Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/operation-last-resort-anonymous-droht-mit-veroeffentlichung-von-us-dokumenten-1301-97196.html    Veröffentlicht: 28.01.2013 18:45

Operation Last Resort

Anonymous droht mit Veröffentlichung von US-Dokumenten

Das Hackerkollektiv Anonymous droht der Regierung der USA mit der Veröffentlichung von geheimen Dokumenten. Damit soll der Freitod des Reddit-Mitbegründers Aaron Swartz gerächt werden. Die Webseite einer Justizbehörde der USA wird seit Tagen immer wieder angegriffen.

In einem Youtube-Video droht das Hackerkollektiv Anonymous der US-Regierung: Wenn nicht die US-Gesetze zur Verfolgung von Hackeraktivitäten geändert würden, stehe die Veröffentlichung von angeblich brisanten Geheimunterlagen kurz bevor. Mit dem Suizid des Reddit-Mitbegründers Aaron Swartz, der wegen diverser Computervergehen angeklagt wurde, sei "eine rote Linie überschritten worden", so Anonymous. Gesetze wie der Computer Fraud and Abuse Act (CFAA) sind wegen ihrer vagen Formulierung auch in der US-Politik nicht unumstritten.

In dem Video gibt Anonymous keinen konkreten Hinweis, welche Dokumente sich vermeintlich in den Händen der Hacker befinden. Bereits seit längerer Zeit seien die Unterlagen gesammelt worden, die schrittweise im Rahmen der "Operation Last Resort" veröffentlicht werden sollten. Trete ein nicht näher beschriebener Notfall ein, solle das der Schlüssel sein, das gesamte Paket, das bereits auf einigen Torrent-Seiten verlinkt sei, öffentlich zugänglich zu machen.

Als sichtbares Beispiel für seine Aktivitäten hat das Kollektiv die Seite ussc.gov ausgewählt, die laut CNN bereits seit Samstag, dem 26. Januar 2013 unter Kontrolle der Hacker steht. Aus Deutschland ist sie auch zwei Tage später nicht erreichbar, einem Bericht von ZDnet zufolge wurde der Inhalt der Seite in den vergangenen Tagen mehrfach verändert. Dabei brachten die Hacker unter anderem für einige Zeit ein Asteroids-Spiel auf der Startseite unter.

Anonymous behauptet, diese Seite sei nur symbolisch ausgewählt worden, weil sie in direkter Verbindung mit der nach Meinung des Kollektivs ungeeigneten Rechtsprechung der USA stehe. Die angegriffene Behörde, United States Sentencing Commission, legt den Strafrahmen für Gerichtsurteile anhand von Musterfällen fest. In ihrem Video behaupten die Hacker aber, sie hätten schon "für eine ziemlich lange Zeit" auch Zugang zu anderen Regierungsseiten. Im Namen der Torrent-Datei mit den angeblich brisanten Daten taucht das Kürzel "DOJ" auf, was offenbar auf das US-Justizministerium (Department of Justice) hindeuten soll.

Eine zeitlich befristete Forderung nach einer Änderung von Gesetzen spricht Anonymous nicht aus. Somit bleibt neben dem Inhalt der Dokumente auch unklar, wie lange die Aktion laufen soll und welche Schritte der US-Behörden die Hacker erwarten.  (nie)


Verwandte Artikel:
Operation Payback: Student wegen Teilnahme an DDoS-Attacken verurteilt   
(07.12.2012 11:25, http://www.golem.de/news/operation-payback-student-wegen-teilnahme-an-ddos-attacken-verurteilt-1212-96207.html)
Petition: Anonymous fordert Legalisierung von DDoS-Attacken   
(10.01.2013 11:53, http://www.golem.de/news/petition-anonymous-fordert-legalisierung-von-ddos-attacken-1301-96830.html)
Netzaktivismus: Anonymous braucht ethische Grundlagen   
(03.05.2012 11:13, http://www.golem.de/news/netzaktivismus-anonymous-braucht-ethische-grundlagen-1205-91533.html)
Soziale Netzwerke: Paypal sperrt Diaspora-Spendenkonto   
(19.10.2011 11:27, http://www.golem.de/1110/87145.html)
2 Millionen Chatzeilen: Mutmaßliche Anonymous-Mitglieder in Spanien verhaftet   
(10.06.2011 18:08, http://www.golem.de/1106/84144.html)

© 2014 by Golem.de