Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/macbook-pro-13-retina-im-test-das-kleine-mit-dem-high-res-display-1211-95964.html    Veröffentlicht: 29.11.2012 12:07

Macbook Pro 13 Retina im Test

Das Kleine mit dem High-Res-Display

Apple hat jetzt auch eine kleine Version des Macbook Pro Retina auf den Markt gebracht. Auch sie ist teuer, doch fehlen ihr zwei Kerne und die dedizierte Grafik. Golem.de hat getestet, wie gut die schwache Grafikeinheit mit einem 13-Zoll-Display mit 2.560 x 1.600 Pixeln funktioniert.

Apple hat das zweite Macbook mit dem sogenannten Retina-Display auf den Markt gebracht. Die von uns hier getestete 13-Zoll-Variante des Macbook Pro Retina ist vor allem für portables Arbeiten besser. Es wiegt nur 1,6 kg, muss aber auf einige Besonderheiten des 15-Zoll-Macbooks verzichten. So gibt es weder einen Quadcore-Prozessor noch dedizierte Grafik. Mitte Juni 2012 hat Apple sein erstes Notebook mit sehr hoher Displayauflösung auf den Markt gebracht. Das von uns getestete Macbook Pro 15 Retina zeigte, wie die Auflösung genutzt wird, um ein besonders scharfes Schriftbild zu ermöglichen und gleichzeitig verschiedene virtuelle Auflösungen mit minimalen Qualitätseinbußen anzubieten. Displayoptionen braucht es so nicht mehr. Bisher fehlten die dem 13-Zoll-Macbook-Pro ohnehin, so dass ein Macbook Air eine höhere Auflösung als das Pro-Modell bot.

Im Inneren unseres Testmusters steckt ein Core i5-3210M mit zwei Kernen à 2,5 bis 3,1 GHz. Der Intel-Prozessor gehört der 35-Watt-Klasse an. Das kleinere Notebook muss also 10 Watt weniger Kühlleistung beherrschen als das 15-Zoll-Pendant. 8 GByte RAM und eine 128-GByte-SSD gehören zur Standardausstattung. Unser Testmuster hat eine 256 GByte fassende SSD.

Als Grafikeinheit muss Intels HD 4000 alle Arbeiten erledigen, die mit der Bildausgabe zu tun haben. Beim großen Modell konnte bei Spielen immerhin Nvidias Grafikchip übernehmen, der deutlich leistungsfähiger als Intels Grafik ist. Unser Testmuster hat diese Möglichkeit also nicht. Dafür wird die integrierte Grafikeinheit von Intel nicht so stark gefordert, schließlich müssen statt 2.880 x 1.800 Pixeln des 15-Zoll-Modells beim Macbook Pro 13 Retina nur 2.560 x 1600 Pixel angesteuert werden.

Im Zweifelsfall muss das Notebook aber bis zu drei Bildschirme ansteuern, was für die einfache Intel-Grafik durchaus eine Herausforderung sein kann. Wir haben testweise zwei Thunderbolt-Displays und das interne Display angeschlossen, was auch der Intel-Chip beherrscht. Es funktioniert dank der zwei Thunderbolt-Anschlüsse gut und führt nicht zu nennenswerten Rucklern. Ideal ist die Bildrate allerdings auch nicht.

13-Zoll-Notebook mit vier virtuellen Auflösungen

Wie schon das 15-Zoll-Modell kann auch das 13-Zoll-Retina-Macbook unterschiedliche Auflösungen darstellen. Vom System werden vier Einstellungen angeboten. Die ideale Auflösung ist der Bildeindruck, der einem Display mit 1.280 x 800 Pixeln entspricht. Hier wird die vierfache Pixelanzahl dann am besten für die scharfe Schriftdarstellung genutzt.

