Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/fernsteuerung-die-bluetooth-batterie-macher-zeigen-tethercell-1301-96826.html    Veröffentlicht: 10.01.2013 12:22

Fernsteuerung

Die Bluetooth-Batterie-Macher zeigen Tethercell

Zwei ehemalige SpaceX-Mitarbeiter machen mit einer Bluetooth-Batterie zahlreiche Geräte fernsteuerbar. Golem.de hat sich auf der CES Tethercell zeigen lassen und erfahren, was die Macher als Nächstes vorhaben.

In modernen Haushalten gibt es zahlreiche Geräte, die batteriebetrieben sind, aber nicht ferngesteuert werden können. Ihnen fehlt der Netzwerkanschluss oder der WLAN-Chip, und eine Kontrollsoftware gibt es auch nicht. Die Raketentechniker Trey Madhyastha und Kellan O'Connor hatten daher die Idee, über das Batteriefach eine Art Fernsteuerung zu realisieren. Auf der CES in Las Vegas haben sie ihre Tethercell genannte Lösung vorgestellt und gezeigt, wie andere damit geärgert werden können.

Für ihre Tethercell konstruierten Madhyastha und O'Connor einen Bluetooth-Adapter im AA-Format, der eine AAA-Zelle aufnehmen kann. Per Bluetooth kann dann etwa ein Gerät zeitgesteuert an- oder abgeschaltet werden, um zum Beispiel in der Nacht Strom zu sparen. Außerdem gibt es eine Warnung bei niedrigem Batteriestand. Das ist auch für die Steuerung von unzugänglich angebrachten Geräten wie Rauchmeldern nützlich. Auch Spielzeug ohne Ausschalter steuert Tethercell, was sehr praktisch sein kann, zum Beispiel, um unseren Redaktions-Furby zum Schweigen zu bringen.

Gesteuert werden die Batterien per iPhone-App und Bluetooth 4.0. Laut Madhyastha wird derzeit die Nutzung von vier Batterien mit der App empfohlen. Die Reichweite liegt im Freien bei 100 Fuß, also bei etwa 30 Metern. Das reicht für eine Wohnung aus, wie er versichert.

Derjenige, der die Kontrolle über die Batterien hat, kann sich so einige Gemeinheiten ausdenken, Madhyastha sind bereits einige eingefallen, die er in Las Vegas vorführt. Er kann etwa die Nutzung des Controllers einer Konsole zeitlich beschränken. Das dürfte aber allenfalls mit kleinen Kindern funktionieren, die nicht wissen, wie Batterien zu tauschen sind. Naheliegender ist die Steuerung anderer batteriebetriebener Geräte, die keine Fernsteuerung besitzen, wie der an der Wand klebenden batteriebetriebenen Lampe.

Die Tethercells nutzen Bluetooth 4.0 und machen sich dabei das Low Energy Profile zunutze. Die Bluetooth-Chips schauen also nur kurz nach, ob etwas passiert und schlafen dann wieder ein. Diese kurzen Phasen reichen aus, um die Batterien zuverlässig anzusteuern, da in so kurzen Abständen die Bluetooth-Anlage aktiviert wird, dass ein Smartphone wie das iPhone dann auch die Signale schicken kann. Den Großteil der Zeit schläft der Bluetooth-Adapter. O'Connor geht davon aus, dass die AAA-Batterie mehr als ein Jahr lang den Bluetooth-Chip versorgen kann. Die Auswirkungen durch den Bluetooth-Adapter auf die Laufzeit der Elektronik sind also minimal - zumindest die direkten.

Probleme mit dem Mischen von Batterietypen werden später gelöst

Das System hat aber einen Nachteil. Durch die Mischung von einer AAA- und mehreren AA-Batterien kommt es zu unterschiedlichen Entladezuständen. Die kleine Zelle im Bluetooth-Adapter ist schneller leer als die restlichen Zellen, wie O'Connor zugibt. Das Problem ließe sich nur mit weiterer Verkleinerung der Komponenten lösen. Idealerweise sei die Elektronik etwa bereits Teil der Batterie. Sie könnte zum Beispiel im Kopf stecken und in einer Packung von Batterien würde dann eine einzelne Zelle eine Tethercell sein.

Die Nutzung von Akkus zusammen mit dem Bluetooth-Adapter soll übrigens keine Nachteile haben, jedenfalls keine zusätzlichen. Ob sich die Nutzung von Akkus lohnt, hängt letztendlich vom Gerät ab.

Der hohe Preis für die Bluetooth-Zellen liegt den Machern zufolge vor allem an der geringen Stückzahl und dem Wunsch, damit die weitere Entwicklung zu unterstützen. Zwar kosten die Komponenten zusammen nur wenige Dollar, doch aufwendige Prozesse wie das kostenintensive Tooling sowie die Arbeitszeit sind teuer. Prinzipiell designen Madhyastha und O'Connor die Tethercell so, dass diese automatisiert produziert werden kann.

Für die beiden ist die Tethercell mittlerweile vom Hobbyprojekt zum Vollzeitjob geworden. Der Tag, an dem sie die Technik vorgestellt haben, war erfolgreich. Bereits am Abend nach der Vorstellung hatten sie nach O'Connors Angaben 45 der Adapter verkauft. Insgesamt braucht Tethercell rund 60.000 US-Dollar. Das Geld wird noch bis zum 22. Februar 2013 gesammelt.

Wenn alles gutgeht, sprich die beiden genug Geld sammeln und vielleicht sogar einen weiteren Investor finden, wird Tethercell als Nächstes tatsächlich eine Batterie mit integriertem Bluetooth zur Produktreife bringen. Möglich wäre das bereits in diesem Jahr. Das sieht dann zwar auch wie ein Bausatz aus, hat aber nicht die Nachteile der jetzigen Adapterlösung. O'Connor möchte am liebsten eine 9-Volt-Batterie so konstruieren. Diese besteht ohnehin aus mehreren AAAA-Batterien, so dass ein Bausatz naheliegt. Das typische 9-Volt-Block-Gehäuse samt Bluetooth bleibt also bestehen und der Nutzer tauscht innen nur die AAAA-Batterien aus. Diese Batterien sind allerdings nicht besonders geläufig. Wir kennen die Batterien in der Praxis beispielsweise nur von Digitizern im Tablet-Einsatz.  (as)


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