Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/test-spiele-fuer-nintendo-wii-u-zombies-meuchelmoerder-und-bekloppte-hasen-1212-96116.html    Veröffentlicht: 04.12.2012 14:00

Test Spiele für Nintendo Wii U

Zombies, Meuchelmörder und bekloppte Hasen

Assassin's Creed 3, Batman Arkham City und Zombi U: Gleichzeitig mit der Wii U sind eine ganze Reihe von Spielen für Nintendos neue Konsole erschienen. Golem.de hat einen Blick auf die Starttitel geworfen. Und darauf, welche Ideen auf dem Touchpad-Controller funktionieren - und welche nicht.

Seit dem 30. November 2012 ist die Nintendo Wii U in Deutschland erhältlich.

Gleichzeitig mit der Konsole haben Anbieter wie Ubisoft, THQ und Warner Bros. eine ganze Reihe von Spielen veröffentlicht. Darunter befinden sich Neuentwicklungen wie Zombi U, aber auch Umsetzungen wie Assassin's Creed 3 und Batman Arkham City. In den nächsten Tagen stellen wir auf Golem.de eine zweite Übersicht mit weiteren Testtiteln online.

Zombi U

Nicht nur mit familienfreundlichen Titeln, sondern auch mit Spielen für Erwachsene will Nintendo Käufer für die WiiU gewinnen. Prominentester Vertreter dieser Riege ist wohl das exklusiv verfügbare Zombi U - ein Survival-Spiel, angesiedelt im von Untoten überlaufenen London. In bester Walking-Dead-Manier gilt es, in U-Bahn-Tunneln und den düsteren Straßen der Großstadt so lange wie möglich zu überleben, Zombies niederzuknüppeln oder zu erschießen, und die Ursache für die Seuche ausfindig zu machen.

Eine mysteriöse Stimme gibt immer wieder Tipps und weist den Weg, was aber nicht vor häufigem Ableben schützt. Oft dauert es einige Zeit, bis wieder mal ein Zombie auftaucht; statt pausenloser Action wird hier auf angespannte Atmosphäre gesetzt wie in frühen Resident Evil. Dieser erste Zombie kann dann auch schon wieder der letzte sein. Ein misslungener Schuss genügt, und das Spiel lässt den Spieler nach dem Ableben in eine neue Person schlüpfen: Das wichtige Inventar bleibt bei den Zombies und Spieler müssen es sich beim letzten Sterbepunkt vom eigenen Ex-Leichnam zurückholen. Gelingt das nicht, ist es futsch.

Da es sich um eine Wii-U-Eigenentwicklung handelt, ist auch die Nutzung des Gamepads interessanter gelöst als in vielen anderen Titeln. So dient das Touchpad unter anderem zum Verwalten des Inventars - Opfer werden nach Brauchbarem durchsucht, die nützlichen Gegenstände dann im Rucksack verstaut. Das Touchpad zeigt aber auch eine Übersichtskarte, bedient die immer wieder schnell unter schwacher Batterie leidende Taschenlampe, lässt per Radar relevante Positionen aufleuchten oder kann zum Scannen der Umgebung eingesetzt werden.

Auch wenn an einigen Stellen noch Potenzial verschenkt wurde und das Spiel technisch eher wie ein Wii-Spiel in 720p aussieht - wer klassischen Survival Horror mag und auch vor dem hohen Schwierigkeitsgrad nicht zurückschreckt, kann hier zahlreiche spannende und unterhaltsame Stunden im verseuchten London verbringen. Zumal der Touchpad-Einsatz nicht aufgesetzt, sondern nach etwas Einarbeitungszeit stimmig ins Spiel integriert wirkt. Auch die Mehrspielermodi für zwei Mitspieler haben uns beim Ausprobieren viel Freude bereitet.
Ubisoft, USK ab 18 Jahren, rund 70 Euro

Family Party 30 Great Games

Während Nintendo Land und Rabbids Land gelungene Beispiele für Minispielsammlungen darstellen, die auch die neuen Fähigkeiten der Konsole nutzen, ist Family Party 30 Great Games ein Paradebeispiel für einen lieblosen Billigmix, der mit vielversprechendem Namen einfach nur darauf schielt, zufällig im Weihnachtskorb der Oma für den Enkel zu landen - was vom Enkel mit Frust und strafendem Blick quittiert werden dürfte.

