Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/uniscon-fuer-die-sealed-cloud-schalten-wir-apples-icloud-ab-1212-96069.html    Veröffentlicht: 18.12.2012 14:49

Uniscon

"Für die Sealed Cloud schalten wir Apples iCloud ab"

Um die Daten in der Cloud wirklich vor fremdem Zugriff zu sichern, hat sich Uniscon für seine Sealed Cloud einiges einfallen lassen. Eine neue App ermöglicht den Zugriff darauf vom Rechner aus, aber die iCloud Apples muss deaktiviert werden.

Bei der Sealed Cloud der Firma Uniscon, die im Rahmen der Trusted-Cloud-Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums gefördert wird, soll das Prinzip gelten: "Nur der Eigentümer der Daten hat Zugriff auf seine Daten." Der Betreiber des Rechenzentrums und seine Mitarbeiter werden mit recht aufwendigen technischen Mitteln vom Zugriff ausgeschlossen. Weiter sind an dem Konsortitum Sealed Cloud das Fraunhofer Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit (AISEC) und das Unternehmen Securenet beteiligt.

Eine neue IDGard-App, die das Arbeiten mit der Sealed Cloud von Android und iOS aus ermöglicht, erscheint im Dezember 2012. Um dabei die Sicherheit nicht zu unterlaufen, werden iCloud-Zugriffe abgeschaltet.

Bereits üblich ist es, Daten von Cloud-Applikationen beim Transport per SSL-Verschlüsselung mit 2.048 Bit Schlüssellänge zu schützen. Daten in der Datenbank und im Storage-System werden von Cloud-Betreibern mit höherem Sicherheitsanspruch zusätzlich verschlüsselt. Gängige technische Lösungen verschlüsseln die Daten in der Datenbank oder im Storage-System auf Blockebene mit einem oder einer geringen Zahl systemweit gültiger Schlüssel, die dann in Schlüsselspeichern liegen.

Die Sealed Cloud generiert einen nutzerindividuellen Schlüssel aus den Login-Informationen wie Nutzername, Passwort und gegebenenfalls weiteren Daten während des Anmeldevorgangs mit einem speziellen Algorithmus. Mit diesem Schlüssel werden die Anwendungsdaten gefunden, entschlüsselt und in den Hauptspeicher geladen. Nach dem Abmelden werden die Daten wieder verschlüsselt und gespeichert. Der nutzerindividuelle Schlüssel wird anschließend zerstört. Uniscon-Chef Ralf Rieken sagte Golem.de: "In der Datenbank für n Nutzer existieren somit n verschiedene Nutzerdatensätze, die jeweils individuell nach AES256 verschlüsselt sind. Da die Schlüssel nicht im System existieren, ist die Zugangshürde für interne und externe Angreifer außerordentlich hoch. Ein Angreifer müsste den AES256 knacken, und dies jeweils separat für jeden Nutzerdatensatz."

Damit verbleibt der Hauptspeicher der Server als potenzielles Ziel für Angriffe von innen, denn die Daten sind während einer aktiven Session dort in Klarschrift vorhanden: Ein Administrator könnte beispielsweise einen Memory Dump ziehen.

Im Sealed-Cloud-System sollen die Server deshalb zusätzlich geschützt werden: Alle Applikationsserver befinden sich in elektromechanisch versiegelten Rack-Systemen. Die Server beinhalten nur flüchtige Speicher, die sich nach der Stromabschaltung im Lieferzustand befinden. Das verwendete Betriebssystem sperrt zudem alle externen Zugänge.

Wartung soll hochsicher sein

Das System meldet zwar Statusinformationen nach außen, es akzeptiert jedoch keine administrativen Anweisungen von außen. Für jegliche Administration muss das jeweilige Segment eines Serverschranks geöffnet werden.

Für einen administrativen Vorgang muss der Beschäftigte auf sein Bluetooth-Gerät eine "Work Order" mit einem gültigen Zugangstoken erhalten. Über die Bluetooth-Schnittstelle fordert dieser vom System den Zugang zu einem Schranksegment an. Der Sealed-Cloud-Controller schließt daraufhin die in diesem Segment laufenden aktiven Sessions, fährt die Server herunter und stellt sie stromlos. Nach einer Wartezeit von etwa 15 Sekunden öffnet der Controller die Schrankverriegelung.

Die Anwendungsserver sollen dann keinerlei Daten mehr enthalten, da sie nur über flüchtige Speicher verfügen.

Im Rechenzentrum kein Zugriff auf unverschlüsselte Daten

Nach der Wartung wird das Segment wieder verriegelt und die Server fahren wieder hoch. Beim Hochfahren wird der startende Softwarestack verifiziert, indem das System nach eventuellen Abweichungen von der freigegebenen, zertifizierten Software sowohl im Betriebssystem als auch im Anwendungsteil sucht. "Erkannte Abweichungen führen zum sofortigen Abschalten des Segments, da eine Manipulation vermutet wird. Nach dem erfolgreichen Hochlauf wird das System im Betrieb kontinuierlich bezüglich Abweichungen vom definierten Normalverhalten überwacht. Auch hier führen Abweichungen zu Alarmen und zum Abschalten der betroffenen Segmente. Die Kombination der beschriebenen Maßnahmen stellt sicher, dass im Rechenzentrum kein Zugriff auf unverschlüsselte Daten erfolgen kann", sagte Rieken.

So soll sicherer Dokumentenaustausch über versiegelte Privacy Boxes integriert in Microsoft Outlook möglich werden. Versiegelte "Team Work Spaces" bietet Uniscon mit dem IDGard-Dienst in einer öffentlichen Cloud für firmenübergreifende Teams. Dazu kommen Passwortspeicher in der Cloud, Account-Aggregation für Single-Click-Sign-on zu Cloud- und Webapplikationen und anonymes Surfen durch Vereinheitlichung des digitalen Fingerabdrucks des Browsers.

Für den Schutz gegen Angriffe von außen verwendet der Betreiber in der Sealed-Cloud-SSL/TLS-AES-128-Bit-Verschlüsselung für Kommunikationsverbindungen eine Hardware-Firewall mit Port-Filterung, ein netzwerkbasiertes und ein hostbasiertes Intrusion Detection System, Monitoring-Agenten, Alarmierung und einen selbst gehärteten Linux-Kernel und -Distribution.  (asa)


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