Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/harvester-modulares-strahlenmesssystem-fuer-drohnen-1301-96847.html    Veröffentlicht: 10.01.2013 18:57

Harvester

Modulares Strahlenmesssystem für Drohnen

Ein fliegendes Strahlenmesssystem haben Forscher der Sandia Labs entwickelt. Es besteht aus drei Gondeln mit Sensoren, die unter den Tragflächen einer Drohne montiert werden.

Wissenschaftler der Sandia National Laboratories haben ein Strahlenmesssystem für Drohnen entwickelt. Mit dem System namens Harvester sollen Strahlenwerte in der Luft gemessen werden, ohne dabei Menschen zu gefährden.

Das System besteht aus drei Gondeln, die unter den Tragflächen eines unbemannten Flugzeugs (Unmanned Aerial Vehicle, UAV) montiert werden. In zwei Gondeln befinden sich Einrichtungen, die radioaktive Partikel aus der Luft sammeln: Durch Düsen wird Luft gepresst und die radioaktiven Partikel darin werden von Papierfiltern aufgefangen. Ein Sensor erfasst in Echtzeit, welche Partikel in welcher Anzahl gesammelt wurden. Eine weitergehende Auswertung der Proben findet später auf der Erde statt.

Strahlenquellen orten

Die dritte Gondel beherbergt den Directional Gamma Radiation Sensor (DGRS). Dieses Messgerät soll die Strahlenquelle orten. Das Bodenpersonal des Harvesters könne den Drohnenpiloten anhand der DGRS-Daten den Weg zu der Strahlenquelle zeigen, erklärt Projektleiter Joe Sanders. Beide könnten sich dabei an ganz unterschiedlichen Orten aufhalten.

Das System ist modular. Die Gondeln könnten nach Bedarf an ein geeignetes UAV angebaut werden. Das sei günstiger und flexibler, als ein bestimmtes Fluggerät dauerhaft mit der entsprechenden Ausrüstung zu versehen, sagt Sanders. Es könne gut sein, dass die US-Luftwaffe Harvester bereits ab 2014 einsetze.

Test mit Reaper

Die beiden Teilchensammler sind bereits mit einer Drohne vom Typ MQ-9 Reaper des US-Grenzschutzes getestet worden. Wie die Sandia Labs erst jetzt mitgeteilt haben, habe der Testflug auf dem Luftwaffenstützpunkt in Grand Forks im US-Bundesstaat North Dakota bereits im September 2012 stattgefunden.

Für den Test seien keine radioaktiven Isotope freigesetzt worden. Stattdessen hätten die Instrumente in ihren Filtern natürlich vorkommende Blei- und Bismut-Isotope gesammelt, die durch den Zerfall von Radon in der Atmosphäre entstünden.

Wer baute die Bomben?

Harvester solle eingesetzt werden, wenn irgendwo auf der Welt unerwartet eine Atombombe explodiere, erklärten die Sandia Labs. Dann solle das System an eine Drohne montiert werden, diese zum Ort der Explosion leiten und dort Proben in verschiedenen Höhen sammeln. Die freigesetzten Stoffe könnten Hinweis auf den Konstrukteur der Bombe liefern. Da Harvester von einem unbemannten Fluggerät transportiert werde, könne die Datensammlung durchgeführt werden, ohne dass Menschen einer Gefahr ausgesetzt würden.

Ein solcher Fall dürfte jedoch eher unwahrscheinlich sein. Die Forscher machten aber keine Angaben darüber, ob Harvester auch zu anderen, zivilen Zwecken genutzt werden kann.  (wp)


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