Von den 30 Spielen ist nämlich kein einziges "great", sondern eines schlimmer und billiger als das andere. Egal, ob mit dem Stylus Meteoriten zerstört, Elfmeter geschossen, Karten aufgedeckt oder durch Neigen des Pads über eine Brücke balanciert werden soll: Es sieht alles unterdurchschnittlich aus, ist katastrophal ausbalanciert und spielerisch anspruchsloser als ein zehn Jahre altes Handyspiel. Finger weg ist da die einzig logische Konsequenz.
Namco Bandai, USK ab 6 Jahren, rund 45 Euro

Darksiders 2 und Batman

Riesige Welten erkunden, Dungeons besuchen, Rätsel lösen und natürlich zahllose Kämpfe überstehen: Darksiders 2 ist auf Playstation 3 und Xbox 360 ein Actionrollenspiel der besonders gelungenen Art. Auch auf Wii U können Spieler nun in die Rolle des apokalyptischen Reiters "Tod" schlüpfen. Das Spiel hat in den letzten Monaten natürlich inhaltlich kaum Qualität eingebüßt und ist immer noch rundum empfehlenswert, zumal die Wii-U-Version inklusive der auf anderen Plattformen erst später veröffentlichten Downloadinhalte ausgeliefert wird.

An dieser Stelle soll es allerdings nur um die technischen Unterschiede der WiiU-Fassung gehen - und die sind marginal. So sieht das Spiel minimal besser aus als auf anderen Konsolen, aber auch deren Ruckler und Flimmerfehler haben es auf die Nintendo-Konsole geschafft. Die Möglichkeit, das Spiel nicht nur auf dem TV, sondern auch vollständig auf dem Gamepad auszugeben, ist nett, aber kaum kaufentscheidend.

Die sonstige Nutzung des Wii-U-Pads ist unspektakulär. Neben der Darstellung einer Übersichtskarte und der nun komfortableren Verwaltung von Inventar und Charakter via Touchscreen gibt es kaum nennenswerte Unterschiede. Darksiders 2 bleibt somit ein hervorragendes Spiel, das auf der Wii U allerdings nicht weiter an Qualität gewinnt.
THQ, USK ab 16 Jahren, rund 40 Euro

Batman: Arkham City: Armoured Edition

Seit über einem Jahr schon darf sich Batman in Arkham City auf anderen Plattformen mit Superschurken wie dem Pinguin und dem Joker herumschlagen und sich fast nach Lust und Laune in einer düsteren Sandbox-Gefängnisstadt austoben. Auf der Wii U ist das Ganze unter dem Dritt-Titel Armoured Edition inhaltlich identisch erhältlich, angereichert nur um alle bisher veröffentlichten Downloadinhalte. Der Fledermausheld kann hier aber deutlich bequemer und stilsicherer auf seine Gadgets zurückgreifen.

Die Entwickler haben das Wii-U-Pad zum wichtigsten Teil von Batmans Ausrüstung gemacht: Über das Eingabegerät meldet er sich per Fingerabdruck-Scan an, empfängt Funksprüche, analysiert seine Umgebung, kontrolliert und zoomt die Übersichtskarte, zündet Sprengkörper und vieles mehr; es fühlt sich tatsächlich so an, als wäre das Gamepad selbst ein mächtiges Gadget zum Retten der Stadt.

