Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/test-aliens-colonial-marines-angriff-der-spassfressermonster-1302-97534.html    Veröffentlicht: 12.02.2013 14:00

Test Aliens Colonial Marines

Angriff der Spaßfressermonster

Was ist eigentlich zwischen dem zweiten und dem dritten Alien-Film passiert? Dieses Rätsel möchte Gearbox mit Aliens Colonial Marines lösen - leider. Nach dem Test kommt es uns gar nicht mehr so schlimm vor, mit der Wissenslücke zu leben.

Ripley ist vorerst in Sicherheit nach den Ereignissen in James Camerons Film Aliens. Während sie in einer Kapsel vom Mond LV-426 flieht, erlebt ein gewisser Corporal Winter Abenteuer, die Aliens Colonial Marines erzählen will. Sein Schicksal steuern wir in elf Kapiteln. Der Ego-Shooter schickt uns in seiner Rolle erst in ein riesiges Raumschiff und dann zu einer Kolonie - in der Kampagne wahlweise mit KI-gesteuerten Kameraden oder im Team mit bis zu vier menschlichen Mitstreitern.

Schon nach wenigen Metern in dem Raumschiff wird klar, dass wir es als Marine vor allem mit einem Gegner zu tun haben: den säurehaltigen Aliens - im Spiel heißen sie oft Xenomorph oder kurz Xenos - aus den Filmen. Die Biester springen uns gerne aus Verstecken an oder krabbeln im Dunkeln von der Decke zu uns. Nachdem wir uns als Corporal Winter tatsächlich ein paar Mal erschrocken haben, war dann aber klar, aus welcher Richtung sie normalerweise angreifen - und entsprechend einfach sind sie auch aus größerer Distanz etwa mit der Schrotflinte auszuschalten.

Der bei früheren Serien-Spiel-Umsetzungen geschickt ins Gameplay eingebundene Bewegungsmelder ist in Aliens Colonial Marines nicht sonderlich hilfreich: Erstens sind sowieso fast immer Aliens in der Nähe, zweitens ist er zu ungenau - und drittens laufen wir den Großteil des Spiels durch lineare, meist auch noch eher enge Gänge und haben kaum Platz zum Ausweichen oder für andere taktische Manöver; nur gelegentlich können wir bestimmte Passagen alternativ durch Schleichen bewältigen, was allerdings wenig spannend umgesetzt ist. Auch sonst gibt es wenig Abwechslung - einer der kleinen Höhepunkte ist es da schon, wenn wir mal aus einem Raumschiff fliehen müssen, dessen Hülle gerade den Geist aufgibt.

Neben den Aliens bekommen wir es später auch mit den Söldnern der Weylan-Yutani-Corporation zu tun, die natürlich weniger den Nahkampf suchen, sondern mit ihren Schusswaffen aus der Ferne und vor allem der Distanz angreifen. Dann spielt sich das Programm vorübergehend ein bisschen anders - aber wirklich herausfordernd wird es auch an diesen Stellen nicht, weil die KI-Gegner ähnlich vorhersehbar agieren wie in den meisten vergleichbaren Titeln.

Waffenbau und Fazit

Als Marine steht uns ein recht großes Waffenarsenal unter anderem mit einem Sturmgewehr, einer Schrotflinte, der Dienstpistole und weiteren Schusswaffen zur Verfügung. Durch das Sammeln von Erfahrungspunkten und bestimmten Extras können wir unsere Kampfausrüstung im Spielverlauf erweitern und etwa ein größeres Magazin oder einen präziseren Lauf per Menü einbauen.

Das Programm basiert auf der modifizierten Unreal Engine 3. An dieser Stelle sollten wir allerdings darauf hinweisen, dass die Entwickler von Gearbox Software rund sechs Jahre an dem Spiel gearbeitet haben - und das sieht man dem Resultat dann insofern an, als die Grafik schlicht veraltet wirkt. Schatten- und Lichteffekte wirken unzeitgemäß, die Texturen auf Konsole und auf PC matschig. Dazu kommen dann aber auch noch zahlreiche Clippingfehler und Probleme mit der Kollisionsabfrage. Wer urplötzlich ohne erkennbaren Grund stirbt: Es könnte sein, dass ein Alien versehentlich durch den Boden gefallen ist und von dort aus angegriffen hat.

Neben der fünf bis sieben Stunden langen Kampagne gibt es auch einen Multiplayermodus, in dem Spieler sowohl als Marine als auch als Xenomorph antreten können. Gearbox liefert vier Spielarten wie Team Deathmatch und Ausrottung mit - bei Letzterem müssen Marines die Alienbasis unter Zeitdruck in die Luft jagen, dann werden Seiten und Rollen getauscht.

Aliens Colonial Marines ist für Windows-PC, Xbox 360 und Playstation 3 zu den üblichen Preisen (ab circa 50 Euro) erhältlich; demnächst soll auch eine Version für die Wii U erscheinen. Die PC-Fassung muss bei Steam aktiviert werden. Das Spiel erscheint vollständig übersetzt, die deutsche Sprachausgabe wirkt bei den Sprechern und der Abmischung nicht sehr gelungen. Das gegenüber der Originalversion inhaltlich nicht geschnittene Spiel hat von der USK eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten.

Fazit

Im Weltraum hört dich niemand schnarchen: So abgewandelt passt der berühmte Aliens-Slogan auf Aliens Colonial Marines. Der Ego-Shooter bietet nur seelenlose Standard-Action. Hochspannung beim Lauern auf die Außerirdischen, taktisch anspruchsvolle Gefechte, futuristische Grafik oder wenigstens eine interessante Handlung - alles Fehlanzeige.

Stattdessen gibt es viel zu viele langweilige Gänge, die immer gleichen Gegner und virtuelle Teamkollegen, die zwar ganz gut mitkämpfen, aber sonst einfach uninteressant sind. Zum Finale geht es dennoch ohne größere Frustmomente - nur Spaß macht es kaum. So bietet Aliens Colonial Marines nicht nur für leidenschaftliche Fans der Filme zu wenig.  (ps)


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