Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/benchmark-im-test-alles-neu-im-neuen-3dmark-1302-97362.html    Veröffentlicht: 04.02.2013 20:01

Benchmark im Test

Alles neu im neuen 3DMark

Keine Jahreszahl, keine Festlegung auf eine DirectX-Version - dafür aber völlig neue Tests, die neben Windows-PCs bald auch Geräte mit Android, iOS und Windows RT unterstützen sollen. Futuremark hat mit dem neuen 3DMark fast alles richtig gemacht.

Nach 3DMark11 kommt 3DMark - die neue Version des Benchmark-Pakets von Futuremark trägt keine Jahreszahl oder andere Bezeichnung. Nach Angaben des Unternehmens soll das darauf hinweisen, dass mit dem neuen Test ein Neuanfang gemacht worden sei. Nicht nur daran müssen sich professionelle Tester und engagierte PC-Bastler gewöhnen, wenn sie das Programm verwenden wollen.

Das Ziel der Entwickler war es nämlich, nicht nur einen Grafiktest für Windows-PCs, sondern einen plattformübergreifenden Standardbenchmark zu schaffen. Wegen Verzögerungen von etwas mehr als einem Monat bei der nun vorgelegten Windows-Version erscheinen die Ausgaben für Android und iOS erst später. Auch sie sollen den kleinsten der drei Tests namens "Ice Storm" enthalten.

Auf Windows-PCs arbeitet Ice Storm mit DirectX-9, auf mobilen Geräten sollen die Grafikfunktionen der jeweils vorhandenen Hardware möglichst gut ausgereizt werden. Laut Futuremark sollen die Werte von Ice Storm auch über Geräteklassen hinweg vergleichbar sein. Ein High-End-Smartphone, das mit Ice Storm einen Wert in der Nähe eines Einsteiger-PCs erreicht, kann also bei ausgefeilten Spielen mit der Leistung und Grafikqualität des Windows-Rechners mithalten. Ob dabei, wie bei manchen Mobile-Tests, auch Offscreen-Rendering ohne Einfluss der Auflösung des Displays verwendet wird, ist noch nicht bekannt.

Auch auf dem PC ist 3DMark für mehrere Geräteklassen gedacht: Ice Storm (DirectX-10) für Einsteiger-PCs, aber auch Windows-8-Tablets, "Cloud Gate" (DirectX-10) für Rechner der Mittelklasse und "Fire Strike" (DirectX-11) für Gaming-PCs. Letzterer Test kann in der Voreinstellung "Extreme" auch topmoderne Maschinen zum Ruckeln bringen, wenn nur eine GPU vorhanden ist.

Auf PCs arbeiten die drei Tests mit derselben Engine, die alle drei letzten Versionen von DirectX beherrscht, es werden jedoch je nach Test nur die Funktionen der jeweiligen DirectX-Version benutzt. Das soll dazu führen, dass Tester in Zukunft nur noch den neuen 3DMark verwenden, nicht etwa den älteren 3DMark06, der mit seinen DirectX-9-Versionen bei Tablets mit Atom-CPU noch häufig genutzt wird. Bisher beherrschen die Atoms nämlich immer noch höchstens DirectX-9.

Drei recht unterschiedliche Tests

Während alle drei Tests in völlig neuem Look erscheinen, hat Futuremark doch Anleihen bei früheren Versionen des 3DMark gemacht. Die Raumschiffe in Ice Storm erinnern stark an Modelle aus 3DMark Vantage, sind aber auch in ihrer Geometrie überarbeitet worden. Cloud Gate und Fire Strike wirken gänzlich neu und frisch.

Jeder Test bietet zwei verschiedene Grafiktests sowie einen Physikbenchmark. Um Spielerechner richtig zu fordern, bietet Fire Strike zusätzlich noch einen kombinierten Test, bei dem CPU und GPU mit Grafik- und Physiklasten gleichzeitig beansprucht werden. Nur bei diesem Test gibt es zudem eine zweite Voreinstellung - alle anderen kennen nur "Standard" - namens "Extreme", welche die Grafikdetails unter anderem bei der Tessellation auf höchste Werte schraubt. Dabei werden dann bestehende Dreiecke bis zu 24-mal in neue Polygone unterteilt.

Der Detailgrad der Grafik steigert sich bei allen drei Tests. Ice Storm arbeitet laut Futuremark mit bis zu 4,7 Millionen Pixeln und 180.000 Polygonen pro Bild, Cloud Gate mit 12,6 Millionen Pixeln und 75.000 Vertices, soll aber weniger Polygone besitzen. Fire Strike soll im Schnitt auf 170 Millionen Pixelberechnungen pro Bild kommen, bei 5 bis 6 Millionen Polygonen über beide Grafiktests gesehen.

Dazu kommt bei diesem Test noch der starke Gebrauch von Post-Processing-Funktionen mit Bloom-Effekten, Linsenreflexionen und die Simulation von Rauch. Bemerkenswert ist auch das Partikelsystem, das beispielsweise für die Funken bei Schwerthieben sorgt. Diese Effekte werden ebenso wie volumetrische Beleuchtung komplett in der GPU berechnet, was auch dafür sorgt, dass Fire Strike selbst mit aktuellen High-End-GPUs noch langsam abläuft.

