Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/dell-xps-10-im-test-der-prozessor-macht-den-unterschied-1302-97342.html    Veröffentlicht: 05.02.2013 12:10

Dell XPS 10 im Test

Der Prozessor macht den Unterschied

In Dells Tablet XPS 10 steckt Qualcomms Snapdragon S4. Der hat zwar nur halb so viele Kerne wie Nvidias Tegra, aber gerade die Oberfläche von Windows RT arbeitet auf Dells Gerät schneller. Doch das Tablet hat für Nutzer, die es unterwegs nutzen wollen, einen erheblichen Nachteil, wie sich in unserem Test zeigte.

Dell bietet nun sein erstes Windows-RT-Tablet mit dem Namen XPS 10 an. Es wirkt auf den ersten Blick wie ein Gerät für den Geschäftskundenmarkt mit der robusten und rutschfesten Oberfläche und dem Tastaturdock. Besonders interessant macht das Dell-Tablet der Hauptprozessor. Das System-on-a-Chip (SoC) stammt von Qualcomm und ist ein Snapdragon S4. Damit ist das XPS 10 eine Alternative zum ähnlichen, aber Nvidia-basierten Vivo Tab RT von Asus. Uns interessierte vor allem der Vergleich mit Nvidias Tegra 3, und ob unter Windows RT hier Unterschiede zu bemerken sind.

Mit 621 Gramm ist es gerade noch ein leichtes Tablet. Zum Vergleich: Asus' RT-Tablet wiegt fast 100 Gramm weniger. Für unterwegs interessant ist das Tastaturdock, das von der Funktion dem Tastaturdock von Asus ähnelt: Es gibt einen Akku und eine Tastatur, die bei Dell ein wenig breiter ist. Zusammen wiegt das Paket 1.303 Gramm.

Die Ausstattung unseres Testmusters ist in Ordnung. Dell verbaut Dual-Band-WLAN und bietet Bluetooth. 3G-Modem und GPS fehlen dem Tablet. Das soll erst später kommen. Von den 64 GByte Speicher hat der Nutzer etwa 40 GByte frei. Als Prozessor kommt im Unterschied zu den ersten Nvidia-basierten Windows-RT-Geräten Qualcomms Snapdragon S4 (APQ8060A) zum Einsatz, der auf 2 GByte RAM zugreifen kann. Der S4 hat nur zwei Kerne, taktet diese mit 1,5 GHz aber 200 MHz schneller als Nvidia seinen Tegra 3, der vier Kerne hat.

Der Rest in dem Gerät ist Standard. Das Display bietet auf 10 Zoll blickwinkelstabile 1.366 x 768 Pixel. Im Tablet selbst gibt es einen Schacht für Micro-SD-Karten. USB in regulärer Größe, um etwa USB-Sticks anzuschließen, gibt es nur per OTG-Adapter, der beiliegt. Wer will, kann das Tablet über diesen Micro-USB-Anschluss aufladen. Außerdem gibt es einen kombinierten und proprietären Netzteil- und Dockanschluss, über den das Tablet mit dem beigelegten Netzteil recht schnell geladen werden kann. Dieser Anschluss wird auch zum Dock durchgeleitet. Idealerweise lädt der Anwender dann die Akkus im Dock und Tablet gleichzeitig auf. Deutlich erkennbare weiße LEDs zeigen an beiden Teilen, dass die Zellen geladen werden. Über das Dock gibt es zwei Standard-USB-Anschlüsse sowie einen Mini-HDMI-Anschluss, für den ein Adapter beiliegt.

Windows RT als Plattform und die Konkurrenz

Windows RT-Tablets gibt es weiterhin nur wenige. Neben dem von uns getesteten Surface RT von Microsoft und Asus' Vivo Tab RT (beide mit Nvidias SoC Tegra 3) gibt es hierzulande nur noch das Samsung Ativ Tab. Lenovos RT-Tablet kommt vermutlich nicht und auf der CES gab es seltsamerweise nicht eine einzige Windows-RT-Ankündigung. Allerdings steht eine neue Chipgeneration an. Sowohl Qualcomm als auch Nvidia wollen mit dem Snapdragon 800 und dem Tegra 4 bald ihre verbesserten Chips in neue Mobilgeräte bringen.

Damit dürfte RT auch wieder interessanter werden. Zuletzt sorgte Asus für Aufsehen, das mit dem Vivo Tab Smart ein Windows-8-Tablet konstruiert hat, das nicht nur günstiger als Windows-RT-Geräte ist, sondern auch x86-Programmkompatibilität mit sich bringt.

