Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/ransomware-datenkidnapping-nach-aes-256-1302-97321.html    Veröffentlicht: 01.02.2013 14:37

Ransomware

Datenkidnapping nach AES-256

Erpressungsschadsoftware oder Ransomware verschlüsselt alle persönlichen Daten auf einem befallenen Rechner und gibt sie erst gegen eine Zahlung wieder frei. Dabei verwendet aktuelle Ransomware professionelle Verschlüsselungsalgorithmen und asymmetrische Schlüssel.

Wer sich aktuelle Versionen sogenannter Ransomware einfängt, muss damit rechnen, dass seine Photos, Musiksammlung oder Dokumente unwiderruflich verschwinden. Denn die Malware verschlüsselt persönliche Daten auf dem Rechner des Opfers. Da die Datenkidnapper professionelle Verschlüsselungsalgorithmen nutzen und die dazugehörigen Private-Keys auf ihren eigenen Servern lagern, lassen sich die Daten kaum mehr entschlüsseln. Nur regelmäßige Backups sind ein effektiver Schutz gegen Datenverlust bei solchen Angriffen. Sicherheitsexperten und Polizei raten: Bloß nicht zahlen.

Das Wort Ransomware ist zusammengefügt aus "Ransom" - dem englischen Wort für Lösegeld - und "Software". Solche Erpressungsschadsoftware tauchte erstmals 1989 und erneut Mitte 2012 auf. Die Malware wird über Spam oder Phishing-Webseiten verteilt. Einmal auf dem Rechner eines Opfers aktiv, verschlüsselt sie persönliche Daten mit herkömmlichen Verschlüsselungsalgorithmen. Dabei sucht die Software auf dem Rechner nach Doc-, JPG-, MP3- oder PDF-Dateien und verschlüsselt jede einzeln. Erst wenn das Opfer einen Geldbetrag an die Erpresser überweist, geben sie manchmal die Daten wieder frei - meist jedoch aber nicht.

Verschlüsseln per Crypto-API von Windows

Erste Versionen lagerten den Schlüssel auf die Festplatte des Opfers aus oder nutzten eine schwache Verschlüsselung. Hersteller von Sicherheitssoftware wie Sophos konnten Opfern mit entsprechenden Tools noch helfen.

Aktuelle Versionen der Malware, die unter dem Namen Citadel, Reveton oder Troj/Ransom kursieren, sind inzwischen weit ausgeklügelter, wie die Sicherheitsexperten bei Sophos sagen: Die Ransomware nutzt dabei asymmetrische Schlüssel. Ein öffentlicher Schlüssel mit 1024-Bit RSA wird dabei einmalig erzeugt. Er wird für die Verschlüsselung genutzt und wiederum mit dem privaten Schlüssel der Erpresser verschlüsselt. Dieser liegt auf den Servern der Erpresser und nur damit lassen sich die Daten wieder entschlüsseln. Dabei nutzt aktuelle Ransomware Verschlüsselung nach AES-256 und greift auf die Crypto-API in Windows zu.

Im Namen der Polizei

Die Erpressungsschadsoftware meldet sich aber nicht nur mit einer schlichten Zahlungsaufforderung, sondern versucht auch, das Opfer einzuschüchtern und damit zur Zahlung zu zwingen. Auf dem Rechner seien illegale Downloads gefunden worden, heißt es dann, oder gar kinderpornografische Inhalte. Oder dass Inhalte entdeckt worden seien, die auf Verbindungen zu Terroristen hinweisen. Dann wird gedroht, sollte das Opfer nicht zahlen, würden die gekaperten Inhalte an die Polizei übermittelt.

Teilweise gibt sich die Ransomware sogar als offizielle Software der Polizei aus. Sie trägt die Logos der jeweiligen nationalen Behörden, etwa des FBI oder der Central e-Crime Unit der britischen Polizei.

Lokalisierte Erpresserbriefe

In Deutschland verbreitete sich vor wenigen Tagen die Ransomware Reveton. Reveton wird ebenfalls mit lokalisierten Oberflächen ausgeliefert und gibt sich als Software des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) oder der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) aus. Regionale Informationen ermittelt die Erpressungsschadsoftware über die IP-Adresse. Außerdem wird auch die Webcam des Opferrechners aktiviert und Fotos des Erpressten werden an die Täter übermittelt.

Reveton ist noch vergleichsweise harmlos. Dateien werden nicht verschlüsselt, sondern es wird nur der Windows-Rechner gesperrt. Die Schadsoftware lässt sich mit Werkzeugen der Antivirenhersteller im abgesicherten Modus von Windows wieder entfernen.

Bitte nicht zahlen!

Meist verlangen die Datenkidnapper zwischen 30 und 100 US-Dollar. Die Beträge sind bewusst niedrig gehalten, um das Opfer von einer Zahlung nicht abzuschrecken.

Wer Opfer von Ransomware wird, sollte keinesfalls zahlen, raten die Sicherheitsexperten und auch die Polizei. Zum einen erhalten die Erpresser dadurch unter Umständen die Kontendaten des Opfers; meist nutzen sie aber legitime Zahlungswege wie Western Union, um sicherzustellen, dass sie das Geld auch bekommen. Zum anderen sind die Chancen gering, dass ein Opfer schließlich seinen Entschlüsselungscode auch wirklich erhält. Nur regelmäßige Datensicherungen schützen davor, dass bei einem Befall mit Ransomware alle persönlichen Daten verlorengehen.  (jt)


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