Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/bueroanwendungen-microsoft-soll-office-auf-linux-portieren-1302-97456.html    Veröffentlicht: 07.02.2013 17:40

Büroanwendungen

Microsoft soll Office auf Linux portieren

Gerüchten zufolge soll Microsoft Überlegungen anstellen, sein Office-Paket auf Linux zu portieren. Die Webseite Phoronix spricht bereits von einem Erscheinungsdatum im Jahr 2014.

Michael Larabel von der Webseite Phoronix will erfahren haben, dass Microsoft "ernsthaft" überlege, sein Office-Paket auf Linux zu portieren. Als Grund wird der erwartete Popularitätsschub des Linux-Desktops genannt, der Linux damit auch kommerziell wichtiger machen könnte. Der Erscheinungstermin soll bereits nächstes Jahr sein.

Steigende Linux-Popularität?

Mit der zunehmenden Beliebtheit des Linux-Desktops und des quelloffenen Betriebssystems als Spieleplattform durch Valves Steam-Portierung könnte Microsoft auch einen wachsenden kommerziellen Einfluss von Linux voraussehen, so das Argument zahlreicher Medien, die die Meldung verbreiten.

Microsoft könnte so auch versuchen, an Linux verlorene Marktanteile durch den Umzug von öffentlichen Einrichtungen wie in München wieder wettzumachen. Außerdem könnte der Windows-Hersteller vorhaben, seine Dokumentformate in der Open-Source-Welt zu stärken und direkt in den Wettbewerb mit freien Formaten zu treten.

Aufwendige Portierung

Vieles spricht allerdings gegen eine solche Entscheidung von Microsoft. Bei dem immer noch verschwindend geringen weltweiten Marktanteil von Linux ist es für Microsoft kaum sinnvoll, eine so umfangreiche Software zu portieren.

Außerdem gibt es zahlreiche kostenlose und freie Lösungen, die in etwa den gleichen Funktionsumfang haben wie das Büropaket von Microsoft. Der Aufwand einer direkten Portierung wäre für Microsoft auch in dieser Hinsicht unrentabel, denn die meisten Anwender würden vermutlich bei Libreoffice oder Apache Openoffice bleiben. Sowohl IBM als auch Oracle haben ihre Versuche, ein kommerzielles Büropaket unter Linux anzubieten, bereits aufgegeben.

Kaum sinnvoll

Auch das mehrfach genannte Argument, Microsoft arbeite bereits an einer Portierung für Android und der Schritt zu Linux sei nicht mehr weit, ist kaum nachvollziehbar. Erstens hat Microsoft trotz der Gerüchte noch keine mobilen Versionen seines Office-Pakets präsentiert - weder für iOS noch für Android. Zweitens wäre der Unterschied zwischen einer Android-Version und einer Linux-Variante nicht unerheblich, allein der Umfang würde sich maßgeblich unterscheiden.

Durch die von Microsoft angebotene webbasierte Lösung Office365 wird eine Portierung ebenfalls sinnlos. Und da es bereits die Notizsoftware Onenote von Microsoft für Android gibt, wäre auch eine Office-Lösung für Android und iOS denkbar, denn dessen Marktanteile sind gegenwärtig höher als die von Microsofts eigenem mobilen Betriebssystem und den Desktopversionen von Linux. Eine Portierung des kompletten Office-Pakets auf Linux ist demnach höchst unwahrscheinlich.  (jt)


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