Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/htc-one-x-plus-im-test-htc-one-x-und-ein-bisschen-plus-1301-96988.html    Veröffentlicht: 18.01.2013 12:06

HTC One X Plus im Test

HTC One X und ein bisschen Plus

Mit dem One X Plus hat HTC sein Modell One X aufgemotzt: Prozessor, der Akku und die Frontkamera wurden verbessert. Das Smartphone läuft außerdem mit Android 4.1 und einer neuen Sense-Oberfläche. Ob diese Verbesserungen den hohen Preis rechtfertigen, zeigt unser ausführlicher Test.

Der Vorgänger des HTC One X Plus, das One X, war eines der ersten Smartphones mit einem Tegra-3-Prozessor. Das One X Plus setzt weiter auf diesen SoC, hat allerdings eine leistungsfähigere Variante. Dieser Ansatz zieht sich durch das gesamte Konzept des One X Plus - vieles wurde beibehalten, einiges verbessert.

Statt eines mit 1,5 GHz getakteten Tegra-3-Prozessors arbeitet im Inneren des One X Plus ein Tegra 3 Plus, der eine Taktung von 1,7 GHz hat. Der neue Prozessor hat die interne Kennung AP37 statt AP33. Zudem soll auch die Taktung der GPU im One X Plus erhöht sowie die Speicherzugriffe beschleunigt worden sein. Das One X Plus gibt es mit 32 und 64 GByte internem Speicher, die Größe des Arbeitsspeichers beträgt wie beim Vorgänger 1 GByte. Einen Steckplatz für Speicherkarten sucht der Nutzer auch beim One X Plus vergeblich.

Das Smartphone unterstützt Quadband-GSM sowie GPRS, Edge und UMTS auf den Frequenzen 850, 900, 1.900 und 2.100 MHz. WLAN wird nach 802.11a/b/g/n unterstützt, das Smartphone funkt also sowohl auf 2,4 als auch auf 5 GHz. Bluetooth läuft in der Version 4.0, ein NFC-Modul und ein GPS-Chip mit Kompassfunktion sind eingebaut. Das One X Plus ist zudem DLNA-fähig.

Das Display ist vom Vorgänger übernommen worden und hat eine Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln. Bei einer Bildschirmdiagonalen von 4,7 Zoll ergibt das eine Pixeldichte von 312 ppi. Das Samsung Galaxy S3 hat bei gleicher Auflösung und einem um 0,1 Zoll größeren Display eine etwas geringere Pixeldichte von 306 ppi. Das iPhone 5 erreicht 326 ppi.

Scharfes Display mit guten Farben

Der Bildschirm des One X Plus wird durch Gorilla Glass 2 von Corning geschützt. Das Display hat einen guten Kontrast und zeigt warme Farben. Verglichen mit dem Bildschirm des Samsung Galaxy S3 in dessen Standardeinstellung wirken die Farben beim One X Plus ausgewogener und natürlicher.

Durch die hohe Pixeldichte werden Bildschirminhalte scharf dargestellt, einzelne Pixel sind mit dem bloßen Auge kaum wahrnehmbar. Auch feine Details wie sehr kleine Schrift hat kaum pixelige Kanten. Obwohl sich das Display des One X Plus in dieser Hinsicht nicht sehr vom Bildschirm des Galaxy S3 unterscheidet, wirkt es insgesamt noch etwas glatter und ausgewogener.

Der Lagesensor des One X Plus arbeitet ohne nennenswerte Verzögerung. Ein weiterer Sensor regelt die automatische Helligkeit in einer angenehmen Geschwindigkeit.

Verbesserte Frontkamera für Videotelefonie

Die Frontkamera des One X Plus hat 1,6 Megapixel, die des Vorgängers One X hatte 1,3 Megapixel. Videos können mit einer Auflösung von maximal 720p aufgenommen werden.

Die Kamera auf der Rückseite hat HTC unverändert vom One X übernommen. Sie hat 8 Megapixel, Autofokus und ein LED-Fotolicht. Videos können in 1080p aufgenommen werden, während der Videoaufnahme können gleichzeitig Fotos gemacht werden. Deren Auflösung ist zwar mit 6 Megapixeln etwas reduziert, die Funktion ist dennoch für zusätzliche Schnappschüsse praktisch.

Ein BSI-Sensor soll auch bei schlechten Lichtverhältnissen ausgeglichene Bilder ermöglichen. Sollte die Umgebung einmal wirklich zu dunkel sein, passt sich der Blitz stufenweise an die Entfernung des aufzunehmenden Objektes an und verhindert so Überstrahlungen.

