Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/bradley-manning-ich-werde-in-diesem-kaefig-sterben-1211-96065.html    Veröffentlicht: 30.11.2012 15:18

Bradley Manning

"Ich werde in diesem Käfig sterben"

Bradley Manning hat in der Isolationshaft gefürchtet, nicht mehr lebend aus der Zelle herauszukommen. Das sagte der mutmaßliche Wikileaks-Informant bei einer Voranhörung auf Fragen seines Anwalts.

Der mutmaßliche Informant der Enthüllungsplattform Wikileaks, Bradley Manning, hat sich in einer Voranhörung zu den Bedingungen der Untersuchungshaft geäußert. Der Gerichtstermin, bei dem der 24-jährige US-Soldat auf die Fragen seines Anwalts David Coombs antwortete, fand in Fort Meade im US-Bundesstaat Maryland statt.

Er habe gedacht: "Ich bin in diesem Käfig eingesperrt, ich werde hier sterben." Reporter bei Gericht erklärten laut BBC, dass Manning von den Folgen der Isolationshaft gezeichnet sei. Während der Aussage wirkte er nervös, schwankte auf seinem Stuhl hin und her und stotterte. Er wurde im Mai 2010 in Bagdad verhaftet. Bevor Manning nach Quantico (Virginia) gebracht wurde, verbrachte er Wochen in Camp Arifjan in Kuwait.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf der US-Regierung unmenschliche Behandlung Mannings vor und forderte die Lockerung der äußerst strengen Haftbedingungen. Er musste laut Amnesty International neun Monate lang 23 Stunden täglich in seiner Einzelzelle verbringen, unterlag Schlafbeschränkungen und wurde alle fünf Minuten von einem Wächter angesprochen. Seine Haftbedingungen "verletzen die Verpflichtungen der USA, Häftlinge menschlich zu behandeln", sagte Susan Lee, Direktorin des Amerika-Programms im Internationalen Sekretariat von Amnesty International in London, im Januar 2011.

"Ich hatte so ziemlich aufgegeben"

Er könne Tag und Nacht nicht mehr unterscheiden. Wärter wollen in seiner Zelle eine Schlinge gefunden haben, doch Manning gab an, sich nicht daran erinnern zu können, sie geknüpft zu haben. Es räumte aber ein, während der Zeit Suizidgedanken gehabt zu haben. "Ich hatte so ziemlich aufgegeben. Meine Welt war zusammengebrochen", sagte er.

Während des Gerichtstermins protestierte die Bradley Manning Support Group vor dem Gebäude. Manning hatte Anfang November 2012 den Verrat von Geheimnissen eingeräumt.

Manning habe nicht autorisierte Software verwendet, um sich Verschlusssachen von Regierungscomputern zu verschaffen, und diese an den Feind weitergegeben, heißt es in der Anklage. Bei dem Material geht es um eine halbe Million Dokumente plus zwei Videos, die Kriegsprotokolle zu Irak und Afghanistan und die Depeschen der US-Diplomatie enthalten. In Bildern und Videos wurden Morde an Zivilisten und andere Übergriffe wie Folter im Irak und in Afghanistan durch das US-Militär und andere dokumentiert.  (asa)


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