Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/nachruf-joseph-woodland-erfand-den-barcode-am-strand-1212-96343.html    Veröffentlicht: 13.12.2012 12:03

Nachruf

Joseph Woodland erfand den Barcode am Strand

N. Joseph Woodland ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Er gilt als Erfinder des Barcodes und hat die Fahrstuhlmusik verbessert. Den ersten Entwurf der heute allgegenwärtigen Strichcodes malte er in den Sand. Es dauerte fast 25 Jahre, bis ein handlicher Scanner hinzukam.

Norman Joseph Woodland, Erfinder des Strichcodes, ist im Alter von 91 Jahren in seinem Haus in Edgewater im US-Bundesstaat New Jersey gestorben. 2011 wurde er in die National Inventors Hall of Fame aufgenommen, zusammen mit seinem bereits 1963 verstorbenen Kollegen Bernard Silver, mit dem er Ende der 1940er Jahre die Strichcodes ersann. Erst mit der Entwicklung handlicher Laserscanner Anfang der 1970er Jahre kam Woodlands Erfindung im Alltag zum Einsatz.

Im Zweiten Weltkrieg arbeitete Woodland am Manhattan-Projekt in einem Labor im US-Bundesstaat Tennessee. 1947 nahm er sein Studium wieder auf und verbesserte als Student zunächst die Fahrstuhlmusik, indem er 15 verschiedene Musikstücke auf 35-mm-Film bannte. Bis dahin wurde die Musik von Schallplatten oder Tonbändern abgespielt, die damals noch oft mühselig gewechselt werden mussten.

Fahrstuhlmusik von der Mafia

Sein Vater verbot ihm die kommerzielle Weiterentwicklung seiner Idee, wie Woodland 1999 in einem Interview mit dem Smithsonian Magazine erzählte, aus dem die New York Times in ihrem Nachruf zitiert. "Fahrstuhlmusik wird von der Mafia kontrolliert, und mein Sohn wird damit nichts zu tun haben", soll der väterliche Rat damals gelautet haben.

Woodland studierte weiter an der Drexel University in Philadelphia (damals Drexel Institute of Technology). Dort tauchte ein Supermarktmanager auf und bat darum, Produktdaten effizienter zu erfassen und zu verwalten. Sein Kommilitone Silver griff die Idee auf und wandte sich an Woodland. Erste Versuche mit fluoreszierenden Farbstoffen und einer Abtastung mit ultraviolettem Licht scheiterten jedoch.

Striche im Sand

Bei einem Besuch bei seinen Großeltern am Strand in Florida malte Woodland Morsezeichen in den Sand, die er als Pfadfinder gelernt hatte. Dann zog er die Zeichen nach unten in die Länge: Der Barcode war erfunden. In Kombination mit einer der ersten Tonfilmmethoden namens Phonofilm von Lee de Forest aus den 1920ern sollten die unterschiedlichen Balkengrößen von einer Lichtquelle abgetastet und dann ausgewertet werden.

Zunächst gab es davon zwei Versionen: einmal in der heute gebräuchlichen rechteckigen Form und einmal in Kreisform - das sogenannte Bullseye. 1952 erhielten Woodland und Smith dafür ein Patent.

Darbende Erfindung

Allerdings gab es damals kaum Möglichkeiten, den Barcode auch abzutasten, entsprechende Geräte mit 500-Watt-Glühbirnen waren viel zu sperrig. Das Patent verkauften die beiden Erfinder später für 15.000 US-Dollar an das Unternehmen Philco und dann an RCA. Doch auch dort konnte der Barcode nicht genutzt werden. Das Patent lief 1969 aus.

Inzwischen heuerte Woodland bei IBM an, wo er bis zu seiner Pension 1987 arbeitete. Sein IBM-Kollege George J. Laurer entwickelte Anfang der 1970er Jahre die heute weitgehend verbreitete rechteckige Form des Barcodes, die Kreisform konnte sich wegen Abtastungsfehlern nicht durchsetzen.

Späte Ehrung

Erst 1973 wurde das erste Produkt mit einem Barcode von einem Laserscanner an der Kasse erfasst: eine Zehnerpackung Juicy-Fruit-Kaugummi.

1992 erhielt Woodland die Auszeichnung National Medal of Technology and Innovation. Im gleichen Jahr wurde auch Bill Gates mit der Medaille geehrt.

Woodland hinterlässt eine Frau, zwei Töchter und eine Enkelin.  (jt)


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