von Online- und neuen elektronischen Märkten.
  • Nutzung des Direktvertriebs über das Internet, um die globale Platzierungsstärke durch eine wesentlich erhöhte Investorenreichweite auszubauen.
  • Einsatz einer weltweiten leistungsstarken technologischen und operativen Plattform zur Abwicklung von Transaktionen.

Zur Umsetzung ihrer Global-E-Strategie will die Deutsche Bank die Internet-Aktivitäten in den einzelnen Unternehmensbereichen verankern. In jedem Bereich seien leitende Führungskräfte damit beauftragt, den Umgestaltungsprozess auf Geschäftsebene voranzutreiben.

Aus Sicht von Breuer werden viele Global-E-Projekte eine völlige Umgestaltung der gegenwärtigen Geschäftssysteme und -strukturen nach sich ziehen. Zudem sollen Partnerschaften ausgebildet werden, um die Vertriebskapazitäten zu erhöhen.

"Wir werden in den nächsten Jahren kräftig in Global-E-Initiativen investieren" kündigte Breuer an. Die Finanzierung wird u.a. mit Hilfe zu erwartender Kapitalerträge aus der Veräußerung von Industriebeteiligungen erfolgen.

Die Deutsche Bank will mit einer rein webbasierten "Personal Investment Bank" einfache Privatkundengeschäfte ohne persönliche Beratung anbieten. Die Kunden sollen dort u. a. den direkten Zugang zu innovativen Produkten, modernsten Handelsinstrumenten sowie umfangreichen Marktinformationen erhalten.

Anlageempfehlungen, Finanzierungsplanung und Anlageinstrumente sowie die Einrichtung eines Internet-Call-Centers sollen dem hohen Beratungsbedarf der Privatkunden auch im Internet Rechnung tragen.

Mit der "db marketplaces"-Plattform will die Deutsche Bank zu den ersten Kreditinstituten zählen, die integrierte Finanzprodukte für Anbieter an "vertikalen Märkten" Kunden anbietet. Die Business-to-Business-Transaktionen wie z.B. Identifikation, Verifizierung, Margenbedingungen, Gebühreninkasso sowie die Zahlungsabwicklung und Devisengeschäfte, Handelsfinanzierungen und Risikosteuerungsprodukte sollen diesen Märkten angeboten werden.

Die Deutsche Bank ist derzeit mit der Einführung von "db markets" befasst, um den Bedarf der anspruchsvollen institutionellen Investoren zu erfüllen. Zu db markets zählt "Autobahn", eine duale Preissetzungs- und Ausführungsplattform für das Rentengeschäft auf Echtzeitbasis. "Autobahn" ist das führende Vertriebssystem für Handelsgeschäfte auf dem US-Rentenmarkt und wird derzeit in Europa und Asien eingeführt.

Mit "DWS-direct", das kürzlich im Asset-Management-Geschäft eingeführt wurde, soll es einen umfassenden "fund supermarket" geben, der den Kunden künftig auch europaweit eine breite Leistungspalette und den direkten Zugang zu den Produkten bietet.

Die Deutsche Bank plant Ende dieses Jahres zunächst für Deutschland und anschließend europaweit ein neues Produkt: "moneyshelf.com", ein persönliches Finanzportal für Privatkunden. "moneyshelf.com" soll ein Informationsinstrument werden, das den Onlinezugang zu zahlreichen Finanzdienstleistungsprodukten der Deutschen Bank sowie von Drittanbietern ermöglicht.

Mit "db business direct" will die Bank das Firmengeschäft neu gestalten. Zusätzlich zum Kundenbetreuer wird "db business direct" als zentrale Anlaufstelle für sämtliche Bankdienstleistungen fungieren. Mit dieser Serviceplattform will die Bank ihre Vertriebsaktivitäten auf attraktive Firmenkunden-Beziehungen konzentrieren.

Ein Schwerpunkt des Global-E-Strategie der Deutschen Bank ist die Bildung starker Partnerschaften. Vorstandsmitglied Hermann-Josef Lamberti: "Neben der Zusammenarbeit mit Yahoo! sind wir über die strategische Allianz mit Nokia auf M-Commerce, bei dem der WAP-Standard im Mobiltelefonbereich für den Kundenservice eingesetzt wird, vorbereitet, und auch die Kooperation mit Mannesmann ergänzt unsere M-Commerce-Strategie" .

Eine neue strategische Kooperation geht die Deutsche Bank, wie bereits am Freitag durchsickerte, mit SAP ein. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit sollen SAP-Marktplätze für Finanzprodukte und andere Mehrwert-Dienstleistungen angeboten werden. Außerdem wollen die Deutsche Bank und SAP gemeinsam einen vertikalen Marktplatz schaffen.

In einer strategischen Allianz mit AOL Europe wird die Deutsche Bank 24 gemeinsam eine Plattform errichten, um mit ihren Brokerage- und Onlinebanking-Produkten Kunden im Netz und in der mobilen Welt zu gewinnen. Integraler Bestandteil der Übereinkunft sind gemeinsame Produktentwicklungs- und Marketingaktivitäten.

"Die Deutsche Bank verfügt über den Willen und die Ressourcen, um die neu entwickelten Global-E-Modelle zu vermarkten und bereits heute die Grundlage für unseren künftigen Erfolg zu legen" unterstrich Lamberti zusammenfassend.


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