Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/urlaubstours-unister-raeumt-datenschwachstelle-bei-flugbuchungen-ein-1301-96678.html    Veröffentlicht: 04.01.2013 17:16

Urlaubstours

Unister räumt Datenschwachstelle bei Flugbuchungen ein

Unisters Urlaubstours behauptet, nach einer Datenpanne "Produkte mit Ryanair-Flügen vom Markt genommen" zu haben. Doch Ryanair kooperiert gar nicht offiziell mit Unister und wehrt sich gerichtlich gegen dessen Buchungen in seinen Systemen.

Die Unister-Gesellschaft Urlaubstours räumt Probleme bei der Datensicherheit ihrer Buchungen von Ryanair-Flügen ein. "Der Reiseveranstalter Urlaubstours hat Produkte mit Ryanair-Flügen vom Markt genommen, unmittelbar nachdem man informiert wurde, dass es ein Datenproblem geben könnte. Die Schwachstelle ist mittlerweile überwiegend sowohl für bestehende Buchungen, als auch für Neubuchungen behoben und soll im Laufe des Freitags, dem 4. Januar, komplett behoben sein", erklärte Urlaubstours.

Computer Bild hatte zuvor berichtet, dass die Namen und Flugrouten von Tausenden Passagieren, die über Urlaubstours eine Reise bei Ryanair gebucht hätten, im Internet eingesehen und manipuliert werden könnten.

Ryanair bietet seinen Kunden ein Login zu ihrem Konto über ihre registrierte E-Mail-Adresse und eine Reservierungsnummer an. Laut Computer Bild bucht Urlaubstours aber "offenbar für Tausende seiner Kunden Flüge bei Ryanair über jeweils dieselbe E-Mail-Adresse". So seien über diese eine E-Mail-Adresse zusammen mit einem beliebigen gültigen Reservierungscode Buchungen von über 4.700 Menschen online einseh- und veränderbar, berichtete Computer Bild weiter.

Ryanair-Sprecher Stephen McNamara erklärte Computer Bild, Urlaubstours agiere sowieso ohne Einwilligung der Fluglinie: Die Unister-Tochter buche tausendfach Reisen zum Ryanair-Preis und biete sie dann als eine Art Vermittler über Urlaubstours teurer an. Da alles über die eine Mail-Adresse für Reservierungen von Urlaubstours laufe, sei die Kommunikation mit dem Kunden für Ryanair fast unmöglich.

Auf Anfrage von Golem.de sagte Ryanair-Sprecherin Henrike Schmidt, dass die Fluglinie Unister wegen dieser Drittbuchungen verklagen werde. "Es ist kein Leck auf unserer Seite. Solche Buchungen sollten gar nicht erst zustande kommen; darum gehen wir gerichtlich dagegen vor. Wir kooperieren nicht mit Reisebüros oder Drittanbietern. Die erhalten von uns kein Kontingent. Dieser dritte Weg fällt bei uns offiziell komplett weg", erklärte Schmidt. Unister verwende eine E-Mail-Adresse und gebe diese auch noch an die Kunden weiter.

Computer Bild kritisiert auch Ryanair

Doch Computer Bild kritisiert auch Ryanair: "Dass die Abwicklung und Einsicht all dieser Buchungen unter einer einzigen E-Mail-Adresse überhaupt möglich ist, spricht nicht für die Qualitätssicherung bei der Airline."

Zum Fall Ryanair erklärte Urlaubstours: "Einsehbar waren im Reservierungssystem von Ryanair wenige Daten für Reisende, die bei Urlaubstours in einem bestimmten Zeitraum eine Ryanair-Reise gebucht hatten. Falsch sind Medienberichte, wonach alle Daten von allen einsehbar gewesen wären. Betroffen war nur eine geringe Anzahl an Buchungen für einen kurzen Zeitraum."

Tui, der größte Touristikkonzern Europas, hatte die Verträge mit dem Leipziger Unternehmen Unister im Dezember 2012 fristlos gekündigt. Laut Tui-Sprecher Mario Köpers ist der Grund, dass Unister im Verdacht der Steuerhinterziehung steht. Unister soll Versicherungsprodukte illegal vertrieben haben, ohne Versicherungssteuer zu entrichten. Nach eigenen Angaben hat Unister für die Produkte Umsatzsteuer bezahlt, nicht aber Versicherungssteuer. Der Steuerschaden soll ein Volumen von rund 1 Million Euro haben. Mit den staatsanwaltlichen Ermittlungen sei "nun das Maß voll", so Köpers. Eine Zusammenarbeit mit einem solchen Anbieter komme für Tui nicht länger infrage, sagte Köpers.

Der Chef der Unister-Gruppe Thomas Wagner (34) wolle seinen Posten räumen. Tatsächlich ist Wagner aber bislang von keinem Posten zurückgetreten. Vielmehr hat er nur angeboten und angekündigt, von dem Posten des Geschäftsführers der Unister Holding GmbH sowie der Unister GmbH zurückzutreten. Die Banken haben dies zur Kenntnis genommen und begrüßt.

Das Magazin Computer Bild hatte in einem früheren Enthüllungsbericht bereits umfangreiche Vorwürfe gegen Unister erhoben, die das Unternehmen juristisch zu unterbinden versuchte. So behauptete Computer Bild unter anderem: "Unister kassiert oder kassierte mit frei erfundenen Preisreduzierungen, heimlich aufgeschlagenen Servicegeldern, Klickfallen bei Urlaubsbuchungen und weiteren Schwindeleien." Durchgestrichene Altpreise gaukelten Sonderangebote vor, die frei erfunden seien. Bei Fluege.de sei ein Umbuchungsservice für 5 bis 15 Euro voreingestellt. Bei der Reiseschutzversicherung müsse der Kunde zum Verzicht extra ein Häkchen setzen. Wer dies nicht tue, erhalte ein Reiseschutzabo, das sich im Folgejahr automatisch zu deutlich höheren Kosten verlängere.

Zu Unister gehören Flugbuchungsseiten wie Fluege.de und Billigfluege.de, die Onlinereisebüros Ab-in-den-Urlaub.de und Reisen.de, das Serviceportal Preisvergleich.de oder die Datingseite Partnersuche.de. Unister ist zudem an Flug24.de über die Travel24 AG beteiligt und übernimmt für Billigfluege.de das Service-Fulfillment.

Nachtrag vom 14. März 2013, 15:39 Uhr

Die ursprüngliche Darstellung, "Unister soll Versicherungsprodukte illegal vertrieben haben, ohne Steuern dafür zu zahlen.", war missverständlich. Gemeint war, Unister hat keine Versicherungssteuer entrichtet. Nach eigenen Angaben hat Unister für die Produkte Umsatzsteuer bezahlt, nicht aber Versicherungssteuer.

Nachtrag vom 14. März 2013, 16:29 Uhr

Ursprünglich hatten wir in diesem Artikel die Darstellung der Leipziger Volkszeitung wiedergegeben, Thomas Wagner sei auf Druck von Banken zurückgetreten, nachdem diese mit der Kündigung von Krediten über 28 Millionen Euro gedroht hatten. Das stimmt nicht, der Artikel wurde entsprechend geändert.  (asa)


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