Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/geforce-titan-nvidias-1-000-euro-grafikkarte-uebertaktet-monitore-1302-97686.html    Veröffentlicht: 19.02.2013 15:00

Geforce Titan

Nvidias 1.000-Euro-Grafikkarte übertaktet Monitore

Die größte GPU der Welt hat auch einen großen Preis, soll dafür aber auch sehr schnell sein. Wie schnell, darf noch nicht gesagt werden, und kaufen kann man die Grafikkarte Geforce Titan von Nvidia auch noch nicht. Aber die technischen Daten und neue Funktionen hat Nvidia nun bestätigt.

Mit der Geforce Titan stellt Nvidia die erste Grafikkarte auf Basis der GPU GK110 vor. Dieser Chip ist der größte Grafikprozessor mit Kepler-Architektur und kam bisher nur auf den GPGPU-Karten Tesla K20 und K20X zum Einsatz. Wie bei der K20X besitzt auch die GPU der Geforce Titan 2.688 Rechenwerke, die in 14 SMX-Modulen zu je 192 Kernen zusammengeschaltet sind. Eigentlich besitzt ein GK110 sogar 15 der Module und somit 2.880 Rechenwerke, eine fehlerfreie Produktion ist offenbar wirtschaftlich aber noch nicht möglich.

Um eine abgespeckte Variante des GK110 handelt es sich bei der auf der neuen Geforce verbauten GPU aber dennoch nicht, schließlich besitzt sie genauso viele Funktionseinheiten wie der Chip auf der K20X. Auch der Takt ist etwas höher, für den Beschleuniger gibt Nvidia nur 3,95 Teraflops Rechenleistung bei einfacher Genauigkeit an, bei der Geforce Titan sind es 4,5 Teraflops.

Den Namen seiner neuen DirectX-11-Karte hat Nvidia vom schnellsten Supercomputer Titan abgeleitet, der bereits mit Kepler-GPUs ausgerüstet ist. Daher bezeichnet das Unternehmen mit der Titan ausgerüstete PCs auch als die "ersten Gaming-Supercomputer". Dafür ist auch ein Superpreis zu bezahlen: Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 900 Euro plus Mehrwertsteuer, also 1.071 Euro Endpreis. In den USA sind 999 US-Dollar plus die ortsüblichen Steuern vorgeschlagen.

Wie teuer die Geforce Titan letztendlich wird, ist noch nicht abzusehen, denn erst ab dem 25. Februar 2013 sollen die Grafikkarten verkauft werden. Nvidia nennt hier Asus, EVGA, Gainward, Gigabyte und Zotac als Launchpartner, andere Unternehmen sollen folgen. Wie viele der Karten es zum Start geben wird, ist ebenfalls noch unklar. Gerüchteweise soll die Erstauflage weltweit nur 10.000 Karten umfassen. Nvidia betonte bei Vorstellung der Titan gegenüber Journalisten aber, dass es sich nicht um eine limitierte Auflage handeln soll. Die Titan soll beständig angeboten werden, wie es auch schon bei der ebenfalls sehr teuren Geforce GTX-690 der Fall ist.

Noch einige Tage muss man sich ebenfalls mit Benchmarks gedulden, selbst Nvidias eigene Messungen will das Unternehmen noch nicht veröffentlicht sehen. Dass Nvidia die Titan trotzdem jetzt schon ankündigt, dürfte am auf die Minute zeitgleichen Fall der Sperrfrist für Crysis 3 liegen: In seinen Präsentationen bezeichnet Nvidia die Titan im Triple-SLI-Betrieb - also mit drei Grafikkarten - als einzige Lösung, um den neuen Crytek-Shooter auf drei Monitoren mit 5.760 x 1.080 Pixeln ruckelfrei spielen zu können.

Fest stehen immerhin schon die technischen Daten und neue Funktionen, und da wartet die Titan mit einigen Überraschungen auf. Zwar nennt Nvidia weiterhin nicht die Leistungsaufnahme im Leerlauf, mit 250 Watt TDP ist die Karte aber genügsamer als erwartet. Wie hoch der Energiebedarf mit Spielen letztendlich ausfällt, müssen erst ausführliche Tests zeigen. Mit je einem 8-poligen und einem 6-poligen PCIe-Anschluss reichen aber die meisten Netzteile aus. Nvidia empfiehlt ein Modell mit mindestens 600 Watt Nennleistung.

