Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/wikileaks-assange-droht-der-welt-in-weihnachtsansprache-1212-96512.html    Veröffentlicht: 21.12.2012 12:07

Wikileaks

Assange droht der Welt in Weihnachtsansprache

Im Jahr 2013 will Wikileaks eine Million Dokumente veröffentlichen, die jedes Land der Welt betreffen sollen. Das sagte Mitbegründer Julian Assange in einer Rede in der ecuadorianischen Botschaft in London.

Der Zeitpunkt dürfte nicht zufällig gewählt gewesen sein - vier Tage vor Weihnachten und einen Tag vor dem vermeintlichen Weltuntergang am 21. Dezember 2012 hat Julian Assange in der Botschaft von Ecuador in London eine Rede gehalten. Wieder wählte er dafür den kleinen Balkon des Gebäudes.

Als Grund für den Termin nannte Assange zunächst, dass er seit sechs Monaten in der diplomatischen Vertretung sei, was nicht ganz stimmt: Wegen der drohenden Auslieferung an Schweden, wo er wegen mutmaßlicher Sexualdelikte befragt werden soll, flüchtete der Australier am 19. Juni 2012 in die Botschaft, nicht am 20. Juni. Seine Rede hielt Assange aber am Abend des 20. Dezember 2012.

Die Botschaft sei inzwischen für ihn "Zuhause, Büro und Zuflucht" geworden, sagte der Mitbegründer von Wikileaks. Dort könne er ungehindert kommunizieren, was für andere Aktivisten nicht gelte. Assange nannte dabei namentlich unter anderem den schwedischen Gründer der Pirate Bay, Godfried Svartholm, und den US-Soldaten Bradley Manning, der als Hauptquelle vieler Wikileaks-Veröffentlichungen gilt. Beide Männer befinden sich in Haft.

Das will Assange für sich selbst noch immer verhindern, er befürchtet, von Schweden aus in die USA ausgeliefert zu werden, wo es bereits eine Anklage gegen ihn geben soll. Die britischen Behörden wollen ihn beim Verlassen der Botschaft sofort verhaften. Daher, so Assange, sei er offen für jedes Gespräch, das mit ihm in der Vertretung geführt werden solle.

In seiner rund zehnminütigen Rede fasste Assange die Erfolge seiner Organisation im Jahr 2012 zusammen und sagte auch, die Veröffentlichungen von Wikileaks hätten zur "Entfaltung des Krieges in Syrien" beigetragen. Dabei wich er von dem online veröffentlichten Manuskript mehrfach ab, dort ist nur von "Ereignissen in Syrien" die Rede. Tatsächlich sprach Assange aber von Krieg, wie das vom russischen Sender RT festgehaltene Video der Ansprache bei Youtube belegt.

Rund eine Million Dokumente habe Wikileaks 2012 veröffentlicht, sagte Assange, und noch einmal so viele sollten es 2013 werden. Welche Inhalte die Unterlagen haben werden, ließ der Australier dabei völlig offen. Er betonte jedoch mit zweifacher Wiederholung der Aussage, die Veröffentlichungen würden "jedes Land der Welt" betreffen. Eine ähnliche Ankündigung hatte Assange bereits Ende 2010 gemacht, als er versprach, Unterlagen einer US-Großbank vorzulegen. Das ist bisher nicht passiert.

Auch seine Pläne, mit einer Wikileaks-Partei in seinem Heimatland Australien ins Parlament einzuziehen, deutete Assange kurz an. Auf dem fünften Kontinent werde bald ein nicht gewählter Senator durch einen ersetzt werden, der gewählt sei, sagte Julian Assange.  (nie)


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