Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/freie-bueroanwendung-libreoffice-4-0-wurde-freigegeben-1302-97374.html    Veröffentlicht: 07.02.2013 13:58

Freie Büroanwendung

Libreoffice 4.0 freigegeben

Das Libreoffice-Team hat Version 4.0 der freien Büroanwendung veröffentlicht. Etliche kleine Änderungen erleichtern die Arbeit in Writer, Calc und Co. Viel Arbeit haben die Entwickler auch in diverse Im- und Exportfilter gesteckt.

Mit zahlreichen kleinen Änderungen für Anwender hat das Libreoffice-Team Version 4.0 der freien Bürosoftware freigegeben. Die Unterstützung für Formate von Fremdanbietern sowie die Im- und Exportfunktionen wurden deutlich erweitert. Außerdem wurde die Vorschau von Grafiken verbessert.

Writer

In der Textverarbeitung Writer können Kommentare markiertem Text zugewiesen werden. Das funktionierte zuvor nur mit Ankerpunkten im Text. Auf der ersten Seite eines Textes können unabhängige Kopf- und Fußzeilen definiert werden. In der Funktion "Wörter zählen" lassen sich individuelle Separatoren festlegen, die bisherige Standardmarkierungen ersetzen. Das Docx-Format wird in Writer besser unterstützt, etwa durch den Import von im Fließtext eingebetteten Tabellen, oder der Möglichkeit, OLE-Objekte in Rechtecken zu platzieren.

In Word auf Tablet-PCs mit dem Stift eingegebene Notizen in Docx- oder RTF-Texten werden beim Import in Writer erkannt. Außerdem lassen sich mathematische Formeln in RTF-Dateien im- und exportieren. In RTF-Dokumenten lassen sich Zeichnungsobjekte aus Microsoft Word 6 und 7 nutzen.

Ein neues Modul für das Erstellen von Logos in DTP-Qualität wurde ebenfalls integriert. Librelogo ist allerdings ein textbasiertes Werkzeug, die Turtle-basierten Bilder müssen in der Skriptsprache Logo für Vektorgrafiken erstellt werden. Eine Werkzeugleiste im Writer hilft bei der Platzierung der im SVG- oder PDF-Format erstellten Grafiken. Das Modul ist in Python-UNO erstellt.

Calc

Schautafeln werden besser gerendert und damit optisch ansehnlicher. Sie lassen sich zudem als PDF-Dateien exportieren. Eine einzelne Schautafel kann außerdem als Bilddatei im JPG- oder PNG-Format exportiert werden. Der Dialog für bedingte Formatierungen wurde verbessert und bietet zusätzliche Formate, etwa Datumsformate sowie Regeln für Zeichenketten. Bedingte Formatierungen können sich jetzt auch überlappen. Der Importdialog für Texte in Spalten merkt sich künftig die Einstellungen und Text aus der Zwischenablage wird unformatiert eingefügt. Im Autofilter wurde die Autovollverständigung umgesetzt.

Der Import von Tabellen wurde beschleunigt, indem die bereits berechneten Werte im Originaldokument angezeigt werden. Bisher wurden die Werte beim Öffnen erst neu berechnet, denn komplexe Tabellen können abhängig vom Format, dem Prozessor oder der ursprünglichen Software unterschiedliche Werte berechnen. Der Anwender erhält eine entsprechende Nachricht und die Option kann im Menü unter "Formel" deaktiviert werden. Farbskalen und Datenbalken können ins XLSX-Format exportiert und nicht nur importiert werden wie bisher. Erste Arbeiten an einem Importfilter für Tabellen aus dem Open-Source-Tabellenkalkulationsprogramm Gnumeric wurden ebenfalls begonnen. Im Aufklappfeld des Datenpilots lässt sich eine Mehrfachauswahl nutzen.

In Tabellen kann künftig die Formel XODER genutzt werden. Zudem gibt es eine Option, über die leere Zeichenketten in arithmetischen Ausdrücken konfiguriert werden können, etwa ob sie als die Zahl Null definiert sind. In Tabellen mit Preisentwicklungen lassen sich die Barrier- und Touch-Optionen mit zusätzlichen Erweiterungen nutzen.

