CeBIT offline: Messeleitung bannt Online-Magazine
Um einen unbegrenzten Zugang zur Messe zu bekommen und die zahlreichen Pressekonferenzen besuchen zu können, ist eine Akkreditierung bei der CeBIT-Messeleitung nötig. Journalisten, die einen Presseausweis vorweisen können, sind aus dem Schneider. Auch wer zur Print-Presse gehört, hat keine Probleme: Dem Akkreditierungsgesuch wird einfach die Publikation beigelegt, in deren Impressum man steht.
Wer jedoch zur Online-Presse gehört und keinen Presseausweis vorweisen kann, dem bringen alle Beweise einer professionellen journalistischen Tätigkeit nichts. Selbst jahrelang auf der CeBIT tätige Online-Journalisten sind betroffen und dementsprechend verärgert. Sie fürchten nicht ohne Grund, ohne offizielles Presseschildchen bei Presseveranstaltungen mit Einlassproblemen durch Messepersonal kämpfen zu müssen und dadurch in der Berichterstattung massiv behindert zu werden.
So hat das renommierte britische E-Zine The Register Ende letzter Woche seinem Ärger in Form eines Artikels Luft gemacht und seine Erfahrungen mit der CeBIT-Messeleitung geschildert: Laut einer CeBIT-Sprecherin kämen selbst Reuters-Journalisten nicht ohne Presseausweis auf die Messe.
Die ebenfalls weltweit bekannte Website Tom's Hardware Guide, die sich auf Hardware-Tests und -News spezialisiert hat, kämpft mit den gleichen Problemen: "Nach der ersten Ablehnung haben wir denen alle erdenklichen Infos geschickt wie z.B. aktuelle Mediendaten, Eintragung der TG Publishing AG ins Handelsregister usw. – leider ohne Erfolg" , beklagt Uwe Scheffel von Tom's Hardware.
"Wir hatten bislang auf keiner Messe Probleme, die Presse-ID-Karten zu bekommen, auch nicht auf der letzten CeBIT. Der Alleingang der CeBIT-PR-Abteilung spottet jeder Beschreibung! "...to safeguard the confidentiality of our exhibitors..." – die Aussteller, mit denen wir Termine vereinbart haben, brauchen nicht "ge-safeguarded" zu werden, sondern wollen, dass wir vorbeischauen. Dann müssen sich die Aussteller halt mit Vertretern der Schülerzeitungen zufrieden geben. Die kommen jedenfalls rein" , fährt Uwe Scheffel fort.
"Deutschland ewig Entwicklungsland in Sachen Internet, welche andere Veranstaltung, wenn nicht die CeBIT 2000, wäre perfekt, um eine Änderung herbeizuführen? Leider wird diese Chance durch den Ausschluss der Neuen Medien vertan" , konstatiert Alexander Moritz vom LCM-Network, ein aufstrebendes Berliner E-Zine, das sich wie Tom's Hardware mit Hardware-Themen befasst.
Den betroffenen Online-Journalisten geht es dabei weniger um Selbstbemitleidung sondern mehr um die allgemeine Gleichstellung der Neuen Medien zu den traditionellen Medien Print, Radio und Fernsehen.
Auf Nachfrage der Golem Network News bekräftigte die CeBIT-Messeleitung in der vergangenen Woche ihre neue restriktive Richtlinie und betonte, dass sich bis jetzt noch keiner der Aussteller darüber beklagt hätte. Fraglich ist allerdings, ob diese deutlich darüber informiert wurden. Schließlich trägt es der Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen nicht gerade bei, dass den immer mehr an Bedeutung gewinnenden Online-Publikationen Steine in den Weg gelegt werden...