Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/raumfahrt-2015-wird-die-iss-aufgeblasen-1301-96981.html    Veröffentlicht: 17.01.2013 12:22

Raumfahrt

2015 wird die ISS aufgeblasen

Die ISS bekommt ein aufblasbares Erweiterungsmodul: 2015 wird ein Modul des US-Raumfahrtunternehmens Bigelow Aerospace für zwei Jahre an die Station angedockt.

In zwei Jahren wird die Internationale Raumstation (International Space Station, ISS) um ein aufblasbares Modul erweitert. Das haben die US-Raumfahrtbehörde National Aeronautics and Space Administration und das US-Raumfahrtunternehmen Bigelow Aerospace (BA) auf einer Konferenz in Las Vegas bekanntgegeben.

Das Bigelow Expandable Activity Module (Beam) wird aufgeblasen 3,96 Meter lang sein und einen Durchmesser von 3,04 Metern haben. Das Volumen beträgt 15,8 Kubikmeter. Es soll von der Raumfähre Dragon des US-Raumfahrtunternehmens Space Exploration Technologies (SpaceX) zur IIS gebracht werden. Die Dragon soll Beam bei ihrem achten Flug zur ISS mitnehmen, der für Mitte 2015 geplant ist. Die Nasa hat SpaceX beauftragt, zwölf Versorgungsflüge zur ISS durchzuführen. Der erste fand im Oktober 2012 statt.

Andocken an Tranquility

Wenn Dragon Beam an der ISS abgeliefert hat, übernimmt der Roboterarm Canadarm2 das Modul und wird es an das Verbindungsmodul Tranquility koppeln. Ist Beam an die IS angedockt, wird es aufgeblasen. Zwei Jahre lang soll es dort bleiben. Dann wird es abgedockt und bei Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühen.

Beam wird allerdings nicht permanent bewohnt sein. Das Projekt ist dazu gedacht, um das Konzept aufblasbarer Module im Weltall zu testen. Beam wird mit einer Reihe von Messinstrumenten ausgestattet, die festhalten sollen, wie das Modul auf die Gegebenheiten im Weltraum wie Strahlung und Temperaturunterschiede reagiert. Die ISS-Besatzung wird Beam regelmäßig aufsuchen, um die Wände auf Schäden durch Mikrometeoritenbeschuss zu überprüfen.

Mehr Schutz

Flexible Wände bieten theoretisch mehr Schutz vor den Kleinmeteoriten, da sie beim Auftreffen nachgeben und so die Energie absorbieren. Bei Tests auf der Erde blieben simulierte Mikrometeoriten, die die starren Wände der ISS durchdrungen hätten, in denen Wände eines Bigelow-Moduls hängen.

Die ISS sei ein guter Prüfstand für Beam. An Bord der Station könne die Besatzung herausfinden, wie sich diese Technik im Weltraum effektiv nutzen lasse, sagte William Gerstenmaier, der für die bemannte Raumfahrt bei der Nasa zuständig ist. "Wenn wir uns auf dem Weg zum Mars weiter in den Weltraum vorwagen, werden Lebensräume, die Langzeitaufenthalte im Weltraum ermöglichen, sehr wichtig sein."

Besser zu transportieren

Ein aufblasbares Modul bietet einige Vorteile beim Transport: Wird es zusammengelegt, nimmt es im Raumfahrzeug weniger Platz weg als eine feste Struktur - Beam wird im Transportmdous etwa ein Zehntel so groß sein wie aufgeblasen. Zudem ist seine Größe nicht durch die Größe des Transportvehikels vorgegeben - das Modul kann also aufgeblasen einen größeren Durchmesser haben als die Raumfähre, die es ins All befördert hat.

Das Konzept für Aufblasmodule stammt von der Nasa selbst: In den 1990er Jahren initiierte sie das Transhab-Projekt, dessen Ziel war, ein mehrstöckiges Aufblasmodul für die ISS zu entwickeln. Wegen zu hoher Kosten wurde Transhab aber nach wenigen Jahren wieder eingestellt.

BA kaufte Transhab

BA erwarb die Transhab-Technik 2004 und entwickelte sie weiter. 2006 und 2007 wurden die Testmodule Genesis I und Genesis II ins Weltall geschossen, um die Funktionsfähigkeit des Konzepts zu demonstrieren. Die beiden Genesis-Module waren etwas kleiner als Beam.

BA hat noch ein weiteres Modul entwickelt: BA 330 ist knapp 14 Meter lang, hat einen Durchmesser von etwa 7 Metern und wiegt etwa 20 Tonnen. In dem Modul, das ein Volumen von 330 Kubikmetern hat, sollen sechs Bewohner Platz finden.

Steckmodule

Die BA-330-Module können zusammengesteckt werden. Er wolle aus zwei solchen Modulen eine eigene Raumstation bauen, sagte Robert Bigelow, Gründer und Eigner von BA, auf der Konferenz berichtete er von einem Modul. Die Station Alpha wolle er an Länder vermieten, die kein eigenes Weltraumprogramm entwickeln wollen. Sie solle aber auch Weltraumtouristen offenstehen, berichtet die New York Times.

Preise hat Bigelow auch genannt: Ein zweimonatiger Aufenthalt auf Station Alpha soll über 26 Millionen US-Dollar kosten. Da ist der Transport, den SpaceX durchführen soll, inbegriffen. Möchte der Besucher lieber von Boeing zur Station gebracht werden, wird die Reise 10 Millionen US-Dollar teurer.  (wp)


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