Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/test-dead-space-3-schiessen-im-schnee-statt-gruseln-im-dunkeln-1302-97415.html    Veröffentlicht: 06.02.2013 14:47

Test Dead Space 3

Schießen im Schnee statt Gruseln im Dunkeln

Mehr Action, ein Koop-Modus und Downloadinhalte: Die Ankündigungen zu Dead Space 3 sorgten bei Fans der Reihe für Grusel statt für spannende Schockmomente. Auch das fertige Spiel geizt damit - dafür gibt's viel Action.

Wieder muss Isaac Clarke ins Gefecht ziehen: Der einst brave Ingenieur muss die fiesen Necromorphs in Dead Space 3 auslöschen. Auf einem Eisplaneten soll es endlich eine Antwort darauf geben, wie die Artefakte, die für die Erschaffung der untoten Aliens verantwortlich sind, ein für allemal vernichtet werden können. Der Weg zur vermeintlichen Geheimwaffe ist lang und beschwerlich, hat aber auch einige inhaltliche Überraschungen zu bieten - die teils unterwegs in Form von Botschaften eingesammelt werden und hier natürlich nicht verraten werden sollen. Trotz Einführungssequenz sind Spieler, die die Vorgänger kennen, leicht im Vorteil. Einsteigern dürfte sich nicht jedes Detail der Handlung erschließen.

Spielerisch hat sich auf den ersten Blick nur wenig geändert. Isaac muss in Raumschiffen, dunklen Gängen einer Forschungsstation und auf der Oberfläche eines Eisplaneten Horden von Gegnern bekämpfen. Dazu kommen kleine Rätsel und einfache Haupt- und Nebenmissionen - zum Beispiel muss er bestimmte Maschinenteile einsammeln, Geräte reparieren oder Stützpunkte für eine gewisse Zeit verteidigen. Dafür steht ihm zunächst nur der altbekannte Plasmaschneider zur Verfügung, mit dem der Spieler den Mutanten nach und nach die Gliedmaßen abtrennen kann.

Im Spielverlauf bekommt Isaac aber immer neue hilfreiche und durchschlagskräftigere Extras. Die lassen sich nach und nach variieren und aufrüsten, zudem darf er an der Werkbank auch selbst Hand anlegen, gefundene Baupläne nutzen und neue Waffen herstellen - Bastelfreunde dürfte das Herumexperimentieren mit den unterschiedlichen Optionen durchaus Spaß machen, auch wenn sich nicht jede Eigenkreation im Kampf als wirklich nützlich erweist.

Zum Basteln braucht es Materialien - und die werden zwischendurch entweder von erledigten Gegnern mitgenommen oder mit Hilfe einer Drohne aufgespürt. Wer echte Euros investiert, gelangt unter Umständen schneller an die Ressourcen für neue Waffen. Natürlich sind auch Extras wie Stasis zum Einfrieren von Gegnern oder die Kinese-Fähigkeit zum Verschieben oder Heranholen von Gegnern und Objekten wieder relevanter Teil des Spielablaufs.

Während Isaac zunächst durch dunkle Gänge streift und zwischendurch einen kurzen Weltraumausflug unternimmt, wird später vor allem auf der vereisten Planetenoberfläche gekämpft - was nicht nur für eine neue Szenerie, sondern auch für einen Atmosphäre-Wechsel sorgt. Gibt es zunächst noch zahlreiche spannende und düstere Gruselmomente, wenn durch dunkle Gänge geschlichen wird und hinter jeder Luke und Tür eine neue Gefahr droht, ist später vor allem Action angesagt. Parallelen zu Lost Planet und Halo drängen sich auf.

Viel Action und das Fazit

Diese Passagen verlieren aber doppelt: Einerseits fehlt die typische Dead-Space-Horror-Stimmung, andererseits gibt es auch spielerische Mankos. Deckungssystem und Beweglichkeit von Isaac sind alles andere als perfekt, zudem wiederholen sich die Gegner und ihre Verhaltensweisen schnell. Hinzu kommt die serientypische Linearität: Zwar ist es möglich, abseits des Hauptweges etwa die Umgebung nach nützlichen Extras abzusuchen und so kleinere Exkursionen zu unternehmen. Prinzipiell ist der nächste Schritt aber immer vorgegeben.

