Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/test-the-cave-hoehle-mit-humor-1301-97059.html    Veröffentlicht: 22.01.2013 14:14

Test The Cave

Höhle mit Humor

Eine sprechende Höhle, sieben skurrile Figuren und sarkastische Sprüche: Mit The Cave bietet Branchenveteran Ron Gilbert (Monkey Island) ein Adventure der etwas anderen Art.

Mit schrägen Charakteren hat Ron Gilbert Erfahrung. Er hat mitgewirkt an der Erfindung des Möchtegern-Piraten Guybrush Threepwood und an den Hauptfiguren von Day of the Tentacle, dem grünen und dem purpurnen Tentakel. Und er war als Autor, Director und Programmierer für das Ensemble der skurrilen Helden im Klassiker Maniac Mansion verantwortlich. An dieses Frühwerk erinnert The Cave, das unter der Leitung von Gilbert beim US-Entwicklerstudio Double Fine entstanden ist. In beiden Spielen ist der Spieler mit drei Protagonisten unterwegs, in beiden gibt es einen klar umrissenen Schauplatz - in Maniac Mansion eine alte Villa, in The Cave eine riesige Höhle.

Am Anfang von The Cave wählt der Spieler aus, mit welchen drei Helden er das Abenteuer bestehen möchte. Zur Auswahl stehen sieben, darunter eine Doppelfigur: der Zwilling. Jede Figur sucht das, was sie am meisten begehrt, und jede hat eine Spezialfähigkeit: Ein Ritter sucht Ruhm und Ehre und kann sich unverwundbar machen, eine Wissenschaftlerin will eine Rakete starten und darf Computerterminals hacken, eine Abenteurerin sucht einen Schatz und verfügt über einen Enterhaken, mit dem sie sich an schwer erreichbare Stellen ziehen kann. The Cave ist mit allen denkbaren Kombinationen lösbar.

Je nach gewählten Protagonisten sind die Lösungswege etwas anders. Deshalb macht es Spaß, The Cave mehrfach zu spielen. Wer wirklich alle Heldenkombinationen ausprobieren möchte, muss sogar 35-mal in die Tiefe steigen. Für jede Figur gibt es außerdem ein Spezialareal, das der Spieler nur mit ihr im Team erreichen kann - der Mönch etwa gewährt Zugang zu einem Zen-Kloster. Die Spieldauer hängt stark davon ab, wie schnell die Rätsel gelöst werden. Im ersten Durchlauf dürften die meisten Spieler zwischen vier und sieben Stunden benötigen, wenn sie nicht länger an einer Stelle hängen bleiben - was durchaus passieren kann, denn der Schwierigkeitsgrad ist hoch.

Die samtig-tiefe Stimme der Tiefe

Schauplatz von The Cave ist ausschließlich die Höhle. Die hat ein paar Besonderheiten. Die auffälligste ist die, dass sie mit einer angenehm samtigen männlichen Stimme spricht und immer wieder mal Witze im trocken-sarkastischen Gilbert-Stil reißt. Der Spieler sieht das Geschehen immer von der Seite und springt und hüpft mit jeweils einer der Figuren durch die Tiefe - auch ohne jede Affinität zu Jump-and-Runs stellt das aber kein Problem dar. Wenn einer der Protagonisten von Steinen erschlagen oder von Flammen geröstet wird, steht er meist ein paar Meter neben der Todesstelle wieder auf.

Bei den meisten Rätseln geht es darum, irgendwie den Weg in die Tiefe frei zu räumen. Das Überwinden von Hindernissen ist manchmal ganz einfach, etwa, wenn der Spieler ein paar Stangen Dynamit mit einer Fackel kombinieren muss. Meistens ist aber mehr Köpfchen gefragt. An einem Jahrmarkt in der Tiefe etwa muss der Spieler vier Eintrittskarten finden, um weiterzukommen. Dazu muss er mehrere Maschinen bedienen, Farben an einem Glücksrad erraten, Gewichte schätzen und Kuchen herbeizaubern. Alles funktioniert logisch, ist aber teils sehr verschachtelt aufgebaut und selten auf den ersten Blick ersichtlich.

Grafik und Fazit

In vielen Fällen muss der Spieler mehrere Figuren kombinieren - dann drückt die eine einen Schalter, während die andere durch die geöffnete Tür geht. Das klingt einfach, ist aber nur ein Beispiel, denn die Designer haben sich durchaus komplexe Rätsel einfallen lassen. Dazu trägt auch die Tatsache bei, dass die benutzbaren Stellen teils recht weit auseinanderliegen und der Spieler sich die Wege merken muss. Ein Inventar ist nicht vorhanden, jede Figur kann immer nur einen Gegenstand in der Hand tragen.

Grafisch ist The Cave mittelprächtig bis gut gestaltet. Die Höhle bietet wesentlich mehr als nur düstere Gänge, sie ist in Abschnitte unterteilt. Neben dem Jahrmarkt gibt es auch ein Gebiet mit mittelalterlichen Festsälen und eine Art Raketenabschussbasis. Die Animationen der Charaktere sind gelungen, und ein paar Ideen für schicke Optik haben die Entwickler gehabt. Zum Beispiel schwappt Wasser schön in Bassins. Unsere Testversion hat auf der Xbox 360 allerdings stellenweise ganz schön geruckelt. Einen Online-Multiplayermodus gibt es nicht. Lediglich am selben PC oder derselben Konsole können drei Mitstreiter gemeinsam die drei Figuren lenken - was wegen des fehlenden Splitscreens unübersichtlich ist. Die Sprachausgabe erfolgt auf Englisch, dazu gibt es deutsche Untertitel.

The Cave ist über Publisher Sega ab dem 23. Januar 2013 als Download für Windows-PC, Mac OS, Linux, Xbox 360 und Playstation 3 über die üblichen Kanäle verfügbar - für Windows-PC etwa über Steam für rund 13 Euro. Eine offizielle Altersfreigabe durch die USK liegt nicht vor, allerdings hat das Programm nach Einschätzung von Golem.de keinerlei problematische Inhalte.

Fazit

Ron Gilbert könnte vermutlich bis zur Rente damit durchkommen, seine eigenen Adventure-Klassiker zu kopieren. Stattdessen macht er mit The Cave vieles neu - allein schon dafür gebührt ihm Lob. Insgesamt ist sein Höhlenabenteuer gelungen.

Eine echte Handlung fehlt zwar, und auch die auf den ersten Blick herrlich skurrilen Figuren bleiben etwas blass. Dafür gibt es knackige, sehr logische und vor allem originelle Rätsel. Dass die Lösungswege von der Auswahl der Charaktere abhängen, motiviert zum Rumprobieren. Während bei typischen Adventures ein zweiter Durchgang wenig Sinn ergibt, machen in The Cave auch die Wiederholungen Spaß.

Genre-Puristen dürften über den Jump-and-Run-artigen Aufbau schimpfen, die Steuerung ist aber so gut und einfach, dass es Spaß macht, durch die Stollen zu springen. Unterm Strich ist The Cave trotz kleiner Schwächen ein gelungenes Experiment mit guten Ideen, dem neben Liebhabern von Adventures auch Denksportfans eine Chance geben sollten.  (ps)


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