Zu den neuen Funktionen zählt ZUFALLSZAHL, dessen Algorithmus verbessert wurde. Außerdem gibt es die Funktionen MITTELWERTWENN(), MITTELWERTWENNS(), SUMMEWENNS() und ZÄHLENWENNS(). Ebenfalls nach der Open-Formula-Definition wurden die Funktionen WENNFEHLER() und WENNNV() eingeführt.

Impress, Draw und Kernkomponenten

Im Präsentationsprogramm Impress kann der Status der Seitenleiste gespeichert werden. Außerdem werden Medien- und Videovorschauen unter Linux deutlich schneller angezeigt, da die Interaktion mit Gstreamer deutlich verbessert wurde. Eine Präsentation zu Libreoffice auf der Fosdem 2013 steuerte Entwickler Micheal Meeks über eine Android-Applikation, die im Rahmen des Google Summer of Code 2012 von Andrzej Hunt entwickelt wurde. Auf einem Smartphone ist eine Vorschau aller Folien einer Präsentation. Über eine Bluetoothverbindung mit einem Rechner wird eine auf dem Smartphone ausgewählte Folie angezeigt.

Draw

Im Zeichenprogramm Draw hat das Libreoffice-Team die Seitenvorschau durch Kantenglättung optisch aufgewertet. Die Änderungen wirken sich auch auf die Seitenvorschau in Impress aus. Die Enden der Linien werden künftig abgerundet, wenn die entsprechende Option in den Einstellungen im Kontextmenü gesetzt ist. Für Grafik- und OLE-Objekte gibt es eine Option für die Scherung. Die bisher nur in Impress verfügbare Symbolleiste für Kreise und Ellipsen lässt sich auch unter Draw aktivieren und nutzen.

Kernkomponenten

Für die Anbindung an zahlreiche Dokumentenverwaltungssysteme wurde das CMIS-Protokoll integriert. Damit lassen sich Verbindungen zu CMS-Lösungen von Alfresco, Nuxeno oder Aharepoint herstellen. Über einen internen Installer lassen sich im laufenden Betrieb weitere Komponenten von Libreoffice installieren, etwa zusätzliche Vorlagen.

Zwar gibt es laut Michael Meeks keine Pläne, in Libreoffice völlig auf Java zu verzichten. Allerdings werden wohl einige interne Komponenten auf andere Programmiersprachen portiert. Den Anfang machten Libreoffice-Entwickler mit dem Fax- und Briefassistenten, der nun in Python geschrieben wurde.

Neu ist ein Importfilter für Dokumente, die mit Microsofts Publisher erstellt wurden. Außerdem wurde der Im- und Exportfilter für Visio-Dateien abermals verbessert und unterstützt sämtliche Formate von Visio 1.0 bis zur aktuellen Version Visio 2013.

Ein neues Dialogfeld bietet mehr Optionen für die Veränderung der Größe oder die Komprimierung von Grafiken. Unter "Grafiken komprimieren" lässt sich beispielsweise die Auflösung anhand neuer Abmessungen ändern oder die Kompressionsstärke von JPG- oder PNG-Dateien festlegen. Zudem wurden die Menüeinträge für das Speichern von Grafiken vereinheitlicht, die zuvor in der Textverarbeitung oder der Tabellenkalkulation unterschiedlich bezeichnet waren.

Libreoffice unterstützt Personas. Damit lässt sich die Benutzeroberfläche der Bürosoftware personalisieren. Zusätzlich unterstützt Libreoffice den Unity-Desktop in Ubuntu: Das Menü der Büroanwendung wandert in die Titelleiste der Ubuntu-Desktop-Oberfläche. Außerdem lassen sich Texte in Dialogfeldern kopieren.

Kernänderungen

Die Unterstützung für die portable Implementierung der C++-Standardbibliothek STLport wurde entfernt. Demnach funktionieren Erweiterungen nicht mehr, die STLport verwenden. Das gilt unter anderem auch für die Rechtschreibprüfung von Duden bis zur Version 9.0. Anwender können die Bibliothek unter Windows und Linux aber weiterhin nachinstallieren und verwenden. Außerdem lassen sich Dokumente und Tabellen nicht mehr für Word sowie Excel 6.0 und 95 abspeichern. Geöffnet werden können die Dokumente aber weiterhin.

Libreoffice 4.0 steht auf der Webseite des Projekts für Windows, Mac OS X und Linux zum Download bereit.  (jt)


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