Über die Technik lässt sich hingegen kaum ein schlechtes Wort verlieren: Trotz der oft düsteren Schauplätze sind die Detaildichte hervorragend und die Lichteffekte beeindruckend. Die Animationen sind flüssig, die Soundkulisse schaurig-schön.

Wer Dead Space 3 nicht alleine spielen will, kann dank des neuen Online-Koop-Modus auch zu zweit die Necromorphs bekämpfen. Isaac wird dann von John Carver begleitet - der taucht auch ab und zu in der Kampagne auf, ohne dass sich dem Spieler wirklich erschließen würde, woher er kommt. Im Duo ändern sich an der Kampagne dann Kleinigkeiten. Die Gegner sind zahlreicher und etwas hartnäckiger, zudem ist bei einigen Rätseln Teamwork gefragt: Während einer repariert, muss ihn der andere beschützen. Der ohnehin schon niedrigere Gruselfaktor ist im Koop praktisch nicht mehr vorhanden. Als Ausgleich haben die Entwickler Halluzinationen eingebaut: Der eine Spieler sieht Bilder, die auf dem Bildschirm des anderen nicht erscheinen.

Dead Space 3 ist ab dem 7. Februar 2013 für Windows-PC, Xbox 360 und Playstation 3 verfügbar und kostet etwa 60 Euro; für die PC-Fassung sind ein Nutzerkonto und eine Aktivierung bei Origin notwendig. Der Titel hat von der USK eine Freigabe erst ab 18 Jahren erhalten und enthält keine inhaltlichen Änderungen gegenüber der US-Version. Zum Unmut vieler Spieler hat Publisher Electronic Arts bereits zahlreiche zusätzliche Downloadinhalte angekündigt - Spieler werden die Möglichkeit haben, mehrere (kostenpflichtige) Story- und Gameplay-Zusatzinhalte herunterzuladen. Hinzu kommen diverse Mikrotransaktionen, etwa, um zeitsparend an größere und bessere Waffen zu kommen.

Fazit

Isaac Clarke gruselt sich zu Beginn noch in gewohnt dunklen Raumschiffgängen, wird später aber auf einem Eisplaneten endgültig zum Action-Rambo. Daran ändern auch vereinzelte Minirätsel nichts. Als reiner Shooter ohne düstere Atmosphäre kann Dead Space 3 nicht überzeugen. Dafür ist Isaac in Kämpfen zu ungelenk und es fehlt ein intuitives Deckungssystem. Linear verlaufende Level und leicht durchschaubare Gegner-K.I. machen das Geschehen zuweilen langweilig. Zumindest bis wieder ein gescriptetes Ereignis oder ein riesiger Endgegner auftaucht. Dann hat auch Dead Space 3 seine spektakulären Momente.

Im neuen Online-Koop-Modus wird Isaac von John Carver begleitet. Dass die Spieler im Duo noch mehr Gegner in den Weg gestellt bekommen, senkt den ohnehin schon niedrigen Gruselfaktor noch weiter. Ein standesgemäßes Finale der bis dahin tollen Dead-Space-Serie ist der dritte Teil nicht geworden. Die actionlastigere Ausrichtung dürfte vielen Fans kaum zusagen, die Genrebezeichnung Survival-Horror passt nur noch in Ansätzen. Für Fans ist Dead Space 3 trotzdem interessant, wenn sie unbedingt die letzten Geheimnisse der bedrohlichen Marker lüften wollen.  (tw)


Verwandte Artikel:
Spieletest Dead Space 2: Ich bin Ingenieur, holt mich hier raus!   
(25.01.2011 13:49, http://www.golem.de/1101/80966.html)
Dead Space 3: Mikrotransaktionen für bessere Waffen   
(22.01.2013 14:49, http://www.golem.de/news/dead-space-3-mikrotransaktionen-fuer-bessere-waffen-1301-97070.html)
Electronic Arts: Dead Space 3 und zwei soziale Sim City   
(05.06.2012 08:51, http://www.golem.de/news/electronic-arts-dead-space-3-und-zwei-soziale-sim-city-1206-92288.html)
Bioware: Spekulationen um neues Command & Conquer   
(23.11.2011 17:58, http://www.golem.de/1111/87955.html)
Electronic Arts: Origin für Mac verfügbar   
(08.02.2013 15:07, http://www.golem.de/news/electronic-arts-origin-fuer-mac-verfuegbar-1302-97483.html)

© 2014 by Golem.de