Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/amazon-rheinberg-zum-essen-bleiben-am-tag-nur-wenige-minuten-1302-97665.html    Veröffentlicht: 18.02.2013 22:56

Amazon Rheinberg

"Zum Essen bleiben am Tag nur wenige Minuten"

Nicht nur wegen der Arbeitsbedingungen und der Behandlung der Leiharbeiter bei Amazon gibt es Beschwerden. In einem Lager in Rheinberg blieben den fest angestellten Arbeitern nach langen Wegen und Sicherheitskontrollen oft nur noch wenige Minuten zum Essen.

Eine Vertreterin der Gewerkschaft Verdi hat die Arbeitsbedingungen der fest angestellten Amazon-Mitarbeiter in dem Lager in Rheinberg in Nordrhein-Westfalen kritisiert. Die Pausen seien zu knapp bemessen.

Sabine Busch, die bei Verdi für Amazon in Rheinberg zuständig ist, sagte der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). "Jeder Mitarbeiter hat 45 Minuten Zeit am Tag für den Gang zur Kantine. Das ist zu wenig, denn die Beschäftigten müssen zum Teil lange Wege in den Hallen zurückzulegen und mehrere Minuten lang an einer Sicherheitsschleuse wie am Flughafen warten", sagte Busch. Für die rund 2.700 Arbeiter gebe es nur vier solcher Sicherheitsschleusen. "Daher bleiben für das Essen oft nur noch wenige Minuten. So wird die Pause zum Stressfaktor", erklärte die Verdi-Sekretärin.

Der Durchschnittslohn bei Amazon in Rheinberg liege bei rund 10 Euro pro Stunde. "Das ist kein Tariflohn, wie ihn zum Beispiel der Otto-Versand mit 12,28 Euro zahlt", sagte die Gewerkschafterin. Der Amazon-Standort Rheinberg hatte zunächst keinen Betriebsrat. Am 13. März 2013 gibt es nach Angaben der Gewerkschaft erstmals Betriebsratswahlen.

In einer Reportage des Hessischen Rundfunks vom 13. Februar 2013 wurden Vorwürfe wegen der Behandlung von Amazons Leiharbeitern erhoben. Dort wurde gezeigt, dass einige Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Hensel European Security Services (H.E.S.S.) in Kleidung von Thor Steinar die Unterkünfte von ausländischen Leiharbeitern von Amazon im hessischen Bad Hersfeld überwachten und die Menschen schikanierten. Beschäftigte der Sicherheitsfirma seien laut dem Bericht auch in der rechtsextremistischen Szene aktiv, was das Unternehmen jedoch bestreitet (PDF).

Die Überwachung soll so weit gegangen sein, dass nach dem Frühstück Taschen durchsucht wurden, damit die Arbeiter keine Brötchen mitnehmen konnten. Eine Arbeiterin, die sich über die Zustände beschwert hatte, wurde aus der Unterkunft verwiesen und gekündigt, so der Bericht. Die Sicherheitsfirma betonte, sie sei beauftragt, Diebstähle und Zerstörung der Unterkünfte und Übergriffe zwischen den Arbeitern zu verhindern.

Amazon hat nach dem Bericht die Zusammenarbeit mit der Sicherheitsfirma H.E.S.S. beendet.

Bereits im November 2011 wurde berichtet, dass Amazon Deutschland Aushilfen für das Weihnachtsgeschäft zwei Wochen lang gratis arbeiten lasse. Über 10.000 Hilfskräfte brauche der US-Internethändler für seine Logistikzentren in Werne in Nordrhein-Westfalen, in Leipzig und in Bad Hersfeld in Hessen. Doch Arbeitslosengeldempfänger müssten kostenlos zur Probe arbeiten und bekämen für die Zeit ihr Geld weiterhin von der Agentur für Arbeit. Amazon setze zudem massiv auf befristete Verträge, berichtete das Fernsehmagazin Report Mainz.  (asa)


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