Die Kamera des One X Plus hat eine Serienbildfunktion, die mit einem Tastendruck bis zu 99 Aufnahmen direkt hintereinander machen kann. Durch eine Stabilisierungsfunktion werden ruckelige Videos vermieden. Schaltet der Nutzer das Smartphone in den Standby-Modus, während die Kamera läuft, wird nach dem erneuten Einschalten der Lock-Screen übergangen und direkt wieder die Kamera-App gestartet.

Kamera offenbart im Test ihre Schwächen

In unserem Fototest hat die Kamera des One X Plus schlechter abgeschnitten als die des Galaxy S3. Im Fotozelt bei Kunstlicht haben die Fotos unseres Gerätes einen leichten Blau-Magenta-Stich. Die Farbwiedergabe des Galaxy S3 ist realistischer, was an der Graukarte im Hintergrund unseres Setups erkennbar ist. Der Farbstich des One X Plus zeigt sich gut an unserem kleinen Weihnachtsmann, dessen Mantel eher pinkfarben als rot aussieht.

Unser Testbild zeigt auch, dass das One X Plus zwar mehr Details abbildet, dies aber in einer übermäßigen Schärfe resultiert und dementsprechend zu ausgefransten Rändern und Artefakten führt. Die Barthaare des Weihnachtsmanns sind beispielsweise zwar deutlich besser zu erkennen als auf den Fotos des Galaxy S3, dort treten allerdings kaum Artefakte auf. Diese Unterschiede fallen auch beim Siemens-Stern auf: Beim HTC-Smartphone ist er zwar schärfer dargestellt, dafür sind in den weißen Flächen bereits am Rand starke Artefakte erkennbar.

Auf den Fotos, die bei Neonlicht auf einem U-Bahnhof aufgenommen wurden, zeigen sich ähnliche Unterschiede. Die Bilder beider Smartphones sind verrauscht, das One X Plus bildet aber viel mehr störende Artefakte ab. Diese sind über das ganze Bild verstreut und führen an Kanten wie bei der Neonlampe ebenfalls zu starken Ausfransungen. Ein Magenta-Stich lässt die Szenerie in der Farbwiedergabe wärmer erscheinen, als sie es in der Realität ist. Die Kamera des Galaxy S3 bildet auch in dieser Situation weniger Details ab, zeigt dafür aber weniger Artefakte. Die Farben sind auch hier realistischer.

Die Tageslichtfotos des One X Plus sind von den Artefakten her besser als die Kunstlichtaufnahmen, eine Überschärfung ist aber auch hier sichtbar. Im Vergleich zum Galaxy S3 ist zudem auch hier der Farbstich zu beobachten. Die Bilder des One X Plus sind außerdem recht kontrastarm. Bei unserem Schneebild hatte die Kamera von HTC Probleme mit der korrekten Belichtungseinstellung.

Besserer Akku und Stromsparfunktionen

Der Akku des One X Plus ist besser als der des Vorgängers. Anstelle von 1.800 mAh hat der fest eingebaute Akku jetzt eine Kapazität von 2.100 mAh. Durch Energiesparfunktionen kann die Laufzeit des Smartphones zusätzlich gesteigert werden.

Wie beim Samsung Galaxy S3 beschränken sich die Energiesparoptionen beim One X Plus nicht nur auf die Abdunklung des Displays. In den Einstellungen kann der Nutzer vier Funktionen wählen, die den Stromverbrauch des Smartphones drosseln sollen. Neben der Displayhelligkeit kann die CPU-Nutzung eingeschränkt, sämtliche Vibrationsfunktionen abgeschaltet und die Datenverbindung bei ausgeschaltetem Bildschirm deaktiviert werden. Zudem kann das One X Plus den Anwender benachrichtigen, wenn Apps zusätzliche Energie verbrauchen.

Gute Akkuleistung auch bei Volllast

In unserem Test zeigte das One X Plus nach 1 Stunde und 40 Minuten unter CPU-Volllast und voller Bildschirmhelligkeit noch 50 Prozent Akkuladung an. Im Vergleich zum Vorgänger One X ist das eine Verbesserung um 40 Minuten. Nach 3 Stunden und 15 Minuten war der Akku schließlich leer. Bei einem mit H.264 codierten Film mit einer Auflösung von 720p hält das One X Plus über 3,5 Stunden durch, bis die Akkuladung auf 50 Prozent gesunken ist. Das One X schaffte hier 2,5 Stunden. Nach 6 Stunden und 45 Minuten ist der Akku des One X Plus leer.

Das One X Plus wird nicht mehr so heiß wie sein Vorgänger. Hatten wir beim One X beim Volllasttest an einer Stelle des Gehäuses Temperaturen bis knapp 50 Grad Celsius gemessen, geht die Temperatur des One X Plus laut Antutu Tester bis maximal 43,5 Grad Celsius.