Erstmals bei einem Macbook Pro gibt es nun auch höhere Auflösungen im 13-Zoll-Bereich als etwa beim Macbook Air 13. So lässt sich mit Skalierung ein Bildeindruck von 1.680 x 1.050 Pixeln erzeugen. Auch 1.440 x 900 Pixel sind möglich. Diese Auflösungen haben zwei Nachteile. Das Schriftbild wirkt minimal unscharf durch die Skalierung - zumindest für das Retina-verwöhnte Auge - und außerdem kostet die Darstellung etwas Leistung. Zusätzlich lässt sich auch die Auflösung von 1.024 x 600 Pixeln einstellen. Die native Auflösung von 2.560 x 1.600 Pixeln wird hingegen nicht angeboten. Die ist arg klein auf dem Display und nur in Spielen als Auswahlmöglichkeit sichtbar.

Die Tonausgabe des Macbook ist gut, es fehlt aber deutlich an Bässen, die das 15er-Retina-Macbook besser darstellt. Verglichen mit der Tonkonstruktion des alten Macbook Pro 13 klingt das Retina-Modell angenehmer. Vor allem der Stereoeffekt ist mit Musik viel schöner. Wenn der Mangel an Bässen nicht wäre, würden wir ab und an auf externe Lautsprecher verzichten und dank des guten Displays macht auch das Anschauen von Filmen unterwegs Spaß.

Kein DVD-Laufwerk und wenig Speicherplatz

Doch Filme anschauen ist mit dem kleinen Retina-Macbook nicht so einfach. Ein optisches Laufwerk fehlt und der Speicherplatz ist wegen des Flash-Speichers recht knapp. Vor allem das Modell mit 128 GByte reicht kaum, um eine Fotosammlung, Musik und Filme mitzunehmen. Dafür ist das Notebook aber nur noch 18,5 mm dünn und mit 1,6 kg deutlich leichter als das normale Macbook Pro.

Das Retina-Modell fühlt sich aber weiterhin recht schwer an. Das ging jedem so, dem wir es in die Hand drückten. Das liegt vermutlich an der neuen Gewichtsverteilung. Während das Display dünner, flexibler und damit auch leichter geworden ist, hat sich bei der Basis nicht viel geändert, und das fällt beim Hochheben auf.

Die Hitzeentwicklung unterscheidet sich vom 15-Zoll-Retina-Modell

Bei allen Benchmarks wird das Retina-Macbook ziemlich heiß. Aber wie schon beim großen Modell gilt auch hier: Es dauert seine Zeit, bis die Lüfter anspringen, und sobald die Last weg ist, kühlt sich das Notebook auch schnell wieder ab und wird leise. Kurze Lasten, beispielsweise durch einen Flash-Player, führen so nicht zu einem Geräuschproblem, selbst wenn der Player über Minuten hinweg hohe CPU-Last erzeugt.

Allerdings gibt es ein paar Stellen, die dann unangenehm heiß werden. Die Unterseite blieb in unserem Test angenehm warm. Aber oberhalb der Tastatur und im Bereich der WASD-Tasten wird das Aluminium heiß. Insgesamt ist die Konstruktion dennoch der älterer Macbook-Pro-Modelle vorzuziehen, eben weil das System meist sehr leise ist.

Erst beim Spielen wird das Notebook laut

Damit das Notebook anfängt, Lärm zu machen, mussten wir erst mal ein Spiel spielen. Zum Beispiel haben wir Starcraft 2 gespielt und das Macbook dabei auf einen Holztisch positioniert. Bei einer Temperatur von 24,5 Grad Celsius im Raum haben wir es bei kleinen Herausforderungen im Spiel erst nach 20 Minuten geschafft, die Lüfter in einen hörbaren Bereich zu bringen. Beim Spiel in der Kampagne ging das wesentlich schneller, aber auch hier brauchte das Notebook immerhin zehn Minuten, bis der Lüfter hörbar wurde. Laut, aber immer noch leiser als so manches Vorgänger-Macbook, wird das Retina-Modell etwa nach 20 Minuten spielen. Dann empfiehlt es sich, die Lautsprecher etwas lauter zu stellen.

