Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/100-mbit-s-telekom-will-mit-vectoring-nur-glasfaserfirmen-behindern-1212-96498.html    Veröffentlicht: 20.12.2012 17:36

100 MBit/s

"Telekom will mit Vectoring nur Glasfaserfirmen behindern"

Die im Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) zusammengeschlossenen Unternehmen sehen im Vorstoß der Deutschen Telekom für 100 MBit/s per Vectoring über Kupferleitungen einen Trick, um den Glasfaserausbau zu behindern.

Der Breko, zu dem Telefónica, Versatel und viele lokale Festnetzbetreiber gehören, hat sich gegen den Antrag der Deutschen Telekom für den Einsatz von Vectoring bei der Bundesnetzagentur gewandt: "Vordergründig geht es der Telekom um die Einführung von Vectoring. In Wahrheit will die Telekom aber unter dem Deckmantel einer innovativen Technologie den an Dynamik stark zunehmenden Glasfaserausbau der Wettbewerber massiv behindern."

"Ich bin sehr enttäuscht. Noch im NGA-Forum hat die Telekom sich eindeutig für Kooperation beim Einsatz von Vectoring ausgesprochen. Der Regulierungsantrag spricht jedoch eine ganz andere Sprache: Hier geht es der Telekom eindeutig um Remonopolisierung", sagte Breko-Präsident Ralf Kleint. Da der Konzern faktisch ein jederzeit auszuübendes Zugriffsrecht auf die Kabelverzweiger beanspruche, wäre für weitere Investitionen der Wettbewerber keine ausreichende Sicherheit mehr gegeben.

Technisch ist beim VDSL2-Vectoring das Entbündeln der Teilnehmeranschlussleitung (TAL) am Kabelverzweiger nicht mehr möglich. Die Telekom verlangte deshalb zuerst eine Änderung der Regulierungsbestimmungen, die bisher für den Wettbewerb galten. In ihrem Antrag an die Bundesnetzagentur hatte die Telekom einen Bestandsschutz für Schaltkästen angeboten, die Wettbewerber bereits mit eigenen Leitungen erschlossen haben und zugesagt, dass die Wettbewerber "über den Bestandsschutz hinaus auch neue Kabelverzweiger erschließen können. Grundvoraussetzung ist allerdings, dass die Wettbewerber ebenfalls einen offenen Netzzugang ermöglichen".

Der Breko beharrt darauf, dass die Anträge darauf ausgerichtet seien, den für den Netzausbau der Wettbewerber so wichtigen entbündelten Zugang zum Kabelverzweiger drastisch einzuschränken.

Nachtrag vom 20. Dezember 2012, 18:11 Uhr

Telekom-Sprecher Philipp Blank sagte Golem.de: "Die Vorwürfe des Breko sind Unsinn. Unser Antrag zielt vor allem auch auf die bessere Versorgung ländlicher Gebiete ab. Wir gewähren Bestandsschutz für die Investitionen der Wettbewerber und sie können ebenfalls mit Vectoring ausbauen. Im Übrigen haben die Wettbewerberverbände ja betont, dass es aus ihrer Sicht nahezu keine Überschneidungen in den Ausbaugebieten geben sollte. Falls doch, schlagen wir als Lösung vor, dass derjenige ausbauen darf, der für einen großflächigeren Ausbau im Ortsnetz und offene Netzzugänge sorgt. Das greift die Breitbandstrategie der Bundesregierung auf und verhindert eine Art Rosinenpicken, bei dem nur lukrative Ortsteile berücksichtigt würden."  (asa)


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