Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/huawei-ascend-g615-im-test-vier-kerne-fuer-wenig-geld-1301-97030.html    Veröffentlicht: 21.01.2013 12:14

Huawei Ascend G615 im Test

Vier Kerne für wenig Geld

Mit dem Ascend G615 bietet Huawei ein Smartphone mit eigenem Quadcore-SoC zu einem niedrigen Preis an. Dafür müssen Käufer überraschend wenig Abstriche machen.

Knapp 300 Euro verlangt Huawei für das Ascend G615. Der Käufer soll ein flottes Smartphone mit vier Kernen erhalten. Dafür hat Huawei bei einigen Hardwarekomponenten Einsparungen vornehmen müssen. Sie fallen allerdings weit geringer aus als gedacht.

Im Inneren des Ascend G615 arbeitet ein K3V2-Quad-Core-Prozessor. Der K3V2 stammt von der Huawei-Tochter Hisilicon. Die vier Kerne basieren auf ARMs Cortex-A9 mit ARMv7-Architektur und sind im Ascend G615 mit bis zu 1,4 GHz getaktet. Im Geekbench-Benchmark ließ das Ascend G615 mit durchschnittlich 1.820 Punkten das HTC One X Plus und sein Tegra-3-SoC mit 1.588 Punkten und das Galaxy S3 und den Exynos 4412 mit 1.777 Punkten hinter sich.

Die GPU bezeichnet Huawei als "16-Kern-GPU". Im Grafikbenchmark GLBenchmark erreichte das Ascend G615 21 fps und lag damit noch vor dem HTC One X Plus mit 18 fps. Tatsächlich konnten wir keine Ruckler feststellen, weder im Browser auf Webseiten mit vielen Bildern noch bei grafiklastigen Spielen, etwa Nova 3.

Satte Farben im Display

Das 4,5 Zoll große IPS-Display hat eine Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln. Dies entspricht einer Pixeldichte von 326 ppi. Damit liegt das Ascend G615 gleichauf mit dem iPhone 5. Das Nexus 4 von Google hat eine etwas geringere Pixeldichte von 317 ppi. Das Display ist blickwinkelstabil und zeigt satte, kräftige und natürliche Farben. Das Material der Displayabdeckung ist nicht bekannt und nicht getönt. Im Sonnenlicht ist das Display nur bei maximaler Helligkeit einigermaßen lesbar.

Schlichtes Gehäuse und gute Akkulaufzeit

Äußerlich ist das Ascend G615 wenig spektakulär. Das Gehäuse ist mit 11 Millimetern etwas dicker als die Gehäuse gängiger Quadcore-Smartphones wie des Galaxy S3 oder des HTC One X Plus. Die rückseitige Abdeckung ist zwar gewölbt, hat allerdings eine deutliche Kante, wodurch Huaweis Smartphone klobig wirkt. Mit 145 Gramm ist es in etwa genauso schwer wie das Nexus 4 oder das HTC One X Plus.

Die verwendeten Materialien des 134 x 67,5 Millimeter großen Gehäuses wirken zunächst hochwertig und robust. Bei stärkerem Biegen knarrt das Smartphone jedoch. Das liegt nicht nur an der Abdeckung aus rauem Plastik. Auch als sie entfernt war, gab das Gerät knarzende Geräusche ab.

Auf der Suche nach der Kerbe

Wir mussten etwas suchen, bis wir die Einkerbung fanden, mit der sich die Rückseite mit dem Fingernagel entfernen ließ. Dafür müssen das Micro-USB-Kabel und der Stecker für die Kopfhörer entfernt werden. Unter der Abdeckung verbirgt sich der auswechselbare Akku, dessen Nennwert mit 2.150 mAh und Leistung mit 8,17 Wh angegeben wird. Tatsächlich schaffte das Ascend G615 3,5 Stunden im Antutu-Akkutest etwa 15 Minuten länger als das HTC One X Plus. Bei der Videowiedergabe mit einem H.264-codierten Film mit einer Auflösung von 720p und maximaler Helligkeit hielt das Smartphone 6,5 Stunden durch.

Huawei hat seiner Android-Version Energiesparoptionen spendiert. Mit drei Optionen lässt sich die Anzahl der zu synchronisierende Prozesse steuern. Einfluss auf die Prozessorleistung haben die Optionen nicht. Die automatische Anpassung der Bildschirmhelligkeit funktioniert zuverlässig. Das gilt auch für den Lagesensor.

Nur 8 GByte Speicher

Neben dem Akku liegen unter der rückseitigen Abdeckung auch die Einschübe für die SIM-Karte und für eine Micro-SD-Karte, die eine maximale Kapazität von 32 GByte haben kann. Darüber hinaus wird die Speicherkapazität mit bescheidenen 8 GByte angegeben. Das Ascend G615 lässt sich wahlweise als Mediengerät per MTP, als Kamera per PTP oder mit der Huawei-eigenen Software Hisuite mit dem Rechner verbinden. Außerdem soll sich das Smartphone auch als USB-Massenspeicher einbinden lassen, was unter Windows 7 und Ubuntu 12.04 allerdings nicht klappte. Der Arbeitsspeicher beträgt 1 GByte.