Die Leistungsaufnahme beim Spielen steigt mit dem Netzteil auf etwa 40 Watt statt 14 bis 15 Watt in Ruhe mit jeweils voller Helligkeit und aktivem WLAN. Wer aufhört mit dem Spielen, hat nach weniger als einer Minute schon wieder Ruhe vor dem Lüfter.

Für die bessere Vergleichbarkeit haben wir auch die Tests mit Cinebench wiederholt. Nach über 35 Minuten und 14 Durchgängen haben wir die beiden Lüfter nur auf Werte um 3.000 Umdrehungen bringen können, und die sind fast nicht hörbar. Die um 10 Watt geringere TDP des Prozessors macht sich deutlich bemerkbar. Der Quadcore-Prozessor des größeren Modells lässt die Lüfter schon nach 10 Minuten auf hörbare 4.500 U/min hochdrehen.

Auch ein Gegentest zu unserem X-Plane-Test mit Retina-Display interessierte uns. Beim Macbook Pro 15 Retina dauert es etwas mehr als 10 Minuten, bis die Lüfter mit 5.000 U/min unangenehm laut werden. Hier arbeitet die Nvidia-Grafik zusätzlich als Hitzequelle. Das 13-Zoll-Modell braucht für dieselbe Situation etwa 6 Minuten und wird hörbar. Nach 20 Minuten Spielen drehen die beiden Lüfter mit 5.300 und 5.700 U/min, was schon unangenehm ist.

Die Werte sind für die Praxis erfreulich. Dass der Anwender mit Lärm zu kämpfen hat, kommt äußerst selten vor, und selbst längere CPU-Lastsituationen sind kein Problem. Einzig bei Spielen zeigt sich das 13-Zoll-Modell schlechter als das 15er Modell.

Benchmarks, Akkulaufzeit und Praxis

Die Leistung des Intel-Chips ist in der Regel ausreichend, auch für einige Spiele. Zumindest konnten wir in der virtuellen Auflösung von 1.280 x 800 Pixeln sowohl Starcraft 2 als auch X-Plane 10 ohne Probleme spielen. Für die native Auflösung ist die Intel-Grafik aber definitiv zu schwach. Auch wenn der Spieler auf Kantenglättung häufig verzichten kann, reicht die Leistung einfach nicht aus. X-Plane 10 ruckelt schon in Standardeinstellungen im Bereich von 8 fps, wenn wenig Landschaft zu rendern ist.

Im synthetischen Benchmark Cinebench 11.5 erreicht der Dual-Core-Prozessor im Schnitt 2,83 Punkte. Damit erreicht das 13-Zoll-Modell nicht einmal die Hälfte eines Macbook Pro 15 Retina, das immerhin 6,15 Punkte schafft.

Für die Akkulaufzeit interessierte uns wieder, was das System bei voller Helligkeit erreichen kann. Zum einen, weil das entspiegelte Display trotzdem spiegelt und damit die Reflexionen des Hintergrundes ausgeglichen werden müssen, und zum anderen, weil das Display eine enorme Leistungsaufnahme hat. Immerhin 5 Watt zeigt das Strommessgerät als Unterschied am Netzteil an, wenn das Display aus ist (8 Watt vs. 13 Watt).

Lange Laufzeit trotz des nicht stromsparenden Displays

Die Akkulaufzeiten des Macbook Pro 13 Retina enttäuschen nicht, auch wenn wir bei voller Helligkeit nicht die beworbenen 7 Stunden erreichen. Im Idle-Test mit maximaler Helligkeit und aktivem WLAN kommt das Macbook auf 6 Stunden und 30 Minuten. Längere Laufzeiten sind also durchaus möglich, wegen der Last von Webseiten aber vermutlich in der Praxis etwa beim Surfen nicht zu erreichen.

