Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/kde-sc-4-10-angesehen-mit-qml-wird-plasma-schoener-1302-97402.html    Veröffentlicht: 06.02.2013 11:52

KDE SC 4.10 angesehen

Mit QML wird Plasma schöner

Kontinuierlich Änderungen einpflegen und die Oberflächen auf QML portieren, das könnte die Devise des KDE-Teams sein. Das macht die Plasma-Arbeitsflächen schöner. Leider trüben einige unverständliche Neuerungen den ersten Eindruck.

Um die Vorteile von Qt5 zu nutzen, sollen sämtliche GUIs des KDE-Projekts komplett in QML geschrieben werden. Das bekräftigten zuletzt die Entwickler Aaron Seigo und Sebastian Kügler. Bisher portierte das Team jedoch fast ausschließlich die Plasmoid genannten Widgets zu QML. Mit KDE SC 4.10 setzt sich das zwar fort, doch erstmals ist auch die Optik komplexer Bestandteile und Anwendungen der Plasma-Arbeitsflächen in QML umgesetzt.

Komplexes in QML

Dabei zeigt der neue Screenlocker, dass der Wechsel zu QML den Desktop verschönern und gleichzeitig technische Vorteile bringen kann. Bisher erschien lediglich ein vergleichsweise hässlicher grauer Kasten, der zur Passworteingabe aufforderte. Nun ist das Eingabefenster leicht transparent und animiert, etwa bei der Eingabe eines falschen Passworts.

Außerdem soll die Bildschirmsperre nun deutlich sicherer sein, da der X-Server nicht mehr umgangen wird. In einem von uns nicht reproduzierbaren Fehler sahen wir dennoch einmal den Desktop samt geöffneten Anwendungen, nachdem der Rechner aus dem Hibernation-Ruhezustand aufgeweckt wurde. Eine Interaktion mit den sichtbaren Fenstern gelang uns jedoch nicht.

Auch die Oberfläche von Ktouch wurde durch den Einsatz von QML deutlich verschönert. Nach jeder abgearbeiteten Lektion wird dem Anwender eine statistische Auswertung seiner Schreibfähigkeiten präsentiert. Der dafür angezeigte Graph ist ebenfalls in QML geschrieben, jedoch von Ktouch-Entwickler Sebastian Gottfried selbst, da es dafür noch keine vorgefertigten Qt-Quick-Components gibt.

Nutzer sollen nichts bemerken

Bei den meisten der QML-Ports achten die Entwickler aber darauf, die Funktionalität und das Aussehen der reimplementierten Anwendungen weitestgehend zu erhalten, insbesondere bei den Plasmoids. Die Veränderungen an dem Comic-Widget etwa fallen nur bei näherer Betrachtung auf. Ebenso wie bei dem Systemabschnitt der Kontrollleiste. Die einzige Änderung, die an Letzterem auffällt, ist ein schöneres Benachrichtigungsfeld.

Von der Möglichkeit, sogenannte Containments nun auch in QML umsetzen zu können, also Layouts für die Plasma-Arbeitsfläche, bekommen Nutzer hingegen überhaupt nichts mit. Denn ein entsprechendes Layout fehlt in KDE SC 4.10 noch, eine Vorabversion des Desktop-Layouts kann jedoch bereits getestet werden.

Versteckte Menüleiste

Mit der Unity-Oberfläche in Ubuntu ist es seit langem möglich, die Menüleiste einer Anwendung in der oberen Leiste und nicht im Fenster der Anwendung anzuzeigen. Das Kubuntu-Team zog nach, patchte das Qt-Framework und konnte diese Funktion vor etwa eineinhalb Jahren auch für seine Distribution anbieten. Mit KDE SC 4.10 steht diese Möglichkeit nun auch allen Anwendern unabhängig von der Distribution zur Verfügung, vorausgesetzt, die Bibliothek "Appmenu-Qt" ist installiert.

Die Aktivierung der Funktion ist jedoch nicht einfach, das entsprechende Menü versteckt sich in den Feineinstellungen der Anwendungsstile. Die Menüleiste kann dort wahlweise als Knopf in die Titelleiste des Fensters verschoben werden oder an den oberen Bildschirmrand.

Mit der aktuellen Version des Menubar-Plasmoid von Kubuntu lässt sich das Menü auch problemlos in eine Kontrollleiste integrieren. Leider steht dieses Plasmoid nur für sehr wenige andere Distributionen bereit und, wenn überhaupt, dann meist nicht in den Standard-Paketquellen.