Das ist nämlich immer noch der größte Nachteil von Windows RT. Hier funktionieren, bis auf das kostenlos beiliegende Office 2013, nur die neuen Windows-Apps. Daran wird auch der Jailbreak für Windows RT so schnell nichts ändern.

Der große Vorteil der RT-Plattform bleibt vorerst das geringere Gewicht bei gleichzeitig hoher Laufzeit. Doch Asus' Vivo Tab Smart kommt mit seinem Atom-Prozessor sehr nah an die RT-Geräte heran. Es ist sogar 40 Gramm leichter als Dells XPS 10. Allerdings fehlt dem Asus-Tablet mit Atom-CPU das praktische Tastaturdock. Dells XPS 10 ist eher ein Arbeitsgerät.

Gute Verarbeitung

Das merkt der Anwender auch schnell an der Verarbeitung. Das gesamte Gehäuse ist mit einer rutschfesten Schicht überzogen und wirkt sehr robust. Es lässt sich an der Displayrückseite etwas eindrücken, was bei Stürzen vorteilhaft sein dürfte. Trotzdem ist es stabil. Der Anwender kann nicht von hinten das Display so weit eindrücken, dass er Lichtveränderungen auslöst.

Mit dem dicken Rand kann das Tablet gut gegriffen werden. Für unseren Geschmack ist der Rand für ein 10-Zoll-Gerät etwas zu dick. Andererseits wäre die großzügige Tastatur sonst nicht möglich. Für Windows-Nutzer ungewohnt sind die F-Tasten, die nur über die Fn-Taste benutzt werden können. Dell priorisiert die Sonderfunktionen wie Lautstärke und Helligkeit. Bei Asus ist das andersherum.

Das Touchpad ist gewöhnungsbedürftig. Wer von außen hineinwischt, merkt, dass es nicht reagiert. Weder werden die Windows-Gesten noch Cursorbewegungen unterstützt. Der Anwender muss im Touchpadbereich anfangen. Scrollen mit zwei Fingern funktioniert dafür sehr gut. Vor allem auf der neuen Kacheloberfläche. Erst ein Umstellen des Touchpads in der Windows-App für das Dock sorgte dafür, dass das Touchpad wie gewohnt arbeitet. Bis wir die Einstellung gefunden hatten, dauerte es aber ein wenig, denn wir suchten erst in der Systemsteuerung und dann in den PC-Einstellungen der Kacheloberfläche ohne Erfolg. Auch eine allgemeine Suche brachte keinen Erfolg. Anscheinend bemerkt Windows RT nicht, dass es Systemeinstellungen auch in Apps geben kann.

Stabiler Dockmechanismus

Das An- und Abdocken von Dells XPS10 gefällt uns deutlich besser als Asus' Methode. Zwar hat auch Dell ein gewisses Spiel im Gelenk, aber es ist insgesamt fester montiert. Außerdem ist die Entriegelung angenehm in der Benutzung. Zudem ist uns Dells Tablet beim Abdocken nie abgestürzt. Unser Vivo Tab RT macht dies immer noch, obwohl es schon einige Updates gab.

Die Tonwiedergabe funktioniert mit dem Dock erstaunlich gut. Das Tablet schickt seinen Stereoton nämlich hinter dem Dock nach unten und erreicht so trotzdem noch eine deutlich höhere Lautstärke als etwa das Vivo Tab RT. Selbst auf weichen Oberflächen funktioniert die Tonausgabe gut. Der Klang ist für diese Geräteklasse noch gerade gut. Ein Stereosignal ist als solches sehr gut wahrnehmbar, was bei Tablets nicht so häufig ist. Es fehlen aber Tiefen und der Klang ist blechern. Musik macht damit keinen Spaß.

Wehe, es landet im Rucksack

Während unseres Tests ist es uns mehrfach passiert, dass das eigentlich voll geladene Tablet samt dem Tastaturakku am nächsten Morgen leer war, obwohl es nicht benutzt wurde. Das erschwerte nicht nur erheblich unsere Akkutests, sondern nervte regelrecht. Die Erklärung dafür ist einfach, auch wenn wir nicht sofort auf die Idee kamen. Durch das Einlegen in den Rucksack wurde Druck auf den Ein- und Ausschalter ausgeübt und dieser Schalter funktioniert auch im geschlossenen Tablet-Zustand.

Das ist an sich keine schlechte Idee. Viele professionelle Notebooks haben die Möglichkeit, das Gerät im geschlossenen Zustand anzuschalten, um es etwa an einem Monitor samt Tastatur zu betreiben, ohne das Notebook Staub auszusetzen. Der Schalter ist dann allerdings normalerweise sehr schwergängig und kann nicht versehentlich ausgelöst werden.

