Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/leistungsschutzrecht-springer-vergleicht-google-mit-den-taliban-1212-96172.html    Veröffentlicht: 05.12.2012 18:48

Leistungsschutzrecht

Axel-Springer-Verlag vergleicht Google mit Taliban

Christoph Keese wirbt weiter für das umstrittene Leistungsschutzrecht. Google sei ein Gegner des Fortschritts und biete mit Robots.txt Steinzeittechnologie an, hat er Horizont.net erklärt.

"Google ist eine Art Taliban und wehrt sich gegen jede Art von Fortschritt." Das hat Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer beim Axel-Springer-Verlag und wahrscheinlich Verfasser des Gesetzentwurfs zum Leistungsschutzrechts, im Interview mit der Marketing-Branchenzeitung Horizont.net gesagt.

Aggregatoren wie Google News brächten zwar Traffic, aber längst nicht jeder, der dort Zusammenfassungen lese, klicke sich auf die Originalseiten durch. Viele, die es eilig hätten, blieben auf Google News. Keese: "Google News ist ein gewaltiger Traffic-Magnet für Google. Von dort aus lockt das Unternehmen die User geschickt in die unzähligen Angebote der 'Company Town'." Die Verlage bekämen so Traffic und könnten diesen auch monetarisieren. Aber bei den Aggregatoren fiele "eine höhere Wertschöpfung an". Vor Sperrungen hatte Keese Google bereits gewarnt.

Wenn die Medienkonzerne die Aggregatoren mit Robots.txt sperrten, werde das Angebot bei jeder Suchmaschine und jedem Aggregator unsichtbar. "An oder aus für alle und alles - das ist die einzige Wahl, die einem Robots.txt lässt. Diese Technologie stammt aus der Steinzeit des Webs. Sie ist hoffnungslos veraltet und in keiner Weise mehr zukunftstauglich", sagte der Manager. Seit langem nötig sei eine maschinenlesbare Rechte-Sprache, die differenzierte Nutzungsbedingungen ausdrücken könne.

Keese sagte nichts zu den Folgen des Leistungsschutzrechts für die Internetnutzer: Die Jugendverbände von CDU, SPD, FDP, Grünen und Piraten sahen dagegen in einer gemeinsamen Erklärung in dem Entwurf einen Eingriff in die freiheitliche Architektur des Internets, der nicht hinnehmbar sei. Sie forderten alle im Deutschen Bundestag vertretenen Fraktionen auf, dem Gesetzentwurf nicht zuzustimmen.  (asa)


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