Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/robotik-bionische-handprothese-mit-gefuehl-1302-97645.html    Veröffentlicht: 18.02.2013 12:05

Robotik

Bionische Handprothese mit Gefühl

Wissenschaftler aus der Schweiz haben eine bionische Handprothese mit Verbindung zum Nervensystem konstruiert. Sie wird über Signale aus dem Gehirn gesteuert und liefert diesem sensorische Daten.

Wissenschaftler aus der Schweiz haben eine robotische Handprothese gebaut, die über Nervensignale gesteuert wird und eine Rückmeldung darüber gibt, was der Träger damit greift. Ein Italiener soll sie im Laufe des Jahres als Erster testen.

Die Prothese werde über Elektroden mit dem Nervus medianus und dem Nervus ulnaris verbunden, sagte Silvestro Micera, einer der Entwickler von der Eidgenössischen Technischen Hochschule im schweizerischen Lausanne (EPFL). Er habe sie beim Jahrestreffen der American Association for the Advancement of Science (AAAS) vorgestellt, berichtet die britische Tageszeitung The Independent.

Verbindung mit Rückkanal

Durch die Verbindung zum Nervensystem werde eine Zwei-Wege-Verbindung zwischen Gehirn und Prothese hergestellt, sagte Micera: Die Prothese wird über Nervensignale aus dem Gehirn gesteuert, und sie gibt über ihre Berührungssensoren eine Rückmeldung an das Gehirn. Es sei die erste Prothese, die in Echtzeit eine Rückmeldung darüber liefere, was damit gegriffen werde, sagte Micera. Das sei ein großer Fortschritt in der Prothetik.

Die Sensoren sitzen in den Fingerkuppen, in der Handfläche und im Handgelenk. Der Träger soll die Prothese ähnlich wie seine echte Hand spüren. Eine frühere Version aus dem Jahr 2009 hatte nur zwei Bereiche mit Sensoren.

Einmonatiger Test

Im Laufe des Jahres soll ein junger Italiener, der einen Unterarm bei einem Unfall verloren hat, die Handprothese bekommen. Bei dem Prototyp sollen die Drähte, die die Verbindung zu den Nerven herstellen, durch die Haut geführt werden. In späteren Versionen sollen sie unter der Haut liegen. Der Italiener soll die Roboterhand einen Monat lang testen. Verläuft dieser Test problemlos, könnte das System in etwa zwei Jahren für den klinischen Einsatz getestet werden.

Das Jahrestreffen der AAAS, der US-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, findet dieses Jahr in Boston statt. Es endet am heutigen Montag.  (wp)


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