Leider kämpft auch Batman mit kleinen technischen Problemen. Die deutlich sichtbaren Ruckler trüben den Spielspaß zwar nur marginal, sind aber trotzdem ärgerlich. Insgesamt präsentiert sich Arkham City trotzdem als einer der besten Wii-U-Launch-Titel, weil das Gameplay mit dem neuen Pad zwar nicht revolutioniert, aber sehr stimmig und fesselnd ergänzt wurde.
Warner Bros., USK ab 16, rund 60 Euro

Assassin's Creed 3 und Rabbids Land

In Assassin's Creed 3 kämpfen Spieler schon auf Windows-PC, Xbox 360 und Playstation 3 im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und decken dabei düstere Geheimnisse der Geschichte auf. Auch auf der Wii U bleibt der Titel ein echtes Highlight - allerdings haben die Entwickler nicht viel getan, um die Nintendo-Variante von den bisherigen Versionen unterscheidbar zu machen.

Zwar ist es auch hier wieder möglich, das komplette Spiel am Touchscreen des Pads zu erleben; auch eine Anzeige der Karte ist auf dem Pad möglich, ebenso wie das (allerdings eher umständliche) Wechseln der Waffen per Touchscreen. Zu guter Letzt lassen sich noch die Bildschirmanzeigen auf den Touchscreen auslagern, um das TV-Bild frei von störenden Elementen zu lassen - allesamt nette, aber kaum spielentscheidende Veränderungen.

Optisch ist der Titel den Xbox-360- und PS3-Versionen in etwa ebenbürtig - leider auch, was das gelegentliche Ruckeln angeht. Assassin's Creed 3 bleibt somit ein sehr gutes Spiel, nutzt die Möglichkeiten der neuen Konsole aber nur in Ansätzen.
Ubisoft, USK ab 16, rund 70 Euro

Rabbids Land

Die bekloppten Minispiel-Hasen von Ubisoft haben diesmal einen Vergnügungspark gekapert und richten da das gewohnte Chaos an. Spielerisch ergibt das in Rabbids Land ein virtuelles Brettspiel in der Art von Mario Party, in dem vier Spieler (wahlweise menschlich oder KI-gesteuert) der Reihe nach würfeln und dann etwa eine kuriose Quizfrage beantworten müssen, Opfer eines Ereignisses werden oder ihr Glück in einem der gewohnt abgedrehten Minispiele versuchen.

Die Minispiele, die auch nach und nach zum direkten Anwählen freigeschaltet werden, bieten den bekannten Mix aus abgedrehtem Humor und witzigen Ideen, wobei das Wii-U-Pad oft smart einbezogen wird. Da müssen mal Pinguine durch Pusten ins Mikrofon vom Eis gefegt werden, dann gilt es, den bewegungssensitiven Controller wie ein Lenkrad zu halten und zu Discomusik brennenden Kugeln auszuweichen. Oder aber es wird in bester DS-Manier mit dem Stylus ein Karussell gedreht, auf dem nicht angeschnallte Passagiere sitzen. Wer sie nicht schnell genug per Antippen festschnallt, darf mitansehen, wie sie wild durch die Luft geschleudert werden.

Versüßt wird das Ganze durch masochistisch-witzige, sich aber schnell wiederholende Animationen und äußerst knuffige Gesichtsausdrücke. Die Ladezeiten sind teils erheblich, zudem ist der Spielspaß alleine nicht ansatzweise so groß wie mit menschlichen Mitspielern. Trotzdem überzeugt Rabbids Land - wer Freunde zu Besuch hat und die Wii-U-Fertigkeiten demonstrieren will, findet hier eine äußerst unterhaltsame Möglichkeit dazu.
Ubisoft, USK ab 0 Jahren, rund 50 Euro

Just Dance 4, Your Shape Fitness 2013 und Tank! Tank! Tank!

Die erfolgreiche Tanzspielreihe Just Dance 4 lädt auch auf Wii U jetzt zum Ausführen von Dancefloor-Moves vor der heimischen Konsole. Als Kaufgrund führt Ubisoft unter anderem drei exklusive Songs an, etwa "Domino" von Jessie J, und einige neue, nur mit Wii-U-Gamepad ausführbare Aktionen.