Griffiges, gut verarbeitetes Gehäuse

Das Gehäuse hat HTC vom One X übernommen, die Maße sind mit 134,36 x 69,9 x 8,9 mm identisch. Das One X Plus ist aus Polycarbonat gefertigt, das sich durch eine matte Oberfläche gut anfühlt und im Vergleich zum Galaxy S3 hochwertiger wirkt.

An der Oberseite des One X Plus befinden sich die Kopfhörerbuchse, der Einschaltknopf und der Einschub für die Micro-SIM-Karte. Auf der rechten Seite ist die Lautstärkewippe angebracht, links die Micro-USB-Buchse. Die Front des Smartphones hat unterhalb des Displays drei Hardwaretasten, mit denen der Nutzer im Menü zurücknavigieren, den Startbildschirm aufrufen und die Übersicht der zuletzt genutzten Anwendungen aufrufen kann. Oberhalb des Bildschirms ist hinter der Öffnung der Hörkapsel eine kleine mehrfarbige LED versteckt, die den Nutzer bei Systemmeldungen benachrichtigt. Bei eingestecktem Netzkabel informiert die LED zudem über den Ladestand.

Auf der Rückseite befinden sich fünf kleine Kontakte, die für Zubehör wie eine Dockingstation gedacht sein könnten, sowie der Lautsprecher. Dieser scheppert bei maximaler Lautstärke sehr und gibt kaum Bässe wieder. Auch bei geringerer Lautstärke verzerren die Höhen schnell, insgesamt ist der Klang sehr dünn und blechern. Dies steht etwas im Kontrast zum Klang der Kopfhörer, der mit Beats Audio verbessert wird. Die einzelnen Frequenzen werden damit automatisch angepasst und der Raumklang erweitert. Dadurch wirken Musikstücke über Kopfhörer häufig viel detaillierter und weniger dumpf.

Das One X Plus ist sehr gut verarbeitet, es knarzt auch bei stärkerem Biegen nicht. Die Rückseite des Smartphones ist leicht gewölbt, das Display hingegen gerade. Die Kanten sind deutlicher sichtbar als beim Galaxy S3, durch die gerundete Rückseite wirkt das Smartphone insgesamt aber sehr rund und liegt gut in der Hand. Das Displayglas ist sauber in das Polycarbonatgehäuse eingelassen, der Übergang ist abgerundet und hat keine spürbare Kante.

Betriebssystem und Leistung

Das One X Plus läuft mit Android 4.1.1 alias Jelly Bean. Eine kürzlich erfolgte Aktualisierung brachte zwar kein Update auf eine neue Android-Version, soll aber einige Verbesserungen bei der Systemgeschwindigkeit bringen. Über das Android-System hat HTC seine eigene Benutzeroberfläche Sense in der Version 4 Plus installiert. Anders als bei der Vorgängerversion Sense 4, die beim One X verwendet wurde, hat HTC auf einige Grafikeffekte verzichtet. So soll die Leistung des Smartphones weniger gebremst werden.

Sense 4 Plus ist schnell, komfortabel zu bedienen und sieht gut aus. Im Vergleich zu Samsungs Touchwiz-Oberfläche mit Gingerbread-Optik gefällt uns das helle Design von Sense deutlich besser. Eine Schnelleinstellungsleiste wie bei anderen Android-Oberflächen wäre allerdings praktisch. Die Helligkeitsregulierung und andere häufig verwendete Funktionen müssen bei Sense über die Systemeinstellung oder ein separates Widget aufgerufen werden. Zudem verfügt HTCs Oberfläche nicht über Funktionen wie Multi Window oder Pop-up-Video, wie Samsung sie anbietet.

Startet der Nutzer das One X Plus zum ersten Mal, wird ihm angeboten, das Smartphone über eine HTC-Internetseite zu konfigurieren. Hier kann der Nutzer Details wie den Bildschirmhintergrund einstellen und aus einer Liste Programme auswählen, die bei der Einrichtung automatisch installiert werden. Hat der Nutzer alle Schritte auf der Website abgeschlossen, übernimmt das One X Plus die Einstellungen und lädt die Apps im Hintergrund herunter. Damit ist die Ersteinrichtung des Smartphones sehr komfortabel.

Das One X Plus läuft erwartungsgemäß gut. Das Scrollen durch die Menüs funktioniert ruckelfrei, Programme werden schnell aufgerufen. Auch bei mehreren offenen Apps wird das System nicht merklich langsamer. Der Standardbrowser läuft flüssig, im Chrome-Browser sind hingegen einige kleine Ruckler zu beobachten.

