Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/softwarelizenz-viele-projekte-auf-github-proprietaer-1212-96130.html    Veröffentlicht: 04.12.2012 16:12

Softwarelizenz

Viele Projekte auf Github proprietär

Einer Analyse zufolge sind etwa die Hälfte der auf Github gehosteten Projekte proprietär. Die Github-Betreiber forcieren dies sogar, berichtet Infoworld.

Die Hostingplattform Github ist für freie Software sehr beliebt, da das kollaborative Arbeiten an Projekten durch die Github-Dienste vereinfacht wird. Doch wie Infoworld berichtet, enthält etwa die Hälfte der Projekte auf Github keine ausreichenden Informationen zur gewählten Lizenz. Damit ist der entsprechende Code aber nach geltendem Recht proprietär und kann nicht sicher geforkt und weiterverwendet werden, was Github jedoch besonders einfach ermöglichen soll.

Der Analyse zufolge enthalten weitere 30 Prozent "eine Art Lizenzinformation im Quellcode" und bei nur einem Fünftel der Software sind die Lizenzbedingungen unmissverständlich in einer separaten Datei festgelegt.

Lizenzauswahl zu schwierig?

Gegenüber Infoworld bestätigen die Betreiber von Github, dass das so gewollt sei. Code ohne gesonderte Lizenzangabe sei standardmäßig proprietär. Darüber hinaus hätten die Gründer von Github auf die zwingende Angabe einer Lizenz verzichtet, um Popularität zu gewinnen. Die Wahl einer Lizenz sei eine unnötig hohe Einstiegshürde.

Viele Entwickler bedenken mögliche Komplikationen, die aus dem Fehlen einer Lizenz erwachsen können, dadurch aber nicht. So darf etwa Code, der aus einem Pull-Request übernommen wird, jedoch keiner freien Lizenz unterliegt, nicht weiterverbreitet und auch nicht verändert werden. Sollte das doch geschehen, könnten unerwartete rechtliche Konsequenzen auftreten.

Post Open Source Software

Diese Einstellung vor allem junger Programmierer bezeichnet Redmonk-Gründer James Governor in einem Tweet als "POSS". "Post Open Source Software, scheiß auf Lizenz und Satzung, pack es auf Github."

Damit sich das nicht durchsetzt, bedarf es allen voran an Aufklärung unter den Nutzern von Github. Die Betreiber der Plattform selbst könnten durch eine einfache Lizenzauswahl beim Erstellen neuer Projekte dafür sorgen. Dies sei aber nur eine Option, die "eines Tages" umgesetzt werden könnte, um Github zu verbessern, gibt das Betreiberunternehmen an.

Ändert sich an der Situation nichts, profitieren wohl nur Anwälte, wie Luis Villa kommentiert. Nicht ernst gemeint schließt er: "Unterstütze deinen Open-Source-Anwalt jetzt - veröffentliche Quellcode ohne Lizenz!".  (sg)


Verwandte Artikel:
Patenttrolle: Personalweb klagt gegen Rackspace, Github und Apple   
(19.09.2012 16:11, http://www.golem.de/news/patenttrolle-personalweb-klagt-gegen-rackspace-github-und-apple-1209-94667.html)
Javascript: jQuery verzichtet auf GPL   
(13.09.2012 15:59, http://www.golem.de/news/javascript-jquery-verzichtet-auf-gpl-1209-94543.html)
Bundesgit: Ein Git-Repository für deutsche Gesetze   
(08.08.2012 11:06, http://www.golem.de/news/bundesgit-ein-git-repository-fuer-deutsche-gesetze-1208-93709.html)
Copyleft-Lizenzen: Fontana arbeitet an GPLv3-Nachfolger   
(11.07.2012 12:25, http://www.golem.de/news/copyleft-lizenzen-fontana-arbeitet-an-gplv3-nachfolger-1207-93123.html)
Quellcode Prince of Persia: Dachbodenfund auf Github   
(17.04.2012 12:43, http://www.golem.de/news/quellcode-prince-of-persia-dachbodenfund-auf-github-1204-91216.html)

© 2014 by Golem.de