Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/test-ni-no-kuni-maerchenhaftes-rollenspiel-auch-fuer-erwachsene-1301-97261.html    Veröffentlicht: 31.01.2013 14:03

Test Ni No Kuni

Märchenhaftes Rollenspiel auch für Erwachsene

Ein erfolgreiches Zeichentrickstudio kooperiert mit einem erfolgreichen Spielentwickler - und heraus kommt ein toll erzähltes Abenteuer für die Playstation 3: Ni No Kuni ist nicht nur für passionierte Rollenspieler eine Offenbarung.

Auf dem Papier schien die Kooperation des legendären Zeichentrickstudios Ghibli (Prinzessin Mononoke) und der Spielentwickler von Level 5 (Professor Layton) traumhafte Voraussetzungen für ein Rollenspiel-Highlight zu schaffen. Skepsis blieb trotzdem, da derartige Kooperationen auch oft genug schiefgehen. Ni No Kuni erfüllt die hohen Erwartungen aber - unter anderem, weil die Story den Spieler in seinen Bann zieht und sich der Titel schon in den ersten Minuten wie ein neuer Ghibli-Film zum Selbstspielen anfühlt.

Im Mittelpunkt steht der gerade mal 13-jährige Oliver, der den Tod seiner Mutter miterleben und mitverantworten muss. Lange Zeit zum Trauern bleibt ihm allerdings nicht, denn plötzlich erwacht sein Kuscheltier zum Leben und erzählt ihm von der Parallelwelt Ni No Kuni. Dort soll es zu jedem Lebewesen in Olivers realer Welt ein Gegenstück geben - auch eine Seelenverwandte seiner Mutter. In Ni No Kuni herrschen allerdings Angst und Schrecken, weil die Welt von einem bösen Zauberer unterjocht wird. Zeit also für Oliver, aufzubrechen und auf diesem Wege vielleicht auch seine Mutter zurück ins Leben zu holen. Als ständigen Begleiter hat er sein magisches Buch im Gepäck, das detailliert über Zauber, Attacken, die Story und vieles mehr informiert.

Die frei begehbare (und später etwa auch per Schiff oder Drachen zu bereisende) Welt von Ni No Kuni gehört zum Schönsten, was in Sachen Rollenspielen bisher auf Konsolen zu sehen war. Angefangen bei den unterschiedlichen Bewohnertypen bis hin zu den zahllosen Schauplätzen: Ständig begeistern liebevolle Details und abdrehte Ideen. Oliver ist in dichten Wäldern ebenso unterwegs wie in idyllischen Dörfern, er besucht Dungeons, Friedhöfe, Tempel - und hat überall mehr als genug zu tun.

In Sachen Spielprinzip verlässt sich Ni No Kuni auf klassische Rollenspielstärken. Es gilt, zahllose Echtzeitkämpfe mit geschicktem Einsatz von Angriffs- und Magie-Attacken für sich zu entscheiden oder im richtigen Moment eine Deckungsaktion auszuführen. Natürlich verbessert sich Oliver durch erfolgreiche Kämpfe, er lernt neue Attacken und Zauber und kann sich nach und nach auch an Portale und Kontrahenten heranwagen, die zu Beginn noch zu mächtig für ihn sind.

KI-Begleiter und Fazit

Auf sich allein gestellt ist Oliver dabei nicht: Ihm schließen sich nicht nur zwei Mistreiter an, er und seine Kameraden kontrollieren zudem Begleiter - kleine, meist knuffige Kreaturen, denen sich Verhaltensweisen befehlen lassen, mit denen sie sich dann nacheinander im Kampf als Unterstützung erweisen. Diese Begleiter verfügen über eigene Attacken und Charakterwerte und werden mit der Zeit ebenfalls stärker. Wenn sie etwa mit den richtigen Süßigkeiten gefüttert werden, wächst ihre Durchschlagskraft kontinuierlich an.

Die niedliche Optik sollte nicht missverstanden werden: Der Schwierigkeitsgrad der Kämpfe steigt mit der Spielzeit deutlich an. Wer dann übersieht, dass das Wiederholen bestimmter Angriffsaktionen eine gewisse Regenerationszeit benötigt, er die passende Attacke gerade nicht parat hat oder nicht immer wieder vor gegnerischen Attacken in Deckung geht, hat ein Problem.

Aber auch abseits der Kämpfe ist genug zu tun. Immer wieder warten Nebenaufgaben, etwa wenn Dorfbewohner um einen Gefallen bitten. Da sind dann auch regelmäßig kleine Sammelaufgaben oder Knobeleien zu lösen - zusammen mit der Möglichkeit, eigene Waffen und Heiltränke herzustellen, depressive Bewohner mit Magie die Laune zu verbessern, in den Shops neue Ausrüstungsgenstände zu kaufen, die Welt bis in die letzte Ecke zu erkunden oder von Zeit zu Zeit auch wieder in die "Realität" zurückzuwechseln, ergibt das genug Stoff für 50 bis 60 Stunden Spielspaß.

Die Szenerie von Ni No Kuni sieht nicht nur toll aus, sondern ist auch perfekt in Szene gesetzt - die Animationen sind flüssig, die Übergänge zwischen Spielgrafik und Zwischensequenzen fließend und der orchestrale Soundtrack filmreif. Die Hingabe, mit der hier auch auf Kleinigkeiten geachtet wurde, ist in jeder Szene spürbar.

Ni No Kuni erscheint am 1. Februar 2013 über Namco Bandai für Playstation 3 und wird etwa 60 Euro kosten. Sprachausgabe gibt es wahlweise auf Japanisch oder Englisch, Untertitel auf Deutsch, Englisch und einer Reihe weiterer Sprachen. Das Spiel hat von der USK eine Altersfreigabe ab 12 Jahren erhalten.

Fazit

Wer an Ni No Kuni etwas kritisieren will, wird höchstens beim Spielprinzip fündig, denn da bietet der Titel "nur" klassische Rollenspielaction mit ein paar KI-Schnitzern. Die Gefechte sind allerdings in eine derart schöne und detailreiche Welt und eine bravourös erzählte Geschichte eingebettet - wer auch nur ansatzweise Gefallen an japanischen Rollenspielen oder gut erzählten Märchen findet, wird Ni No Kuni schnell und uneingeschränkt ins Herz schließen.  (tw)


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