Bei der Darstellung des First-Person-Shooters Nova 3 hat das One X Plus einige Probleme. Das Spiel läuft nicht rund und stockt in einigen Situationen etwas. Auf dem Galaxy Note 2 und dem Galaxy S3 von Samsung sowie dem Tegra-3-Gerät Acer Iconia Tab A510 passiert das nicht. Ein anderes grafikintensives Spiel desselben Entwicklerstudios, der First-Person-Shooter Modern Combat 4, läuft auf dem One X Plus hingegen absolut reibungslos. Ob die ruckelige Performance letztlich ein Problem von Nova 3 oder dem One X Plus ist, können wir nicht abschließend klären.

Benchmarks

Im Gerätebenchmark mit Geekbench erreicht das One X Plus einen Wert von 1.588 Punkten. Das Samsung Galaxy S3 mit seinem Exynos 4412 mit 1,4 GHz erreicht im gleichen Test 1.777 Punkte. Dabei sind die Messwerte für den Speicher- und Floating-Point-Test bei beiden Geräten sehr ähnlich, beim Integer- und Datenstromtest liegt das Galaxy S3 trotz niedrigerer Taktrate jedoch deutlich vorne. Das Nexus 7 mit seinem 1,3-GHz-Tegra-3-Prozessor schafft 1.444 Punkte.

Im Javascript-Benchmark erreicht das One X Plus 2.078 Punkte. Das Galaxy S3 schafft hier mit 1.862 Punkten einen geringeren Wert. Hier macht sich die höhere Taktung der Kerne des One X Plus bemerkbar, da für die meisten Tests des Javascript-Benchmarks nur ein Kern verwendet wird. Im Grafikbenchmark erreicht das HTC-Smartphone 18 fps, ein durchschnittlicher Wert.

Verfügbarkeit und Fazit

Das One X Plus des taiwanischen Herstellers HTC ist seit Herbst 2012 in Deutschland erhältlich. Momentan kostet die 32-GByte-Version mit Beats-Headset im Onlinehandel ungefähr 560 Euro, für das Modell mit 64 GByte ohne Headset zahlen Käufer genauso viel.

Fazit

Das HTC One X Plus ist ein leistungsstarkes und hochwertig produziertes Smartphone mit einem gelungenen Design. Der im Vergleich zum One X stärkere Akku ermöglicht trotz Tegra-3-Prozessor mit höherer Taktzahl eine längere Akkulaufzeit. Dank der neuen Energiesparfunktionen kann die Laufzeit des Smartphones zusätzlich verlängert werden. Das One X Plus läuft auch bei mehreren aktiven Anwendungen flüssig, grafikintensive Spiele sind bis auf eine Ausnahme auch kein Problem. Die Sense-Oberfläche ist sinnvoll strukturiert, wenngleich wir eine Schnelleinstellungsleiste vermissen.

Etwas enttäuscht waren wir von der Kamera, die farbstichige, überschärfte und artefaktreiche Bilder produziert. In fast jeder unserer Testsituationen war die Kamera des Samsung Galaxy S3, unseres Vergleichssmartphones, überlegen. Einige der Zusatzfunktionen des One X Plus sind allerdings praktisch, wie beispielsweise die Möglichkeit, während einer Videoaufnahme Fotos machen zu können.

Der Bildschirm des One X Plus überzeugt durch eine scharfe Darstellung und angenehme Farben. Auch kleine Schrift ist kaum verpixelt, insgesamt macht das Display einen etwas besseren Eindruck als das des Galaxy S3.

Das One X Plus und das Samsung Galaxy S3 sind ansonsten von der Leistung und Ausstattung recht nah beieinander, auch wenn das S3 im Gerätebenchmark etwas besser abschneidet. Diese Leistungsdifferenz ist im Alltag jedoch nicht spürbar. Für viele Käufer dürfte daher letztlich der Preis kaufentscheidend sein. Ein Galaxy S3 mit 16 GByte eingebautem Speicher und Kartensteckplatz kostet momentan im Onlinehandel 425 Euro, eine schnelle Class-10-Micro-SD-Karte mit 32 GByte ungefähr 25 Euro. Der Käufer bekommt also für 450 Euro ein mit dem One X Plus vergleichbares, in einigen Bereichen sogar besseres Smartphone mit mehr Speicher.

Ohne Zweifel ist das One X Plus eine gelungene Fortsetzung des One X, das in vielen Details überzeugt und Spaß macht. Bei den gegenwärtigen Preisen wird es das HTC-Smartphone jedoch schwer haben, sich gegen andere Oberklasse-Smartphones wie das Galaxy S3 durchzusetzen.  (tk)


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