Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/test-strike-suit-zero-es-ist-nicht-leicht-ein-mech-zu-sein-1301-97140.html    Veröffentlicht: 25.01.2013 15:08

Test Strike Suit Zero

Es ist nicht leicht, ein Mech zu sein

Das über Kickstarter finanzierte Weltraumspiel Strike Suit Zero ist da. Spieler schlagen dramatische Schlachten in einem Raumschiff, das sich zum Kampfroboter wandelt - ganz im Stil japanischer Mecha-Comics.

Für die Fertigstellung von Strike Suit Zero haben die Entwickler fast 175.000 US-Dollar über Kickstarter gesammelt und nichts Geringeres versprochen als eine Neuerfindung von Weltraumschlachten, untermalt mit fantastischer Musik. Jetzt ist das Spiel für Windows auf Steam und in weiteren Downloadshops erhältlich. Seine größte Besonderheit sind die Raumschiffe, die sich in Mechs verwandeln können. Obwohl bekannte Namen für das Flair von Mangas und Animes rund um gigantische fliegende Roboteranzüge sorgen sollten, haben die Entwickler von Born Ready ihr Versprechen aber nicht gehalten.

Dabei waren die hohen Erwartungen berechtigt: Raumschiffe, die sich zu riesigen laufenden Maschinen mit Armen und Beinen wandeln können, sind aus tollen Serien wie Macross oder Mobile Suit Gundam bekannt. Ebenso Mechs, die sich Kämpfe nicht nur fliegend im All, sondern auch auf und in riesigen Schlachtschiffen liefern. Nicht nur mit Waffen, sondern auch im Nahkampf. Um das japanische Flair richtig zu treffen, engagierte Born Ready extra den Designer Junji Okubo (Appleseed: Ex Machina, Steel Battalion), der die Mechs für Strike Suit Zero entwarf. Dem Soundtrack von Paul Ruskay (Homeworld) lieh zudem auch die japanische Sängerin und Liedtexterin Kokia (Tales of Innocence, Gunslinger Girl: II Teatrino) ihre Stimme.

Auch das Entwicklerteam des noch jungen britischen Spielestudios Born Ready berechtigte zu Hoffnungen: Seine Mitglieder haben bereits an Spielen wie Call of Duty Finest Hour, Warhammer: Firewarrior, Batallion Wars, Dark Messiah of Might and Magic, Dungeon & Dragons Tactics und Geometry Wars Galaxies mitgewirkt.

Es ist was los im Weltenraum

Einiges an Strike Suit Zero ist tatsächlich gut gelungen. Die Schlachten sind wirklich imposant umgesetzt mit gleißenden Explosionen, Energiestrahlen und berstenden Schiffen. Die hektischen Gefechte werden begleitet von Funksprüchen von Kameraden, die etwa vor sich nähernden Schiffen warnen oder gratulieren, dass ein Gegner zerlegt wurde, und dezenter Musik.

Gekämpft wird nicht nur gegen feindliche Jäger, sondern auch gegen Fregatten und große Schiffe. Die sind die größte Herausforderung - unter heftigem Beschuss müssen hier in großen Schlachten deren Geschütztürme ausgeschaltet werden. So können die Bomber oder Schlachtschiffe der eigenen Fraktion zum Zuge kommen, ohne groß Schaden zu nehmen.

Viel Schaden können auch Torpedos der Gegner anrichten, die es deshalb vor dem Einschlag auf freundlichen Schiffen auszuschalten gilt. Ein hektisches Unterfangen, insbesondere wenn sich die Flotten bereits im Nahkampf befinden.

Hit and run

An Action mangelt es Strike Suit Zero nicht, etwas Neues haben die Entwickler den Kämpfen aber auch nicht gegeben. Die Dogfights mit den gegnerischen Jägern sind Standardkost, legt man Maßstäbe selbst früherer Vertreter wie Wing Commander an. Die Gegnerintelligenz erscheint nicht sonderlich ausgefeilt. Dennoch wird der Spieler durch die Menge an Gegnern schnell aufgerieben und stellt sich schnell auf die immer gleiche Strategie ein: hinfliegen, feuern, mit Nachbrenner wegfliegen, sobald das Schild regeneriert ist, erneut angreifen.

Die Schilde des Spielers gehen schnell zur Neige. Das trifft insbesondere auf den feuerkräftigen Mech-Modus zu, in dem der Spieler die Schüsse der Gegner regelrecht anzuziehen scheint. Kein Wunder: Er wird zum leicht zu treffenden Ziel. Kurzerhand auf großen Schiffen landen, herumlaufen und aus der Deckung wüten kann er nicht.

