Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/moonbot-studios-der-golem-wie-er-das-crowdfunding-entdeckte-1302-97587.html    Veröffentlicht: 14.02.2013 11:50

Moonbot Studios

Der Golem, wie er das Crowdfunding entdeckte

Ein künstlich erschaffenes Wesen, das die Menschheit beschützt: Die Geschichte vom Prager Golem ist die Vorlage für Filme wie Der Terminator oder Frankenstein. Außerdem ist sie Namensgeber von Golem.de. Die Moonbot Studios greifen das Thema auf und entwickeln ein Computerspiel.

Die Moonbot Studios sind ein preisgekröntes Unternehmen. Mit The Fantastic Flying Books of Mr. Morris Lessmore entwickelten sie 2011 einen der zauberhaftesten Animationsfilme der vergangenen Jahre. Ein Jahr später bekam der Film einen Oscar für den besten animierten Kurzfilm. Gute Voraussetzungen für ein märchenhaftes Actionadventure über das künstlich geschaffene Wesen namens Golem.

Moonbot-Gründer William Joyce kennt sich darüber hinaus mit abenteuerlichen Geschichten aus. Der Grafiker war für die Entwicklung einiger Charaktere von Pixar-Filmen wie Toy Story und Das große Krabbeln verantwortlich. Er hat außerdem zahlreiche Kinderbücher geschrieben und bebildert.

Der Prager Golem

Jetzt will Joyce zusammen mit seinem Team die über Jahrhunderte überlieferte Legende vom Prager Golem nacherzählen - als Computerspiel. Im Video zum Kickstarter-Projekt sind einige Konzeptzeichnungen zum Spiel Der Golem bereits zu sehen. Außerdem erzählen die Entwickler von der Handlung.

Die Geschichte des Golem spielt im 16. Jahrhundert in Prag. Die größten Städte Europas werden von einer bösen Macht bedroht - von Cesore Borgia, einem Befehlshaber einer teuflischen Armee. Schon an dieser Stelle unterscheidet sich die Geschichte von der berühmten überlieferten Legende des Prager Golems, die hier nachgelesen werden kann.

Im Spiel will der spirituelle Führer und Wissenschaftler Rabbi Löw Prag und sein Volk gegen Borgia beschützen. Eines Nachts hat der Rabbi eine Eingebung. Er träumt von einem aus Lehm, Holz, Metall und Stein geschaffenen Wesen, das die Pläne der Gegner vereiteln soll: einem Golem.

Fünf Gilden sollen den Golem erschaffen

Ab diesem Punkt hat die Geschichte kaum noch etwas mit dem überlieferten Text zu tun. Darin wird der Golem aus Ton erschaffen. Im Spiel braucht der Rabbi die Hilfe der Handwerksgilden in der Stadt. Die Schmiede erschaffen den Panzer des Golems, die Holzarbeiter seine Hände und Gelenke und die Uhrenmacher sind für das Skelett und die Mechanik des Golems verantwortlich.

Die Keramikmeister machen die Haut des Golems mit Ton aus dem Schlammbett der Moldau hart wie Stein. Und die Glasbläser erschaffen eine gläserne Brustplatte, damit jeder sehen kann, was er von Herzen begehrt: Freiheit.

Nur eines hat Rabbi Löw nicht bedacht: Dem Golem fehlt eine Seele. Im Laufe des Spiels muss er zwar die Befehle des Rabbis ausführen, um Borgias Armee zu zerstören. Das Ziel des Spielers ist es aber, dem Golem bei seiner Suche nach einer Seele zu helfen. Dabei wird er von den fünf Gilden, die ihn erschaffen haben, unterstützt. Die Handwerker sollen ihn heilen, wenn er verletzt wird.

Im Laufe des Spiels lernt das Wesen laufen, rennen und springen. Später soll es auch schwimmen lernen können. Um Borgias Armee zu bekämpfen, kann der seelenlose Golem unter anderem mit Felsen um sich werfen, ohne dabei die Stadt Prag zu zerstören, deren Einwohner und Gebäude er beschützen soll.

Um Prag kennenzulernen, waren die Entwickler selbst dort. Viele Bilder und Eindrücke haben sie mit nach Hause genommen, die sich im Spiel wiederfinden werden.

Der Golem soll auf PC, Mac und Linux wüten

Gesteuert werden soll der Golem mit einem Dual Stick Controller wie dem Xbox 360 Controller. Linux-Nutzer sollen aber auch mit Keyboard und Maus spielen können.

"Wir wollen das Spiel auf so viele Plattformen wie möglich bringen", schreiben die Entwickler auf ihrer Kickstarter-Seite. Und sie schreiben auch, dass sie die Unity Game Engine nutzen. Damit kann das Spiel theoretisch für die mobilen Geräte wie iPad und Android-Tablets entwickelt werden.

Auf wie vielen Plattformen Der Golem erscheinen werde, sei abhängig davon, ob das geplante Ziel von 750.000 US-Dollar erreicht werde. Über 1.100 Unterstützer haben bereits Interesse an einem fertigen Spiel bekundet - noch nicht genug, denn bisher sind erst etwas mehr als 42.000 US-Dollar eingegangen (Stand 14. Februar 2013, 11 Uhr). Am 26. März endet die Finanzierungsphase.

Wer die Entwickler mit mehr als 10.000 US-Dollar unterstützt, wird vom Team in die Moonbot Studios nach Louisiana eingeladen, als Statue im Spiel verewigt und erhält einen 3D-Druck seiner Statue. Für 15 US-Dollar erhält der Unterstützer das fertige Spiel und Zugang zum Produktionsblog. Geplanter Veröffentlichungstermin des Spiels ist irgendwann im Sommer 2015.  (sha)


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