Nepomuk mit neuem Indizierer

Statt Strigi verwendet der semantische Desktop Nepomuk nun einen eigens geschriebenen Dateiindizierer, der sich laut Entwickler Vishesh Handa einfacher pflegen lassen soll und aus mehreren Plugins besteht. Das neue System nutzt Mime-Types, um die Dateien in Kategorien zu sortieren, die Nutzer über die Systemeinstellungen ihren Bedürfnissen anpassen können.

Die Arbeitsweise des Indizierers hat sich ebenfalls geändert. Sie ist nun zweigeteilt: Zunächst werden nur grundlegende Daten wie Dateiname oder Mime-Type aufgenommen. Erst in einem zweiten Schritt werden weiterreichende Informationen aus den Dateien extrahiert, jedoch nur, wenn die dafür nötigen Ressourcen zur Verfügung stehen, etwa beim Ansehen eines Videos.

Mit einem neuen Kio-Slave lässt sich nun auch über die Stichworte auf Dateien zugreifen. In unserem Test funktionierte das aber nur sehr unzuverlässig oder gar nicht.

Ein Logbuch für Aktivitäten

In der Tablet-Oberfläche Plasma-Active unterstützt jede Anwendung die sogenannten Aktivitäten, da Plasma-Active von Grund auf neu geschrieben wurde. Für die Desktopanwendungen muss die Aktivitätenunterstützung aber stetig eingepflegt werden. Mit KDE SC 4.10 haben die Entwickler dies unter anderem für Dolphin, Okular oder Gwenview umgesetzt.

Die Anwendungen können nun die Aktivitäten über geöffnete Dateien oder Ordner informieren. So sollen verschiedene Dateien einer Aktivität zugeordnet werden können. Nutzern, denen diese Datensammelei zu weit geht, können dies in einem neu geschaffenen Kontrollmodul abstellen.

Zusätzlich dazu wertet ein Hintergrunddienst die Aktivitäten anhand der Häufigkeit ihrer Nutzung aus. Ein weiterer Dienst kann Daten an das Share-Like-Connect-Applet weiterleiten. Letzteres ist jedoch noch nicht in KDE SC 4.10 enthalten, sondern derzeit nur in Plasma-Active. Nutzer, die das Applet ausprobieren wollen, müssen es also selbst kompilieren.

Unauffällige Kleinigkeiten

Der Dateimanager Dolphin erhielt viele unauffällige Funktionen. So können etwa die Icons der Orte in der Seitenleiste in ihrer Größe verändert werden und mit Strg+L lässt sich direkt in die Leiste mit dem Dateipfad wechseln, ähnlich wie bei vielen Browsern.

Damit ein kurzer Blick ausreicht, um zu sehen, dass mehrere Fenster einer Anwendung offen sind, erscheint in diesem Fall ein kleiner Pfeil in der Standard-Fensterleiste. Die endgültige Änderung schrieb Aaron Seigo, nachdem er in seinem Blog dazu aufrief, sich zu verschiedenen von ihm vorgeschlagenen Designs zu äußern.

Fazit

Wie bereits mit KDE SC 4.9 stellt das KDE-Team auch in KDE SC 4.10 Funktionen bereit, die dem Aktivitätenkonzept dienen sollen. Doch das neue Einstellungsmodul hilft wenig weiter, da nur erklärt wird, dass Verhaltensdaten gesammelt werden, nicht aber wofür. Ein Nutzer, der das Konzept nicht kennt, weiß mit den Einstellungen nichts anzufangen und eventuelle Vorteile, die aus den gesammelten Daten entstehen, sind nicht offensichtlich.

Umso erfreulicher ist es, dass Nepomuk durch seine geteilte Arbeitsweise nun nicht mehr in der Lage sein dürfte, das System lahmzulegen. Auch die Filtermöglichkeit mittels Mime-Type ist gut, nur fehlen dem neuen Indizierer noch einige Funktionen, die in der alten Variante Strigi vorhanden waren.

Mit Ktouch und der Bildschirmsperre zeigen die KDE-Entwickler nun auch endlich, dass mit QML komplexe Programme implementiert werden können und diese nebenbei auch noch besser aussehen. Es bleibt zu hoffen, dass die Entwickler diesen Kurs schnell weiterverfolgen können und Nutzer nicht allzu lange auf die Neuerungen der Frameworks 5 und Libplasma2 warten müssen.

Weitere Änderungen und Neuerungen in KDE SC 4.10 finden sich in der offiziellen Ankündigung. Der Quellcode steht ab sofort auf den Servern des Projekts zum Download bereit, Binärpakete für einzelne Distributionen sollten demnächst folgen.  (sg)


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