So bleibt der Mech-Modus nur eine ausklappbare Überwaffe, die mit viel Wumms Projektile und massig viele Raketen auf einmal verschießen kann. Das sieht nett aus, hat aber leider weniger taktischen Nutzen als erhofft. Genutzt wird der Mech-Modus nur, wenn genügend Flux-Energie zur Verfügung steht, die durch Zerstören von Feinden aufgeladen und etwa durch Abfeuern der Mech-Waffen entladen wird.

Arcade statt Space-Opera

Wer zwischendurch stirbt, was bei großen Schlachten mit viel Action schnell passiert, hat die Wahl, entweder die ganze Mission oder nur den aktuellen Teilabschnitt zu wiederholen. Ein Speichern zwischendurch ist nicht möglich. Bei längeren Abschnitten stört das.

Abgesehen von den Kämpfen und den hübschen Weltraumhintergründen ist die Präsentation von Strike Suit Zero eher langweilig. Vor und nach Missionen gibt es die immer gleichen Zwischenbildschirme zu sehen. Dazu zählen Missionsauswahl, Missionsbeschreibung, Waffenauswahl und erreichter Punktestand. Das Spiel ähnelt auch hier deshalb eher einem Arcade-Titel als einer Space-Opera, einem mitreißenden Weltraumabenteuer.

Die Missionsaufgaben sind sehr einfach gestrickt, aber nicht immer einfach zu lösen. So gilt es, bestimmte Schiffe zu zerstören, zu retten und dabei selbst am Leben zu bleiben, dann ist die Mission geglückt. Mehr Punkte gibt es bei mehr zerstörten Gegnern, wobei deren Werte unterschiedlich gewichtet sind. Dazu kommen dann noch Bonusziele wie: "Sorge dafür, dass unsere Frachter nicht zerstört werden". Die schalten dann etwa bessere Schilde frei.

Erde retten nicht nur mit Maus und Tastatur

Nicht schlecht, aber austauschbar wirkt die vom Spiel erzählte Story - es geht um die Rettung der Erde, der Spieler und sein Strike Suit Zero sind die einzige Rettung. Die Geschichte wird sehr einfach erzählt, mit Ingame-Grafik und eingeblendeten Porträts der Protagonisten. Die erhielten aber immerhin eine gute englische Sprachausgabe.

Strike Suit Zero greift zwar viele Elemente bekannter Vertreter des Genres auf, mischt sie mit Komponenten aus anderen Spielarten und untermalt sie mit stimmungsvoller Musik. Doch es bleibt die Frage: Wo ist das Neue, wo ist das wirklich Besondere?

Immerhin: Die Steuerung von Strike Suit Zero ist nicht nur mit Maus und Tastatur möglich. Alternativ lassen sich Gamepad oder Joystick nutzen. Zudem wird eine Multi-Monitor-Ausgabe auf bis zu drei Monitoren unterstützt.

Strike Suit Zero ist seit dem 24. Januar 2013 unter anderem bei Steam erhältlich. Dort kostet das bisher nur für Windows erhältliche Spiel bis zum 30. Januar 15,19 Euro, danach wird der reguläre Preis von 18,99 Euro fällig. Alternativ gibt es auch eine Collectors Edition inklusive Soundtrack sowie den Soundtrack einzeln. Kickstarter- und Paypal-Unterstützer sollen bereits ihre Schlüssel erhalten haben. Die Linux- und Mac-Versionen sollen im Laufe des Jahres folgen, genauere Angaben hierzu liegen uns noch nicht vor. Geplant sind auch Downloaderweiterungen (DLC), im Spielehub auf Steam befragen die Entwickler Spieler gerade dazu, was sich diese von einem Waffenpaket erhoffen würden.

Fazit

Mit einem Mech im Weltraum umherdüsen und im Schlachtgetümmel mit Raketensalven Gegner in Angst und Schrecken versetzen: Das weckt Erinnerungen an Macross und ähnliche japanische Mangas und Animes aus Japan. Die Erwartungen sind deshalb hoch - und genau deshalb will sich bei Strike Suit Zero auch keine Begeisterung einstellen. Wandelt sich das Raumschiff in die Roboterform, kann es nur besser ballern. Kämpfe auf den Außenhüllen oder im Inneren riesiger Schlachtschiffe sind mit dem Mech leider nicht möglich. Das hätte für deutlich mehr Abwechslung gesorgt. Immerhin: Grafik und Musik sind gelungen, sie bringen die Weltraumschlachten gut zur Geltung. Auch die Steuerung gefällt, zumal sie nicht nur mit Maus und Tastatur, sondern auch mit Gamepad und Joystick möglich ist. Das sehr "arcadige" Spiel ist zum Zeitvertreib gut geeignet, auch für gestandene Weltraumspielfans noch eine Herausforderung, aber ein Meilenstein des Genres der Weltraumspiele ist es nicht geworden.  (ck)


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