Dells Schalter ist allerdings sehr leichtgängig und wird in einer Tasche praktisch ständig gedrückt. Nach jedem Transport haben wir einen deutlichen Rückgang der Akkulaufzeit gemessen. Da wir bei einem Tablet mit sehr langen Laufzeiten rechnen, sorgen wir dafür, dass das Gerät sich nicht so schnell abschaltet. Normalerweise hat das keine großen Nachteile. Bei Dells Tablet hingegen ist das eine schlechte Idee. Ein Stoß genügt und das Tablet bleibt in der Tasche - in unserem Fall für eine halbe Stunde - aktiv, und zwar inklusive Displaybeleuchtung im zusammengeklappten Zustand.

Wir haben die Gegenprobe mit dem ähnlich konstruierten und von uns getesteten Vivo Tab RT gemacht. Dieses schaltet sich nicht ein, da Asus den geschlossenen Zustand des Tablets höher einstuft als Aktivitäten am An- und Ausschalter.

Eine Überhitzung ist beim XPS 10 nicht zu befürchten. Zwar wärmt sich das Tablet durchaus auf, als passiv gekühltes Gerät wird es aber nicht heiß genug, um Schaden anzurichten. Für das Arbeiten unterwegs eignet sich das XPS 10 damit nur bedingt. Der Anwender sollte immer darauf achten, dass das Tablet nicht falsch herum in der Tasche steckt. Da das XPS 10 so schön klein ist, neigten wir dazu, es quer mit dem gut greifbaren Scharnier in den Rucksack zu schieben. Das führt aber dazu, dass das Tablet unter Garantie eingeschaltet wird, weil der Schalter dann auf den Boden drückt.

Akkulaufzeiten und Benchmarks gegen Nvidias Tegra 3

Das Tablet lädt beide Akkus sehr schnell auf. Rund 3 Stunden brauchte es bei uns, um den Akku im Gerät und den im Dock aufzuladen. In Anbetracht der hohen Laufzeit ist das ein erfreuliches Ergebnis. Das Netzteil liefert 30 Watt, was für ein Tablet-Ladegerät ein sehr hoher Wert ist. Erfreulicherweise ist der Anwender nicht auf das Netzteil angewiesen. Wer will, kann über den Micro-USB-Anschluss immerhin das Tablet, nicht aber das Dock aufladen. Mit nur 2,5 Watt im USB-Standard dauert das natürlich deutlich länger. Wir haben aber keine volle Ladung damit gemessen.

Die Akkulaufzeiten in der Praxis waren wegen der erwähnten Schalterprobleme enttäuschend. Nur allzu häufig waren wir froh, das Netzteil mitgenommen zu haben. In einem Fall war das eigentlich volle Tablet samt Tastaturakku nach 24 Stunden leer, obwohl es kaum benutzt wurde.

Wer das Tablet nur zu Hause verwendet, hat das Problem nicht. Hier sind nur mit dem Tablet Laufzeiten von etwa 10 Stunden möglich. In einem Test erreichten wir bei gar keiner Last sogar fast 13 Stunden bei niedrigen Helligkeitswerten. Mit dem Dock sind es noch einmal etwa 10 Stunden. Eine Designentscheidung von Dell störte uns aber. Wer das Tablet im Tastaturdock betreibt, macht zuerst das Tablet alle. Erst anschließend wird der Sekundärakku entladen, während das Tablet bei 6 Prozent Ladung bleibt. Wir sind davon überzeugt, dass das der falsche Weg ist, da wir gerne das Tablet aus dem Dock nehmen, um dann auf der Couch gemütlich zu surfen. Beim XPS 10 schaltet sich das Tablet aber nach der Entnahme schnell ab. Sollte das Tablet dann unter 2 Prozent fallen, kann es trotz eines 20-Prozent-Akkus im Tastaturdock nicht mehr gestartet werden. Asus geht hier einen besseren Mittelweg und belastet im normalen Betrieb beide Akkus.

Qualcomms SoC lässt Windows nicht ruckeln

Auf der technischen Seite hat uns Qualcomms Snapdragon besser gefallen als Nvidias Tegra 3. Bei der Datenübertagung per USB haben wir mit rund 20 bis 22 MByte/s leicht bessere Werte als beim Tegra 3 (17-19 MByte/s) ermittelt. Das gilt auch für den Micro-SD-Karten-Schacht. Das bleibt dennoch weit hinter dem, was eigentlich per USB 2.0 möglich ist.

