Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/angry-birds-sumpfammerroboter-macht-sumpfammern-rasend-1301-97303.html    Veröffentlicht: 31.01.2013 17:22

Angry Birds

Sumpfammerroboter macht Sumpfammern rasend

US-Wissenschaftler haben mit einem Roboter Vögel provoziert. Auf diese Weise haben sie gezeigt, dass Vögel individuelle Verhaltensweisen ausbilden - und dass es besser ist, sie nicht zu ärgern.

Ist sie nicht niedlich, die Sumpfammer? Ein Roboter der Duke-Universität in Durham im US-Bundesstaat North Carolina würde die Frage wohl mit einem klaren Nein beantworten. Die Vögel haben ihn böse attackiert. Zugegeben: Er hatte sie provoziert.

Ziel des Experiments war es, das Verhalten der mit den Finken verwandten Singvögel zu studieren. Die Männchen der sonst so possierlichen Vögel neigen nämlich zu heftigen Aggressionsausbrüchen. Die Revierkämpfe können sogar tödlich für einen der Kontrahenten enden.

Warnung vor dem Kampf

Der aber wird zuvor durch ein Winken mit dem Flügel gewarnt - und genau diesem Verhalten wollte Rindy Anderson auf den Grund gehen. "Für die Vögel bedeutet das Winken mit dem Flügel so viel wie den Stinkefinger zu zeigen oder zu sagen: Bring dich in Stellung. Ich bin bereit zum Kampf", erklärt die Biologin. Zusammen mit dem Studenten David Piech baute sie aus einem ausgestopften Sumpfammer-Männchen einen Vogelroboter, der einen Flügel heben kann.

Den Roboter stellten sie in einem Brutgebiet auf und spielten über einen Lautsprecher den Ruf des Sumpfammermännchens ein, um auf den vermeintlichen Eindringling aufmerksam zu machen. Zum Schutz hatten die Wissenschaftler den Roboter in einen Drahtkäfig gesteckt - zu Recht: Seine Provokationen weckten das Tier in den Ammermännchen. Sie stürzten sich auf ihn und attackierten ihn mit ihren Krallen.

Ausgestopfte Vögel

Dann machten sie die Gegenprobe mit zwei ausgestopften Vögeln: Der eine saß einfach nur da, und die Forscher spielten die Ammernrufe ein. Der andere konnte sich zudem noch nach rechts und links drehen. Zwar seien auch diese beiden angegriffen worden, jedoch deutlich weniger heftig als der Roboter, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift Behavioral Ecology and Sociobiology.

Das Ergebnis sei zu erwarten gewesen, sagt Anderson. "Was ich nicht erwartet hatte, war, dass die Vögel gegenüber allen drei Eindringlingen auffallend ähnliche, aggressive Flügelsignale zeigten." Habe ein Vogel dem ausgestopften Versuchsvogel fünfmal mit dem Flügel gewinkt, so habe er das gleiche Verhalten auch beim Roboter gezeigt. Anderson war davon ausgegangen, dass die Reaktion des Revierverteidigers der des Eindringlings entsprechen würde, nicht aber, dass die Vögel individuelle, aber dabei konsistente Reaktionen zeigen würden. Das sei der erste Schritt, das Verhalten der Vögel zu verstehen und herauszubekommen, wie sie Töne und visuelle Signale zum Kommunizieren nutzten, sagt Anderson.  (wp)


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