Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/content-id-youtube-loescht-musik-statt-videos-zu-sperren-1301-97304.html    Veröffentlicht: 31.01.2013 18:17    Kurz-URL: http://glm.io/97304

Content ID

Youtube löscht Musik, statt Videos zu sperren

Über eine neue Funktion können Youtube-Nutzer selbst bestimmen, ob urheberrechtlich geschützte Musik aus ihren Videos gelöscht werden soll. Der Rest der Tonspur bleibt dabei erhalten. Das soll das automatische Sperren von Videos verhindern.

Im ewigen Streit um Musikrechte bei Youtube-Videos hat das Unternehmen eine neue Lösung auf technischem Weg gefunden. Seit kurzem können Nutzer selbst bestimmen, ob urheberrechtlich geschützte Musik aus einem von ihnen hochgeladenen Video entfernt wird.

Grundlage ist die System Content ID, die Musikstücke erkennen kann. Wird ein urheberrechtlich geschütztes Stück gefunden, so erscheint im Videomanager eines Youtube-Accounts zunächst der "Claim" - der Anwender wird damit darauf hingewiesen, dass sein Video geschützte Musik enthält. Auf der deutschen Seite wird das als "Urheberrechtshinweise" angezeigt.

Nach einem Klick auf "Remove this Song" - die Beschreibungen liegen bisher nur für englischsprachige Accounts vor - entfernt ein Algorithmus nur das beanspruchte Musikstück und lässt den Rest des Tons mehr oder weniger unverändert. Bei der Bearbeitung muss die Tonspur dekomprimiert und dann von der Musik befreit werden. Gerade bei zuvor verlustreich komprimiertem Ton, etwa mit Musik, Kommentar und Hintergrundgeräuschen, kann das Ergebnis dann merkwürdig klingen.

Beispiele für so behandelte Videos ließen sich bisher nicht finden, auch Youtube konnte sie auf Anfrage nicht vorlegen. Das Unternehmen weist aber auf seine Hilfeseiten für die neue Funktion hin. Über Funde, die tatsächlich mit "Remove this Song" behandelt wurden, freuen wir uns in den Kommentaren zu dieser Meldung. Ein Tipp: Das mit über 20 Millionen Aufrufen sehr populäre "Music videos without music: Gangnam Style" zählt nicht dazu, es wurde von seinem Ersteller in stundenlanger Handarbeit mit freien Soundeffekten und Auszügen aus anderen Musikstücken bearbeitet.

Nachtrag vom 1. Februar 2013, 16:45 Uhr

Ein Leser von Golem.de hat den Mechanismus an einem eigenen Video ausprobiert, wofür wir uns bedanken. Ab Minute 4:40 befand sich bisher ein urheberrechtlich geschütztes Stück, das nun aber trotz der Bearbeitung durch die Youtube-Filter noch klar zu erkennen ist: "It´s raining men" von den Weather Girls. Der Song ertönt mit schwankender Lautstärke, meist verzerrt, oft mit Rauschfahnen versehen - und in den letzten Sekunden, bevor auch das Video endet, wieder ganz klar.

Zumindest bei diesem Beispiel kann zwar von Musikgenuss keine Rede mehr sein, da das Stück aber deutlich identifizierbar ist, dürfte Youtubes Ansatz - sofern er immer solche Auswirkungen hat - die Inhaber von Musikrechten nicht immer beruhigen. Manchmal geht es nämlich gar nicht nur um die Werbeeinnahmen bei einer anderen kommerziellen Nutzung. Bisweilen sprechen sich auch die Musiker ganz direkt dagegen aus, dass ihr Werk in einem anderen Zusammenhang zum Teil eines neuen Werkes wie bei einem Video wird.  (nie)


Verwandte Artikel:
Oberlandesgericht: Gema erhält keinen Schadenersatz von Youtube   
(28.01.2016, http://glm.io/118796 )
Youtube: PewDiePies Bezahlserie startet verspätet in Deutschland   
(04.02.2016, http://glm.io/118933 )
Freedom & Free Beer: Musikpiraten hoffen auf Erfolg bei neuer Gema-Klage   
(23.02.2016, http://glm.io/119333 )
Hasskommentare: Datenschützer gegen Klarnamenzwang bei Online-Zeitung   
(17.02.2016, http://glm.io/119210 )
Oberlandesgericht: Youtube kann durch Gema in Störerhaftung genommen werden   
(01.07.2015, http://glm.io/114983 )

© 1997–2016 Golem.de, http://www.golem.de/