In der Praxis stellte sich heraus, dass der Snapdragon S4 im Desktop und auf der Kacheloberfläche wesentlich besser ist als der Tegra-Chip mit doppelt so vielen Kernen. Besonders deutlich sahen wir das beim Wechsel von einer Metro-App auf den Startbildschirm. Windows RT hat hier erhebliche Probleme, eine App schnell genug schlafen zu legen, was sich beim Tegra 3 durch starkes Ruckeln durch den Startbildschirm äußert. Der Snapdragon S4 hingegen scrollt in dieser Situation sauber durch den Bildschirm. Hier zeigt sich deutlich, dass es manchmal besser ist, zwei schnelle Kerne anstatt vier langsamere Kerne zu haben.

In Spielen gewinnt hingegen Nvidias Chip. Wenngleich das bei Spielen wie Jetpack Joyride und Riptide GT kaum bemerkbar ist. Vendetta Online ist hingegen für beide Chips eine Herausforderung. Und obwohl Vendetta Online Snapdragon-Werbung hat, ist das Spiel mit dem Tegra deutlich ruckelfreier. Allerdings kann auch gesagt werden, dass es derzeit kein Windows-RT-Gerät gibt, das Vendetta Online flüssig darstellen kann.

In Browserbenchmarks wie etwa dem Sunspider ist wiederum Qualcomms Chip minimal schneller. Wir kommen hier auf Werte um die 950 ms. Nvidias Chip braucht etwa 50 ms mehr für einen Durchgang. Beim Durchlaufen des Benchmarks lässt sich der Internet Explorer übrigens beim Tegra-3-basierten Tablet kaum noch bewegen. Qualcomms Prozessor hat da noch Reserven, aber auch hier ruckelt es deutlich.

Im Octane-Benchmark sind die Verhältnisse ähnlich mit 707 (S4) zu 705 Punkten (Tegra 3). Große Unterschiede bei den Einzeltests gibt es nur beim Crypto-Test. Da ist der Snapdragon S4 40 Prozent schneller. Sonst ist der Tegra 3 meist ein bisschen schneller als Qualcomms SoC. Übrigens nutzen die schönen vielen Kerne bei beiden Benchmarks nichts. Hier ist einzig die Geschwindigkeit eines Kerns wichtig. Die anderen Kerne sind nur fürs Multitasking praktisch.

Einschränkungen hat der Snapdragon-Prozessor anscheinend beim Abspielen von Videos. Der freie Film Sintel im 2K-Format (Surround, x264 im MP4-Container) ließ sich auf dem XPS 10 nicht starten. Als Fehlermeldung kam der Error Code 0xc00d11cd (0x80004004) und verwies auf die Xbox-Hilfe-Seiten, die dem Anwender aber keine Hilfestellung zu dem Problem geben. Das Tegra-3-Gerät spielte den Film ohne Probleme ab. Kleinere Videoformate funktionierten ohne Probleme.

Verfügbarkeit und Fazit von Dells XPS 10

Dells XPS 10 ist bereits verfügbar und kostet einzeln mit 32 GByte Flashspeicher rund 480 Euro. Für 100 Euro mehr gibt es 64 GByte Speicherkapazität. Das Tastaturdock kostet 170 Euro extra. Noch nicht bekannt ist der Aufpreis für die UMTS-Variante. Die soll in den nächsten Wochen erscheinen, wie uns Dell auf Nachfrage erklärte.

Fazit

Dells XPS 10 ist ein äußerlich schickes und robust wirkendes Windows-RT-Tablet. Im Vergleich zum ähnlich aufgebauten Vivo Tab RT von Asus gefällt uns das bessere Scharnier und das stabilere System, das zudem mit einer rutschfesten Oberfläche aufwarten kann. Außerdem hat Dell mehr Anschlüsse im Dock, dafür bietet Asus das eigene Tablet bereits mit 3G-Modem an.

Dass der Anschalter bei Dells Tablet so leichtgängig ist, empfinden wir allerdings als groben Schnitzer und hoffen, dass Dell mit einem Firmwareupdate dieses Problem noch beseitigt. Asus und Apple zeigen, dass es besser geht. Da passiert bei geschlossenem Cover nichts. Apple hat zudem den Schalter an einer angeschrägten Seite, was ein versehentliches Drücken zusätzlich erschwert. Damit disqualifizierte sich das Tablet bei uns im Praxiseinsatz unterwegs. Wer Windows RT mit Tastaturdock haben will, greift dann lieber zum Asus-Modell.

Als reines Heimtablet ist das XPS 10 hingegen gut benutzbar. Zudem bleiben Windows-RT-typische Ruckler nach App-Wechseln mit Snapdragons S4 aus und die USB-Schnittstelle arbeitet schneller. Nur bei Spielen merken wir deutliche Vorteile eines Tegra 3.  (as)


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