Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/skynet-botnetz-wird-via-tor-netzwerk-per-irc-gesteuert-1212-96261.html    Veröffentlicht: 10.12.2012 18:29

Skynet

Botnetz wird via Tor-Netzwerk per IRC gesteuert

Der Betreiber des Botnetzes Skynet hat sich eine neue Methode zum Schutz vor Strafverfolgung ausgedacht: Der Kontrollserver ist nur per Tor-Netz erreichbar. Geklaut wird die Rechenzeit der Clients zum Errechnen von Bitcoins.

Schon seit einigen Monaten ist das Skynet genannte Botnetz bekannt, nun gibt es von Security Street eine umfassende Analyse der Schadsoftware, ihres Verbreitungswegs und der angestrebten Ziele. Zuvor hatte schon GData auf den Schädling hingewiesen und seine Besonderheit im Umgang mit dem Tor-Netzwerk erklärt.

Denn in diesem Geflecht aus anonym miteinander kommunizierenden Rechnern versteckt sich auch der Kontrollserver des Botnetzes, der sogenannte C&C - genauer: Der C&C ist nur durch Tor hindurch erreichbar. Weder der Benutzer des Kontrollservers noch ein infizierter PC hat jemals eine direkte und unverschlüsselte Verbindung zum C&C. Das macht das Aufspüren und Bekämpfen des Kontrollservers schwierig. Sowohl kommerzielle Sicherheitsunternehmen als auch Ermittler von Behörden versuchen zur Analyse von Botnetzen oft, die C&Cs unter ihre Kontrolle zu bringen und so an die Hintermänner zu gelangen.

Der Betreiber von Skynet fühlt sich mit seiner Konstruktion offenbar recht sicher, denn schon seit Monaten gibt es von ihm einen Thread bei Reddit, in dem er seine Aktivitäten beschreibt. Viele der dortigen Angaben konnte Security Street nun bestätigen und auch noch einige Details beisteuern.

Zeus, Tor und Bitcoin-Miner werden installiert

So ist der zugrundeliegende Trojaner zwar eine Modifikation des bekannten Programms Zeus. In den mit 15 MByte großen Malware-Archiven stecken aber auch noch ein Tor-Client für Windows, das Programm CGMiner zum Errechnen der virtuellen Währung Bitcoin sowie die OpenCL.dll, die CGMiner braucht, um die Bitcoins auf CPUs und GPUs errechnen zu können.

Denn das ist das Ziel des gesamten Botnets: fremde Computer dazu zu missbrauchen, die Bitcoins zu errechnen. Der mutmaßliche Betreiber von Skynet erklärt das auf Reddit auch offen und betont, dass er die Bitcoins nicht direkt in Geld verwandele, sondern nur weiterverkaufe. Das, so seine Meinung, sei in vielen Ländern gar nicht strafbar - wie das Kompromittieren und Benutzen fremder Rechner in Deutschland geahndet werden kann, spielt für den Skynet-Chef offenbar keine Rolle.

Verbreitungsweg Usenet

Auch der Weg der Verbreitung des Pakets ist ungewöhnlich, denn laut Security Street wurde die Skynet-Malware vor allem im Usenet gefunden. Dieses Urgestein der Internetkultur mit seinen Newsgroups ist in den vergangenen Jahren vor allem zu einem Verteilsystem für Schwarzkopien aller Art geworden, was von kommerziellen Zugangsanbietern mit schnellen Downloadmöglichkeiten längst zu einem Geschäft geworden ist.

Um Tor für seine Zwecke nutzen zu können, bedient sich Skynet der Hidden Services, die einige klassische Internetprotokolle durch das Anonymisierungsnetz schleusen können. Ein solcher ist der Internet Relay Chat IRC, mit dem auch die C&Cs von Zeus-Botnets gesteuert werden können. Neben dem Bitcoin-Mining beherrscht der Trojaner auch die üblichen Funktionen eines Botnetzes wie DDoS-Angriffe.

Zombies aus den Niederlanden und Deutschland

Durch einen solchen Angriff mit Skynet konnte Security Street auch die Größe des Botnets und dessen vermuteten Ursprung abschätzen: 12.000 bis 15.000 kompromittierte Rechner sollen es sein, die vor allem in den Niederlanden und in Deutschland stehen. Dazu erhielten die Forscher die IP-Adressen der an der DDoS-Attacke beteiligten Rechner von dem Unternehmen, das angegriffen wurde. Zu beachten ist, dass sich die Clients des Botnetzes nicht hinter Tor verstecken, sondern nur der C&C - sonst würden sie bei einem DDoS-Angriff kaum Wirkung entfalten und vor allem Tor selbst schädigen.

Die Sicherheitsanalysten ziehen aus den Erfahrungen mit Skynet zwei Lehren: Zum einen sei Tor nicht nur nützlich für anonyme Kommunikation, sondern auch ein brauchbares Werkzeug für Cyberkriminelle. Zum anderen seien Schwarzkopien immer noch ein ziemlich sicherer Weg, sich Malware einzufangen. Komplizierte Methoden wie Sicherheitslücken in Browsern oder Plugins sind gar nicht unbedingt nötig, um ein funktionierendes Botnetz aufzubauen.  (nie)


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