Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/arm-tablets-jailbreak-fuer-windows-rt-1301-96698.html    Veröffentlicht: 07.01.2013 10:21

ARM-Tablets

Jailbreak für Windows RT

Ein Sicherheitsforscher, der sich selbst Clrokr nennt, hat einen Jailbreak für Windows RT veröffentlicht. Damit lassen sich für ARM-Prozessoren entwickelte Desktop-Applikationen auf einem Tablet mit Windows RT nutzen, was Microsoft bislang unterbindet.

Es habe länger gedauert als gedacht, aber nun sei es möglich, unsignierte Desktop-Apps unter Windows RT laufen zu lassen, schreibt der Sicherheitsforscher Clrokr in einem Blogeintrag, ohne einen Hinweis auf seine wahre Identität zu geben. Blog und auch der zugehörige Twitter-Account wurden für die Ankündigung neu eingerichtet.

Möglich macht den Jailbreak demnach eine Sicherheitslücke im Windows-Kernel, die schon seit längerer Zeit existiert und von Microsoft offenbar zusammen mit dem restlichen Windows auf ARM portiert wurde.

Tief vergraben im Kernel, in einem gehashten und signierten Bereich, der vom UEFI-Secure-Boot geschützt wird, gebe es ein Byte, das die minimale Signaturstufe angebe. Es gibt laut Clrokr an, wie eine ausführbare Datei signiert sein muss. Dabei stehen die Optionen Unsigned(0), Authenticode(4), Microsoft(8) und Windows(12) zur Verfügung. Auf x86-Systemen ist der Standardwert 0, also Unsigned. Auf ARM-Systemen mit Windows RT hingegen liegt die Standardeinstellung bei 8, also Microsoft.

Das führt dazu, dass auch Apps von Drittherstellern, die mit einem Authenticode-Zertifikat signiert wurden, auf einem Surface oder anderen Tablets mit Windows RT nicht laufen. Da es sich um einen im Kernel fest codierten Wert handelt, kann die Einstellung nicht einfach vom Nutzer geändert werden. Auf Systemen mit Secure Boot sei es überhaupt nicht möglich, diese Einstellung dauerhaft zu ändern, wohl aber temporär im Speicher, so Clrokr.

Allerdings sei es nicht einfach, dieses Byte zu finden. Ihm sei das aber mit WinDbg und einem Rechner, auf dem Windows 8 Pro läuft, gelungen, während er Prozesse startete und beobachte, wie sich das System dabei verhält.

Da es mit Microsofts Remote-Debugger möglich sei, den CSRSS-Prozess eines Nutzers zu manipulieren, lasse sich mit einigen Tricks der Wert des besagten Bytes auf einen anderen Wert setzen. Dadurch wird es möglich, unsignierte Desktop-Apps auch unter Windows RT auszuführen, vorausgesetzt, sie wurden für ARM-Prozessoren kompiliert.

Da Windows RT das nicht von Hause aus unterstützt, sei das eine reine Marketing-Entscheidung, so Clrokr. Das passt durchaus zu Microsofts Argumentation, denn das Unternehmen begründete die Einschränkungen von Windows RT lediglich damit, dass herkömmliche Desktop-Apps zu viel Akkuleistung benötigen würden, da sie die mit Windows 8 eingeführten Stromsparfunktionen nicht beherrschen.

Clrokr fordert Microsoft auf, die starre Haltung in Sachen Windows RT aufzugeben und RT-Tablets dadurch deutlich nützlicher für Käufer zu machen.  (ji)


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