Beim Spielen von Starcraft 2 kamen wir auf 1 Stunde und 50 Minuten, rund 16 Minuten mehr als beim großen Retina-Macbook mit Geforce-Grafik. In den letzten fünf Prozent drosselt die Hardware übrigens drastisch, so dass die Bildrate bei uns von 30 auf 12 fps einbricht.

Die Hardware ist also schnell genug und bietet gute Laufzeiten, um zumindest etwas mehr als einen halben Arbeitstag damit arbeiten zu können, trotz des hohen Energiebedarfs des Displays, der von dem 74-Wattstunden-Akku gut abgedeckt wird. Allerdings unterscheidet sich das Retina-Modell nicht signifikant vom normalen Macbook Pro 13. Es ist eigentlich nur das Display, die neue Lüfterkonstruktion und das fehlende optische Laufwerk sowie die in der Standardausstattung nur 128 GByte fassende SSD.

Verfügbarkeit des Macbook Pro 13 Retina und Fazit

Der Einstiegspreis für das Retina-Macbook liegt bei rund 1.750 Euro. Dafür gibt es aber nur eine 128 GByte fassende SSD. Unser Testmuster mit 256 GByte kostet etwas mehr als 2.000 Euro. Teuer sind die SSD-Upgrades ab Werk (Built to Order, BTO). Beim Einstiegsmodell kostet eine Aufrüstung auf 512 GByte rund 800 Euro. Für 768 GByte muss der Anwender gar 1.300 Euro bezahlen. Der Arbeitsspeicher ist immer 8 GByte groß und lässt sich auch vom Shop nicht erweitern. Als BTO gibt es noch einen 2,9 bis 3,6 GHz schnellen Core i7.

Fazit

Das Macbook Pro 13 Retina ist ein gelungenes, wenn auch sehr teures portables Notebook mit einem sehr guten Display. Gerade in so einem Gerät würden wir uns aber ein Mobilfunkmodem wünschen, dem sich Apple immer noch prinzipiell verweigert. Allerdings wäre das eine weitere Komponente mit hoher Leistungsaufnahme. Der Akku wird schon durch das Display, das allein 5 Watt Leistung aufnimmt, stark belastet. So viele Pixel brauchen eine starke Hintergrundbeleuchtung, damit beim Anwender trotz der feinen Strukturen des Displays noch ein ausreichend helles Licht ankommt. Apple ist es zum Glück gelungen, einen großen Akku zu verbauen. Dadurch ist das Macbook mit 1,6 kg schwerer als viele andere flache Notebooks.

Dank des Retina-Displays bietet Apple nun erstmals im 13-Zoll-Bereich flexible Bildschirmauflösungen an. Gerade wer viel Nutzfläche braucht, findet mit dem kleinen Retina-Notebook ein ideales Gerät, da er beispielsweise auf eine Auflösung von 1.680 x 1.050 umschalten kann.

In den meisten Fällen ist das kleine Retina-Macbook sehr leise, selbst in Benchmarks wie dem Cinebench wird es nicht laut. Bei Spielen wird das Notebook schneller hörbar. Die Geräuschcharakteristik kann der Anwender aber besser aushalten als bei anderen Notebooks mit so schnell drehenden Lüftern.

Viel zu hoch sind leider die Preise für die besseren Ausstattungen. Uns ist unverständlich, warum ein Anwender für 512 GByte Speicher extra 800 bis 1.000 Euro Aufpreis zahlen muss. Apples SSDs gehören damit zu den teuersten Speichermedien auf dem Markt - eine SSD dieser Größe kostet eigentlich nur ein Drittel. Selbst austauschen geht leider nicht. Sowohl die SSD als auch der Akku werden mit einer besonderen Art von Schrauben geschützt und sind wegen der speziellen Bauform auch nicht als austauschbare Komponenten verfügbar.  (as)


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