Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/browser-opera-steigt-auf-webkit-und-v8-um-1302-97559.html    Veröffentlicht: 13.02.2013 10:43

Browser

Opera steigt auf Webkit und V8 um

Opera Software steigt komplett auf die Rendering-Engine Webkit und die Javascript-Engine V8 um, die beide auch in Chrome zum Einsatz kommen. Bislang hat der norwegische Browserhersteller eine eigene Browserengine entwickelt.

Alle neuen Produkte von Opera Software werden ab sofort auf der freien HTML-Rendering-Engine Webkit und der ebenfalls freien Javascript-Engine V8 basieren. Webkit kommt unter anderem in den Browsern von Apple, Google und Blackberry zum Einsatz und wurde ursprünglich von Apple auf Basis der HTML-Rendering-Engine KHTML des KDE-Projekts entwickelt. Die Javascript-Engine V8 hat Google entwickelt und setzt sie in seinem Browser ein. Aber auch der Javascript-Server Node.js basiert beispielsweise auf V8.

Für Opera stellt der Wechsel auf Webkit und V8 einen entscheidenden Strategiewechsel dar, denn bislang entwickelten die Norweger sowohl eine eigene Rendering Engine namens Presto als auch eine eigene Javascript-Engine. Und auch wenn Operas Browser auf dem Desktop nur einen sehr kleinen Marktanteil hat, auf Handys und Smartphones sind Opera Mini und Opera Mobile in einigen Ländern die am häufigsten genutzten Browser. So verkündete Opera zugleich mit dem Strategiewechsel, dass mittlerweile 300 Millionen Anwender Software von Opera nutzen.

Dass Opera an einem Browser auf Basis von Webkit arbeitet, war bereits Mitte Januar 2013 bekanntgeworden. Opera-Chef Lars Boilesen hatte Pocketlint ein Video gezeigt, in dem Operas neuer Tablet-Browser Ice vorgestellt wurde, der auf Webkit basiert.

Aus Nutzersicht werde sich durch den Wechsel auf Webkit und V8 nicht viel ändern, so Opera. Auf mobilen Seiten soll Webkit aber Vorteile bieten. Das liegt vor allem daran, dass diese oft auf Webkit zugeschnitten sind und daher wegen der Verwendung entsprechender Präfixe nur in Webkit funktionieren, obwohl auch andere Browser die entsprechenden Funktionen bieten.

Operas erstes Produkt auf Basis von Webkit wird ein Browser für Smartphones sein. Er soll auf dem Mobile World Congress in Barcelona Ende des Monats gezeigt werden. Die Desktopversion von Opera und andere Produkte sollen später auf Webkit und V8 umgestellt werden.

Veränderungen für Entwickler

Für Entwickler bedeutet die Umstellung auf Webkit große Veränderungen. Erweiterungen, die für Opera entwickelt wurden, werden künftig nicht mehr mit dem Browser funktionieren. Opera hat aber ein Werkzeug entwickelt, das die alten OEX-Erweiterungen in ein Format umwandelt, das in Chromium funktioniert. Das Objekt window.opera wird es künftig nicht mehr geben.

Da Opera künftig auf Chromium, der Open-Source-Version von Chrome, basieren wird, spielt der Browser Audio- und Videodateien in den Formaten H.264 und MP3 nur noch dann ab, wenn das Betriebssystem entsprechende Codecs zur Verfügung stellt. Der Browser selbst enthält nur Codecs für freie Formate wie WebM, Ogg Theora und Ogg Vorbis.

Warum der Wechsel?

Opera will sich künftig stärker darauf konzentrieren, einen besseren Browser zu entwickeln, statt Funktionen zu implementieren, die in Webkit bereits umgesetzt sind. Als Opera 1995 mit der Browserentwicklung begann, gab es diese Möglichkeit nicht. Opera war darauf angewiesen, eine eigene Browser-Engine zu entwickeln, um mit Microsoft und Netscape konkurrieren zu können.

Opera will sich künftig an der Entwicklung von Webkit und im Rahmen des Chromium-Projekts an V8 beteiligen. Auch will sich Opera weiter in die Entwicklung von Webstandards einbringen. Das Unternehmen ist seit 18 Jahren in den entsprechenden Gremien aktiv und hat unter anderem die Entwicklung von HTML5, der Media Queries und des nativen Videoelements angeschoben.

Unterdessen ist bekanntgeworden, dass Opera-Gründer Jon von Tetzchner einen großen Teil seiner Opera-Aktien verkauft hat. Er ist nur noch mit rund 5 Prozent an Opera beteiligt. Das heizt erneut die Spekulation an, Opera stehe vor einer Übernahme. Als Käufer wird immer wieder Facebook genannt.  (ji)


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