Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/fsf-nutzen-der-vlc-relizenzierung-zweifelhaft-1211-96064.html    Veröffentlicht: 30.11.2012 14:25

FSF

Nutzen der VLC-Relizenzierung zweifelhaft

Die meisten der Kernbibliotheken des VLC-Players stehen nun unter der LGPL statt wie bisher unter der GPL. Die Free Software Foundation bezweifelt, dass der Schritt dem Projekt wirklich hilft.

Vor über einem Jahr haben die meisten der VLC-Entwickler dafür gestimmt, für die Kernbibliotheken von der bis dahin genutzten Lizenz GPLv2 auf die LGPL 2.1 zu wechseln. Seit wenigen Wochen sind auch die meisten der Abspielmodule relizenziert. Die Free Software Foundation (FSF) bezweifelt jedoch, dass dieser Schritt dem Projekt irgendwie hilft.

Der FSF zufolge gäbe es zwar durchaus Gründe, die für den Einsatz der LGPL statt der GPL sprächen, etwa eine sehr starke proprietäre Konkurrenz. Diese Gründe seien aber beim VLC-Player nicht gegeben, denn für viele Nutzer proprietärer Systeme ist der VLC-Player der Standard zur Medienwiedergabe und "hilft damit, die Werte freier Software zu vermitteln", schreibt Bradley Kuhn für die FSF.

Zudem sei die Pressemitteilung über die wirklichen Gründe zum Lizenzwechsel sehr vage formuliert. Es wurde oft vermutet, dass das Videolan-Team die Relizenzierung anstrebt, damit der VLC-Player über Appstores vertrieben werden kann, da diese GPL-Software meist verbieten.

Die LGPL erlaubt zwar die Verwendung der Software in einem proprietären Produkt, nach Meinung der FSF besteht das Problem mit den Appstores jedoch weiterhin. Denn auch die LGPL stehe im Widerspruch zu Apples Bedingungen oder jenen von Googles Play Store. Es sei unmöglich, die Bedingungen der Unternehmen zu erfüllen und gleichzeitig eine Copyleft-Lizenz zu verwenden.

Darüber hinaus sollte es nach Meinung der FSF nicht im Interesse der Entwickler liegen, ihre Software kompatibel zu den Bedingungen der Appstores zu machen. Vielmehr sollten die Entwickler derartige Bedingungen bekämpfen. Denn die Bedingungen zeigten, dass die Unternehmen aktiv gegen freie Software vorgehen.

Die FSF erkennt aber auch die Leistung an, die nötig war, um die Lizenz zu ändern. Denn dies sei eines der wenigen Beispiele, die bewiesen, dass eine Lizenzänderung möglich ist, auch wenn sich sehr viele Entwickler das Urheberrecht teilen.  (sg)


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