Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/wave-glider-roboter-schwimmt-autonom-nach-australien-1212-96185.html    Veröffentlicht: 06.12.2012 12:19

Wave Glider

Roboter schwimmt autonom nach Australien

Der erste der vier Wave Glider, die autonom den Pazifik überqueren, hat sein Ziel Australien erreicht. Der Schwimmroboter hat für die rund 16.700 Kilometer lange Strecke etwas mehr als ein Jahr gebraucht.

Zum ersten Mal hat ein Schwimmroboter autonom den Pazifik überquert: Der Wave Glider Papa Mau hat die Ostküste Australiens erreicht. Er brauchte für die Strecke, die er in zwei Etappen zurückgelegt hat, etwas mehr als ein Jahr.

Pacific Crossing (PacX) heißt das Projekt, das US-Unternehmen Liquid Robotics 2011 initiiert hatte: Vier Roboter vom Typ Wave Glider starteten am 17. November 2011 in San Francisco Richtung Westen. Zuerst ging es nach Hawaii, wo sie im März 2012 eintrafen.

Nach einer Pause, die zu einer technischen Überprüfung der Roboter genutzt wurde, stachen die vier Wave Glider wieder in See, jetzt auf getrennten Routen: Zwei nahmen Kurs auf Australien, die anderen beiden auf Japan.

Erster am Ziel

Papa Mau war der erste Roboter, der an seinem Ziel angekommen ist. Auf der Reise habe der Roboter Stürme abgewettert und Haiattacken widerstanden. Er habe das Great Barrier Reef umfahren und sei schließlich auf dem East Australian Current nach Hervey Bay bei Bundaberg im Bundesstaat Queensland gesurft. Das geplante Ziel war Brisbane, das der Roboter um etwa 300 Kilometer verfehlte.

Während Papa Mau die Reise gemeistert hat, hat der Pazifik seinen Kollegen zugesetzt: Benjamin, der zweite Roboter auf der Australien-Route, musste wegen eines Schadens an seinem Solarpanel einen Umweg über Samoa machen, wo er repariert wurde. Er steht jetzt noch ein ganzes Stück östlich von Australien und wird voraussichtlich Anfang 2013 Land erreichen.

Von den beiden anderen Robotern ist derzeit nur einer, Piccard Maru, im Einsatz, und auch der hat Probleme mit der Mechanik. Der zweite, Fontaine Maru, musste wegen technischer Probleme am 24. November von einem Schiff geborgen und zurück nach Hawaii transportiert werden, wo er repariert wird.

Der Wave Glider besteht aus zwei Teilen: einem etwa 2 Meter x 60 Zentimeter großen Floß, das an der Wasseroberfläche schwimmt, und einer knapp 2 Meter langen und 40 Zentimeter breiten Antriebseinheit. Sie ist unter Wasser und mit dem Floß über eine etwa 7 Meter lange Leine verbunden. Sie ähnelt einem Schlitten, an dem sechs etwa 1 Meter breite Flügel befestigt sind.

Antrieb Welle

Fährt der Wave Glider eine Welle hinauf, klappt die hintere Seite der Flügel nach unten. Gleitet er von der Welle herab, klappt sie nach oben. Auf diese Weise erzeugen die Flügel den Vortrieb für den Schwimmroboter. Besonders schnell ist das indes nicht: Die Geschwindigkeit, mit der ein Wave Glider über den Ozean dümpelt, liegt bei 0,4 bis 2 Knoten, 0,74 bis 3,7 Kilometer pro Stunde. Allerdings sind die Roboter sturmtauglich: Ein Wave Glider hat kürzlich sogar auf dem Atlantik dem Wirbelsturm Sandy getrotzt.

Auf dem Floß sind die Steuerelektronik, das GPS zur Navigation, Sensoren sowie eine Funkeinheit für den Kontakt mit dem Land untergebracht. Die Oberseite ist mit Solarzellen ausgelegt, die die Elektronik mit Strom versorgen. Akkus sorgen dafür, dass auch nachts oder bei bewölktem Himmel Energie zur Verfügung steht.

Ein Ziel des Projekts war, einen Langstreckenrekord für Schwimmroboter aufzustellen. Den hatten die Wave Glider schon in Hawaii aufgestellt: Bis dorthin waren es über 3.200 Seemeilen, mehr als 5.900 Kilometer. Zuvor lag der Rekord für einen Schwimmroboter bei etwa 2.500 Seemeilen, rund 4.630 Kilometern. Papa Mau hat 9.000 Seemeilen, 16.668 Kilometer geschafft.

Daten aus dem Meer

Allerdings ging es bei der PacX nicht nur um eine Rekordjagd: Die Roboter sammeln laufend Daten aus dem Meer, etwa über die Wasserqualität, Temperatur, den Sauerstoff- und den Salzgehalt, die Höhe der Wellen oder den Wind. Nie zuvor seien über einen so langen Zeitraum so hochaufgelöste Daten auf dem Meer gesammelt worden, erklärt Liquid Robotics. Die Daten, die die Wave Glider sammeln, sollen unter anderem für ein besseres Verständnis des Klimawandels sorgen sowie eine bessere Vorhersage des Wetters, vor allem von Wirbelstürmen, ermöglichen.

Papa Mau hat unter anderem am Äquator über eine Strecke von 1.200 Meilen die Blüte von Phytoplankton vermessen. Bislang ist die Blüte des pflanzlichen Planktons, das den Anfang der Nahrungskette im Wasser bildet, nur von Satelliten aus dem Weltall beobachtet worden.

Die Daten hat Liquid Robotics Wissenschaftlern und anderen interessierten Nutzern kostenlos zur Verfügung gestellt. Das Unternehmen hatte zudem zusammen mit dem Energieunternehmen BP einen Wettbewerb, die PacX Challenge, ausgeschrieben. Die beiden Unternehmen haben 50.000 US-Dollar als Preisgeld für Konzepte ausgelobt, wie die Daten auf eine besonders interessante, produktive oder innovative Weise genutzt werden können.  (wp)


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