Das Spiel selbst unterscheidet sich zunächst kaum von der Wii-Version; zum Spielen ist also auch eine Wiimote vonnöten, was Sinn hat - mit dem großen Wii-U-Touchpad ließe sich kaum elegant und schnell vor dem Fernseher tanzen. Das grundsätzliche Gameplay ist somit gewohnt gut, die neuen Funktionen sind aber kaum der Rede wert. Während eine Person tanzt, kann sich eine zweite nun den Songtext auf dem Wii-U-Pad anzeigen lassen und in Karaoke-Manier laut lossingen.

Neu ist zudem das "Light Painting": Wer das Wii-U-Pad hält, kann mit dem Stylus kleine Strichfiguren malen und die dann auch auf dem TV-Schirm ausgeben, was aber mehr der Bekämpfung von Langeweile beim nichttanzenden Spieler dient als irgendeine inhaltliche Auswirkung hat. Immerhin: Wird der TV gerade anderweitig benötigt, können Spieler auch hier das komplette Spiel auf dem Touchpad ausgeben und dann davor tanzen. Insgesamt bleibt Just Dance 4 ein sehr gutes Tanzspiel - das das neue Gamepad aber nur ansatzweise nutzt.
Ubisoft, USK ab 0 Jahren, rund 50 Euro

Your Shape Fitness Evolved 2013

Was für Just Dance 4 gilt, lässt sich fast komplett auch auf Your Shape Fitness Evolved 2013 übertragen. Das gewohnt gute Fitnessprogramm mit seinem Mix aus Tanz- und Sportübungen setzt ebenfalls auf die Nutzung der Wiimote, da mit dem großen Wii-U-Pad sportliches Herumhüpfen eher schwierig ist. Immerhin: Das Zusammenstellen von Trainingsplänen, die Auswahl der nächsten Übungen und das Überwachen des eigenen Fitnessprofils sind per Touchscreen deutlich komfortabler. Zudem wird die Kamera des Pads gleich zu Beginn genutzt, um dem Profil ein eigenes Foto zu verpassen.

Werden dann aber die eigentlichen Übungen ausgeführt, dient das Touchpad vor allem zur Anzeige verbrannter Kalorien und der noch verbleibenden Zeit der jeweiligen Übung. Insgesamt also eine solide Umsetzung, die dem Touchpad zumindest ansatzweise die Funktionen des persönlichen Fitness-Coaches überträgt.
Ubisoft, ab 0 Jahren, rund 45 Euro

Tank! Tank! Tank!

Zur Kategorie der lieblosen Schnellschüsse zählt leider auch Tank! Tank! Tank! Das einfache Spielprinzip ist Segen und Fluch zugleich: Im Grunde geht es nur darum, einen Panzer zu steuern, kontinuierlich Gegner abzuschießen und selbst nicht zu viele Treffer einzustecken. Das sorgt zwar für schnelle Zugänglichkeit. Was in der Spielhalle funktioniert, bringt an der Konsole aber leider nur kurzen Spielspaß.

Zwar gibt es einen rudimentären Storymodus, in dem die Kampfpiloten nach und nach auf unterschiedliche Roboterspinnen, Drachen und anderes böses Getier losgelassen werden. Dem Konzept fehlt aber trotz Power-ups jeglicher Tiefgang - es wird immer dasselbe gemacht, was spätestens ab der dritten Mission Langeweile aufkommen lässt. Etwas besser sieht es im Multiplayermodus aus - hier macht es länger Spaß, kooperativ oder im Deathmatch in den Panzerkrieg zu ziehen.

Motivationshaltende Maßnahmen sind aber auch hier Fehlanzeige; in Kombination mit der sehr rudimentären Technik ergibt das ein Spiel, das als günstiger Downloadtitel vielleicht seine Berechtigung hätte, mit gut 40 Euro für die Handelsversion aber vollkommen überteuert ist.
Namco Bandai, USK ab 12 Jahren, rund 40 Euro  (tw)


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