Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/sunjammer-nasa-testet-segeln-durchs-weltall-1302-97351.html    Veröffentlicht: 04.02.2013 12:14

Sunjammer

Segeln durchs Weltall

Die Nasa plant für 2014 einen Test mit dem größten bis dato gebauten Sonnensegel. An Bord des Sonnenseglers wird sich die Asche von Gene Roddenberry und seiner Frau befinden.

Die meisten Raumschiffe fliegen mit einem Raketenantrieb. Es gibt aber auch eine andere Antriebsmöglichkeit: Segeln mit dem Sonnenwind. Die US-Raumfahrtbehörde National Aeronautics and Space Administration (Nasa) plant, im kommenden Jahr das größte bisher gebaute Sonnensegel ins All zu schießen.

Sunjammer heißt das Projekt, an dem neben der Nasa auch die US-Wetter- und Ozeanographiebehörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) beteiligt ist. Voraussichtlicher Starttermin ist Ende 2014. Dann soll das Sonnensegel an Bord einer Falcon 9, der Trägerrakete von SpaceX, ins All geschossen werden.

1.200 Quadratmeter Segelfläche

Das Segel besteht aus dem Kunststoff Kapton und wiegt etwa 32 Kilogramm. Für den Transport wird es zusammengelegt und hat laut Nasa dann in etwa die Größe einer Geschirrspülmaschine. Im Orbit wird es dann zu seiner vollen Größe von rund 1.200 Quadratmetern entfaltet. Damit wird Sunjammer das größte bisher gebaute Sonnensegel. Das Segel soll ein knapp 80 Kilogramm schweres Modul durch das All ziehen. Die Schubkraft beträgt 0,01 Newton.

Das Prinzip, nach dem Sunjammer funktioniert, ähnelt dem des Segelns auf dem Wasser: Auf der Erde sorgt der Wind, der auf das Segel trifft, für den Vortrieb. Der Wind im Weltraum besteht aus geladenen Teilchen, die die Sonne ins All aussendet. Angetrieben vom Sonnenwind soll ein Raumfahrzeug ohne Raketentriebwerk und ohne den dafür nötigen Treibstoff durch den Weltraum segeln.

Steuertest

Bei der Mission sollen verschiedene Operationen getestet werden, darunter das Entfalten des Segels, die Stabilität und die Steuerung des Raumfahrzeugs. Es soll den Lagrange Punkt L1 ansteuern und dort seine Position halten.

Geplant sei, dass Sunjammer seine Nutzlast rund 3 Millionen Kilometer weit in den Weltraum transportiere, sagte Nathan Barnes, stellvertretender Chef von L'Garde, dem auf Raumfahrtthemen spezialisierten US-Nachrichtenangebot Space.com. Das kalifornische Unternehmen baut das Segel im Auftrag der Nasa.

Satelliten absenken

Ein Sonnensegel kann laut L'Garde nicht nur als Antrieb für Raumsonden auf dem Weg ins Weltall eingesetzt werden. Damit könnten beispielsweise auch Satelliten ausgestattet werden - das Sonnensegel würde am Ende seiner Lebensdauer den Abstieg einleiten, damit der Satellit in der Erdatmosphäre verglüht und nicht als Weltraumschrott im Orbit herumfliegt.

Anfang 2011 hatte die Nasa eine erste Testmission mit einem kleineren Sonnensegel durchgeführt. Das Nanosail-D hatte allerdings nur eine Fläche von 9,30 Quadratmetern. Nach Ende der Mission verglühte Nanosail-D im September 2011 in der Erdatmosphäre. Die 2010 gestartete japanische Raumsonde Ikaros nutzt als erste Sonde überhaupt ein Sonnensegel als Antrieb. Das Segel ist 173 Quadratmeter groß.

Zwei Mal Science-Fiction

Der Name Sunjammer ist eine Referenz an Arthur C. Clarke: Der Science-Fiction-Autor beschrieb in der gleichnamigen Kurzgeschichte, die 1964 in der Märzausgabe der Zeitschrift Boys' Life erschien, eine Weltraumregatta von Fahrzeugen mit Sonnensegeln.

Der Sunjammer soll die Asche des 1991 verstorbenen Filmemachers Gene Roddenberry, dem Erfinder der Star-Trek-Filmreihe, und dessen 2008 verstorbener Frau Majel Barrett Roddenberry mit ins Weltall nehmen.  (wp)


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