Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/kein-coa-windows-8-versteckt-seine-product-keys-recht-schlecht-1211-95959.html    Veröffentlicht: 27.11.2012 12:10

Kein COA

Windows 8 versteckt seine Product Keys recht schlecht

Neuen PCs mit vorinstalliertem Windows 8 fehlt nicht nur das Startmenü, sondern auch das COA, der bekannte Aufkleber mit dem Product Key. Der Key wird im Bios gespeichert, ist aber dennoch auslesbar. Dafür gibt Microsoft selbst die Anleitung.

Zahlreiche Käufer von neuen Computern mit Windows 8 wundern sich derzeit darüber, dass es die üblichen Echtheitszertifikate für Windows, von Microsoft COA genannt, nicht mehr gibt. Weder als Aufkleber auf der Rückseite eines Notebooks, im Akkufach noch als beigelegte Karte sind sie zu finden.

Der begehrteste Teil des COA, der Product Key für Windows, scheint damit zu fehlen. Er ist unter anderem nötig, um das Betriebssystem ohne die oft zweifelhaften Softwarebeigaben - von Spöttern auch Crapware genannt - neu zu installieren. Jedenfalls dann, wenn man anhand einer Image-Datei ein Bootmedium erstellen will und sich nicht auf die Recovery-Partition verlässt. Dazu gibt es bei Windows 8 auch noch einen eleganteren und schnelleren Weg, die sogenannte Auffrischung, die aber nach unseren Erfahrungen mit dem Smart-PC-Tablet von Samsung alles deinstalliert, was Microsoft für nicht nötig hält.

Dennoch muss es aber einen Product Key im System geben, sonst ließe sich Windows 8 nicht per Recovery-Partition neu installieren. Der Schlüssel steckt, wie Microsoft in einem Supportforum selbst angibt, im Bios des Rechners. Dort ist er vor direktem Zugriff durch den Anwender zwar verborgen, das Betriebssystem kann bei der Installation aber darauf zugreifen. Den Product Key manuell einzugeben, entfällt damit, was immerhin ein kleines bisschen mehr Komfort für den Anwender ergibt.

Um jedoch von einem Bootmedium eine vollständig saubere Neuinstallation vorzunehmen oder Windows 8 auf einem anderen Rechner einzurichten, ist dennoch eine manuelle Eingabe des Product Key nötig. Auch wenn dieser nicht mehr sichtbar mitgeliefert wird, lässt er sich bei einem installierten und aktivierten Windows 8 auslesen.

Auslesen auch mit alten Tools möglich

Dazu dienen Tools wie Magical Jelly Bean, die Microsoft in seinem Supportforum auch direkt verlinkt. Wir haben dieses Programm auf dem Smart PC ausprobiert und konnten damit den Product Key auslesen. Das Tool will bei seiner Installation zwar die AVG-Suchleiste mit auf den Rechner bringen, das lässt sich aber abwählen. Manche Virenscanner erkennen das Geleebonbon auch als gefährlich, nach unseren Erfahrungen tut es aber nur, was es soll.

Zu beachten ist bei einem solchen Auslesen des Product Key und einer anschließenden Installation auf einem anderen Rechner aber, dass die Aktivierung von beiden so behandelten PCs nicht dauerhaft halten muss. Bisher haben sich unsere Rechner zwar noch nicht darüber beschwert, sobald beispielsweise die Windows-Update-Routine den Key überprüft, könnte das aber der Fall sein.

Wie Microsoft selbst zugibt, dient die Verankerung des Product Key im Bios nicht nur dem Komfort, sondern auch der Sicherheit des Schlüssels selbst. Seit die Aktivierung des Betriebssystems mit Windows XP eingeführt wurde, gab es immer wieder ganze Serien von Schlüsseln, die in Umlauf gerieten. Vor allem die sogenannten Volumenlizenzen für Großkunden von PC-Herstellern waren davon betroffen. Da die COA-Aufkleber manchmal auch auf der Verpackung von PCs angebracht wurden, waren die Product Keys auch leichte Beute in Ladengeschäften.

Das Fehlen der COA-Aufkleber betrifft nur Komplettsysteme mit vorinstalliertem Windows 8. Beim Kauf einer Voll- oder Upgradeversion ohne neuen Rechner liegen die Karten mit dem Product Key wie bisher bei. Daher lassen sich auch andere Windows-Versionen als die vorinstallierte verwenden, dabei muss dann der Product Key manuell eingegeben werden.  (nie)


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