Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/speicherdienst-rapidshare-im-schatten-von-megaupload-1301-97008.html    Veröffentlicht: 18.01.2013 16:16

Speicherdienst Rapidshare

Im Schatten von Megaupload

Kim Dotcom startet nach dem umstritten Megaupload einen neuen Internetspeicherdienst. Der Rivale Rapidshare bemüht sich derweil um Seriosität. Gar nicht so leicht, wenn der Ruf schon ruiniert ist.

Megaupload und Rapidshare standen sich früher ziemlich nahe. Zumindest in den Sätzen ihrer Gegner: Die beiden Onlinespeicherdienste seien Raubkopiermaschinen, zeterte einmal der amerikanische Verband der Musikindustrie (RIAA). Doch wenn der berühmt-berüchtigte Internetunternehmer Kim Dotcom an diesem Wochenende mit größtmöglicher Lautstärke den Nachfolger seines verbotenen Portals Megaupload vorstellt, bemüht sich Rapidshare um größtmögliche Distanz.

Die Firma, gegründet vom Deutschen Christian Schmid, galt lange als Komplize der Raubkopierer, genau wie Megaupload; als gut geölte Drehscheibe für illegale Kopien von Musik und Filmen, Computerspielen und Software. Doch diese Zeiten sind vorbei: Unter dem Druck der Öffentlichkeit und der Justiz versucht Rapidshare, die notorischen Raubkopierer zu vertreiben. Die Firma will seriös werden.

Doch das ist gar nicht so einfach. Denn das Unternehmen hat ein schwieriges Geschäftsmodell. Nutzer können auf den Servern Dateien speichern und von überall aus auf diese zugreifen. Und sie können die Inhalte über einen Link anderen zur Verfügung stellen. Der Dienst des Filehosters ist somit virtuelle Festplatte und Verteilstation zugleich.

Das ist an sich eine nützliche Sache: Nutzer können bequem ihre Dokumente und Fotos sichern, Smartphone und Tabletcomputer auf dem aktuellen Stand halten oder ein langes Urlaubsvideo verschicken. Allerdings ermöglicht die Plattform auch, illegale Kopien zu verbreiten. Eine Zeit lang war Rapidshare ein Eldorado für Nutzer, die es mit dem Bezahlen nicht so genau nehmen.

Filehosting sei grundsätzlich ein "anerkanntes Geschäftsmodell", für das es "viele legale Nutzungsmöglichkeiten" gebe, befand der Bundesgerichtshof (BGH) im Juli. Aber: Die Plattform erleichtere die Verletzung des Urheberrechts "nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch". Die Betreiber könnten deswegen für Urheberrechtsverletzungen mitverantwortlich gemacht werden.

Rapidshare-Chefin Alexandra Zwingli betont: Es gebe ein "legitimes Bedürfnis", Dateien übers Internet zu verteilen, auch an eine Vielzahl von Nutzern. "Aber ein solcher Dienst ist auch interessant für unerwünschte Kunden. In diesem Dilemma haben wir gesteckt", erklärt sie im Gespräch mit Handelsblatt Online.

"Wir sind nicht irgendeine Untergrundfirma"

Rapidshare beteuert, nicht erst seit der spektakulären Razzia bei Megaupload-Gründer Kim Dotcom verstärkt gegen illegale Kopien vorzugehen. Dafür hat das Unternehmen eine Anti-Abuse-Abteilung eingerichtet, in der 17 Mitarbeiter gegen Rechtsverstöße vorgehen. Sie löschen beanstandete Dateien, sperren notorische Raubkopierer und suchen in den einschlägigen Foren selbst nach illegalen Inhalten. Ob das ausreicht, klären mehrere deutsche Gerichte.

Außerdem hat der Speicherdienst das unbegrenzte Verteilen von Daten abgeschafft: Wer den Gratiszugang nutzt, kann pro Tag maximal 1 Gigabyte an andere weitergeben - die Verbreitung von Kinofilmen stößt damit an Grenzen. Zahlende Mitglieder dürfen 50 Gigabyte nutzen. Diese Beschränkung macht sich bemerkbar: Die Zugriffe auf die Seite sind seitdem deutlich zurückgegangen. "Wir haben bei unserer Entscheidung den möglichen Kollateralschaden in Kauf nehmen müssen, dass wir auch Kunden verlieren, die wir gern behalten hätten", sagte Zwingli.

Und nicht zuletzt bemüht sich Rapidshare um ein besseres Image. So forderte das Unternehmen seine Wettbewerber in einem Papier zu "verantwortungsvollen Geschäftspraktiken" auf, gleichsam ein Anti-Piraterie-Manifest. Und in den USA engagierte es PR-Experten, die den schlechten Ruf bei den Politikern aufbessern sollen.

"Es gibt inzwischen sehr viel weniger Meldungen von Missbrauch", betont Zwingli. Viele einschlägige Foren verzichteten mittlerweile auf Rapidshare. "Unsere Maßnahmen waren erfolgreich." Zahlen, die das belegen, veröffentlicht das Unternehmen aber nicht. Aber: "Bald tauchen wir hoffentlich gar nicht mehr auf dubiosen Websites auf. Dann sollte auch die Botschaft rüberkommen, dass wir nicht irgendeine Untergrundfirma sind."

Punkten mit dem Datenschutz

Zwingli möchte, dass Rapidshare in einer Reihe gesehen wird mit seriösen Speicherdiensten wie Dropbox oder Google Drive - und nicht mehr mit Megaupload. Zum Megaupload-Nachfolger Mega will sie sich noch nicht äußern.

"Deine sichere Cloud", lautet der Slogan auf der Rapidshare-Website. Dazu gehört auch, dass Nutzer nicht nur einzelne Dateien, sondern inzwischen auch ganze Verzeichnisse auf die Server übertragen können, ob vom PC oder Smartphone.

Allerdings begibt sich das Unternehmen in ein umkämpftes Geschäftsfeld. Der Vorreiter Dropbox hat seit der Gründung vor fünfeinhalb Jahren mehr als 250 Millionen Dollar Finanzierung erhalten und kräftig expandiert. Große IT-Konzerne wie Microsoft und Google investieren ebenfalls, weil sie die virtuellen Speicher als zentralen Bestandteil ihrer vernetzten Produkte sehen.

Es sei schwierig, sich von der Konkurrenz abzuheben, gibt Zwingli zu - die Dienste seien sich sehr ähnlich. Rapidshare habe aber einen Standortvorteil: "Viele Nutzer wollen ihre Daten keiner amerikanischen Firma anvertrauen." Das Unternehmen hat seinen Firmensitz in der Schweiz, die Server stehen in Deutschland.

Ob der Image-Wandel gelingt? Der Bundesverband Musikindustrie sieht den Speicherdienst immer noch sehr kritisch. Rapidshare ermögliche weiterhin, illegale Inhalte im Internet zu streuen, erklärte Geschäftsführer Florian Drücke auf Anfrage von Handelsblatt Online. Und an den Downloads verdiene Rapidshare über seine Premiumzugänge mit. Zudem lasse sich der Dienst weiter anonym verwenden - das sei ein "besonderer Anreiz" für die Verbreitung illegaler Inhalte.

Beim Musikverband RIAA hatte das Unternehmen dagegen bereits Erfolg: Es steht nicht mehr auf der Liste der berüchtigten Speicherdienste. Jetzt muss Rapidshare nur noch die Nutzer und Unternehmen davon überzeugen, dass der Onlinespeicher sein Geld wert ist.  (cke)


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