Um unseren Lesern erste Anhaltspunkte zu geben, haben wir alle Tests auf einigen aktuellen und älteren Grafikkarten in Verbindung mit unserer Testplattform für Grafikkarten durchgeführt. Angegeben sind jeweils die Overall-Scores, der Prozessor - hier ein Core i7-975X - hat also großen Einfluss. Tests mit weiteren Grafikkarten finden sich bei unseren Kollegen von PC Games Hardware.

Da die früheren 3DMarks auch als Vorführobjekt für Messen und Hardwarehändler beliebt waren, hat Futuremark die in den letzten Ausgaben vernachlässigten Demofunktionen neu belebt. Alle drei Tests kennen einen Demomodus mit Soundeffekten und Musik, der spannende Actionszenen darstellt. Während - gemessen an der dafür vorgesehenen Geräteklasse - sowohl die Demos zu Ice Storm und Fire Strike sofort beeindrucken, erschließen sich die langsamen und nebligen Szenen von Cloud Gate erst auf den zweiten Blick. Dann wird aber klar, dass die sehr großen Objekte mit verschiedenen Beleuchtungen nicht einfach zu rendern sind.

Detaillierte Auswertung mit interaktiven Diagrammen

Die größte funktionale Neuerung des 3DMark sind die interaktiven Diagramme, die nach Durchführung eines Tests mit einem Klick auf "Ausführungsdetails anzeigen" und danach "Details" erscheinen. Alles, was sich per Software aus den Registern der Chips auslesen lässt, wird beim Test aufgezeichnet. Die Bilder pro Sekunde (FPS) für jede Zehntelsekunde des Testdurchlaufs lassen sich so im Zusammenhang beobachten, zum Beispiel von CPU- und GPU-Temperatur.

Die Diagramme werden immer neu skaliert, wenn man einen Wert an- oder abwählt. Besonders schön lässt sich auch Intels Turbo-Boost vorführen, wenn man alle Werte bis auf CPU-Leistung und CPU-Takt abschaltet. Dann kann man bei den Grafiktests - die Physiktests lasten den Prozessor voll aus - nachvollziehen, wie der Prozessor seinen Takt ändert, wenn er gerade beim Liefern der Daten für die Grafikkarte mehr oder weniger gefordert wird.

Außerdem liest das Auswertungstool auch Daten von Prozessor, Chipsatz und Speicher aus, wie das bisher vor allem Spezialprogramme wie CPU-Z leisteten. Dabei ist 3DMark aber nicht so detailliert, unter anderem gibt es nur die aktuell genutzten Speichertimings und nicht alle im SPD eines Speichermoduls gespeicherten Profile. Für einen Überblick auf nur einer Bildschirmseite zur Hardware eines PCs ist diese Funktion des neuen 3DMark aber praktisch. Diese Seite und auch die Diagramme gibt es jedoch nur in der kostenpflichtigen Professional-Version des Tests.

Während 3DMark selbst bei unseren Versuchen auf vier recht unterschiedlichen PCs stabil lief, machten manche Grafiktreiber Probleme. Der Catalyst 13.1 mit WHQL-Prüfung führte bei Ice Storm reproduzierbar zu einem Absturz beim Start des zweiten Grafiktests, wir haben deswegen alle weiteren Tests wie von Futuremark empfohlen mit den aktuellen Betatreibern von AMD und Nvidia durchgeführt, was die Probleme behob.

Unter Windows 8 - unsere Tests liefen unter Windows 7 - gibt es einen weiteren Bug, auf den AMD hinweist: Mehrere GPUs, die per Crossfire verbunden sind, werden nur bei erzwungenem Crossfire in den Treibereinstellungen verwendet. Dazu gibt es einen Screenshot in der Bildergalerie dieses Artikels. In den nächsten Tagen will AMD einen neuen Betatreiber vorlegen, der unter Windows 7 und 8 Crossfire besser nutzt.

Der neue 3DMark ist ab sofort bei Futuremark erhältlich und kann vollständig in deutscher Sprache benutzt werden. Die Basic-Version bleibt wie bisher kostenfrei, enthält alle drei Tests, die aber nur in ihren Standardeinstellungen durchgeführt werden können. Zudem fehlen die Diagramme und die Extreme-Voreinstellung für Fire Strike.

Diese Funktionen gibt es erst ab der Advanced Edition von 3DMark, zusätzlich bietet sie noch wiederholtes Ausführen der Tests für Stabilitätsprüfungen. Auflösungen und Grafikdetails können frei bestimmt werden, wenn man 24,95 US-Dollar ausgibt.

Die für Firmen vorgesehene Professional Edition bietet darüber hinaus Tests der Bildqualität, bei der der ganze Ablauf oder ein Teil davon als Bitmap-Grafik gespeichert werden kann. Zusätzlich lässt sich der Test über die Skripte automatisieren, die Ergebnisse können als XML-Datei gespeichert werden. Dafür sind dann aber auch 995 US-Dollar zu bezahlen.

Als Einführungsangebote gibt es bei Futuremark 25 Prozent Rabatt auf die Advanced Edition, wenn man eine registrierte Version von 3DMark11 Advanced besitzt. Nur eine Woche lang gibt es den Benchmark auch bei Steam mit 25 Prozent Rabatt, auch wenn man keine vorherige Version hat. Die Hardwarehersteller Galaxy und MSI wollen die Advanced Edition ab sofort ebenfalls einigen Produkten beilegen.  (nie)


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