Auf der Rückseite befinden sich auch die beiden Lautsprecher, die einen guten Stereoklang abgeben. Die Höhen fransen auch bei maximaler Lautstärke kaum aus, mangels Resonanzkörper sind die Bässe wie bei fast allen Smartphones kaum hörbar. Wird das Smartphone normal gehalten, verdeckt die Hand allerdings die Lautsprecherschlitze. Über die Kopfhörer ist der Dolby-Sound durchschnittlich.

Kamera und Betriebssystem

Das Ascend G615 hat eine 8-Megapixel-Kamera mit Autofokus und Dual-LED-Fotolicht. Ein BSI-Sensor sorgt für besser ausgeleuchtete Bilder bei schwacher Beleuchtung. Tatsächlich sind die mit der Kamera aufgenommenen Fotos größtenteils farbecht. Bei Außenaufnahmen mit schwächerer Beleuchtung haben sie jedoch einen leichten Grünstich und rauschen etwas. Um feine Details bilden sich kleine Artefakte, was bei dieser Auflösung aber nicht ungewöhnlich ist. Videos können mit 1080p aufgenommen werden. Die Frontkamera für Videotelefonie hat 1,3 Megapixel. Mit ihr können Videos in einer Auflösung von maximal 720p aufgenommen werden.

Das Ascend G615 unterstützt alle vier GSM-Bänder sowie die UMTS-Frequenzen 850, 900, 1.700, 1.900 und 2.100 MHz. HSPA+ wird mit HSDPA bis 21 MBit/s und HSUPA bis 5,76 MBit/s unterstützt. Bei Verbindungen über WLAN muss sich der Benutzer auf das 2,4-GHz-Band beschränken, das Modul funkt nach 802.11b/g/n. Bluetooth wird in der Version 3.0 HS unterstützt. Außerdem ist das Ascend G615 DLNA-fähig.

Noch Ice Cream Sandwich, später Jelly Bean

Das Ascend G615 wird mit der veralteten Android-Version 4.0 alias Ice Cream Sandwich ausgeliefert. Auf Nachfrage von Golem.de gab Huawei an, ein Update auf Android Jelly Bean sei bereits für März 2013 geplant. Auf welche Version genau, ist aber nicht bekannt. Android 4.1 verbessert gegenüber der Version 4.0 den Bedienungskomfort des Betriebssystems meist nicht unerheblich. Durch Project Butter wird die Systemgeschwindigkeit erhöht, Anwendungen laufen so deutlich flüssiger.

Huawei ist in der Vergangenheit bei Updates auf Android 4.1 alias Jelly Bean nicht gerade besonders eifrig gewesen ist. So hat Huaweis Vorzeigetablet Mediapad 10 FHD immer noch kein Update auf Jelly Bean erhalten, obwohl das Gerät bereits im Februar 2012 vorgestellt wurde. Zumindest beim Ascend G615 will Huawei dieses Manko offensichtlich beseitigen.

Im Javascript-Benchmark Octane schnitt das Ascend G615 mit 1.066 Punkten vergleichsweise schlecht ab. Hier liegen das HTC One X Plus mit 2.078 und das Galaxy S3 mit 1.862 Punkten deutlich vorne. Das könnte aber an der veralteten Android-Version und deren Standardbrowser liegen, in dem wir den Test durchgeführt haben.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Ascend G615 will Huawei für 300 Euro verkaufen. Es soll ab Anfang Februar 2013 in den Farben Schwarz und Weiß erhältlich sein. Zunächst wird es das Ascend G615 nur bei den Onlineshops Amazon, Conrad und Cyberport geben. Andere Händler werden das Gerät dann zum gleichen Preis im März 2013 ins Sortiment nehmen.

Fazit

In dem äußerlich unspannenden Smartphone stecken ein kräftiger Prozessor und eine gute GPU, die es sogar schaffen, das im Vergleich noch träge Android 4.0 ohne merkliche Ruckler anzutreiben. Auch die Kamera und der Klang lassen wenig zu wünschen übrig.

Für Huaweis Smartphone sprechen auch die gute Akkuleistung und die Tatsache, dass der Akku ausgewechselt werden kann.

Schade, dass Huawei dem Ascend G615 so wenig Speicher gönnt. Immerhin lässt sich eine Micro-SD-Karte nachrüsten, um für mehr Speicher zu sorgen. Abstriche müssen Anwender auch bei der nicht mehr ganz zeitgemäßen WLAN-Anbindung machen.

Insgesamt macht das Huawei Ascend G615 aber einen guten Eindruck. Für den Preis von 300 Euro bekommt der Käufer ein tolles Gerät. Nur das von Google subventionierte Nexus 4 schlägt in puncto Hardwareausstattung Huaweis Smartphone in dieser Preisklasse.  (jt)


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