Neuer GPU-Boost und Display-Overclocking

Wie bei der Tesla K20X ist auch der Speicher mit 6 GByte GDDR5 bei 1.502 MHz Takt sehr groß, das soll für mehr Tempo auch bei aufwendiger Filterung sorgen. Die GPU selbst ist mit 837 bis 876 MHz per Boost getaktet. Die mit der GTX-680 eingeführte Funktion des GPU-Boost hat Nvidia überarbeitet. Bisher wurde dabei nämlich nicht Temperatur in Echtzeit berücksichtigt, sondern nur Takt und Spannung. GPU-Boost 2.0 misst ständig alle drei Parameter und soll so den Takt weiter nach oben schrauben können. Bisherige Tools, welche die GPU-Temperatur auslesen, sind laut Nvidia trotzdem zuverlässig.

Übertaktet wird nun erstmals auch der Monitor, damit Spieler auch mit aktivem VSync die Leistung der Grafikkarte ausschöpfen können. Nvidia hat in eigenen Tests festgestellt, dass viele Displays mehr als die üblichen 60 Hertz vertragen. Daher gibt es in den neuen Treibern eine Funktion, um das auszuprobieren. Der Monitor wird dabei kurzfristig mit beispielsweise 80 Hertz angesteuert. Zeigt er noch ein Bild, kann der Anwender das bestätigen, bleibt der Bildschirm schwarz, werden die Standardfrequenzen von selbst wiederhergestellt.

Zwar konnte Nvidia auf Anfrage keine Liste von Monitoren vorlegen, die mehr als 60 Hertz beherrschen - die raren 3D-Displays einmal außen vor -, aber reizvoll erscheint das Display-Overclocking dennoch. Technisch möglich ist es, weil die Grafikkarte stets den Takt vorgibt. Wenn sie dabei die INF-Dateien für den Monitor und die vom Display selbst gelieferten EDID-Daten ignoriert, sind höhere Frequenzen ohne weiteres machbar.

Selbst wenn ein Spiel nicht konstant mit 80 Bildern pro Sekunde arbeitet, hat der Anwender von der Übertaktung bei aktiviertem VSync einen Vorteil, weil die Zeitfenster, in denen ein neues Bild dargestellt werden kann, enger aneinanderrücken. Die Chance, dass die Grafikkarte gerade dann einen Frame fertig berechnet hat, wenn der Monitor ihn darstellen kann, wird also größer, und das Ruckeln reduziert sich. Dieser Effekt war auch schon bei Röhrenmonitoren zu beobachten, die das Bild zeilenweise aufbauen - viele Spieler setzten die Frequenz so hoch wie möglich und ließen VSync an, auch wenn das etwas Performance kostete.

Sonst hat sich bei der Display-Ansteuerung gegenüber früheren Kepler-Grafikkarten nichts getan: Auch die Geforce Titan kann nur vier Monitore ansteuern, bei Betrieb mit Stereoskopie nur drei. Auch auf den zweiten und platzraubenden DVI-Anschluss will Nvidia nicht verzichten, das Referenzdesign sieht diese beiden Ports, einmal Displayport in großer Ausführung und einmal HDMI, vor.

Dass die Geforce Titan mit über 1.000 Euro mehr kostet als selbst schnelle Dual-GPU-Karten, ist nicht nur der vermutlich hohen Rechenleistung geschuldet - der Chip selbst ist einfach sehr teuer in der Herstellung. Dazu ein Vergleich: Trotz Herstellung mit 28-Nanometer-Technik ist der GK110 ganze 551 Quadratmillimeter groß, Intels Itanium 9500 (Poulson) kommt mit 32-Nanometer-Fertigung nur auf 544 Quadratmillimeter und besteht aus 3,1 Milliarden Transistoren. Auf nur etwas mehr Fläche muss Nvidia aber schon 7,1 Milliarden Transistoren unterbringen.  (nie)


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