Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/test-hitman-absolution-schleichen-liquidieren-und-babysitten-1211-95903.html    Veröffentlicht: 23.11.2012 14:56

Test-Video Hitman Absolution

Schleichen, liquidieren - und babysitten

Sechs Jahre hat Agent 47 Pause gemacht, jetzt kehrt der lautlose Profikiller zurück - und präsentiert sich in Hitman Absolution vielseitiger, schöner und atmosphärischer als je zuvor in seiner Killerkarriere.

Der Einstieg von Hitman Absolution ist spannungsgeladen - und verwirrend. Wieso bringt der Agent mit Glatze seine einstige Auftraggeberin und Vertraute um? Warum agiert er danach als Babysitter und nimmt ein junges Mädchen bei sich auf, was nicht wirklich zu seiner sonst eher emotionslosen Art passt? Und wer hat den gewohnt wortkargen Protagonisten tatsächlich verraten? Ohne zu viel vorwegzunehmen: Die Story ist nicht unbedingt die größte Stärke von Absolution. Nicht alles in dem von IO Interactive entwickelten Spiel ergibt Sinn, zudem werden Serieneinsteiger Probleme haben - manches erschließt sich, wenn überhaupt, nur mit Kenntnis der bisherigen Geschichte.

Aber auch ohne Hitman-Hintergrundwissen lässt sich Absolution genießen. Das grundlegende Spielprinzip ist zwar altbekannt, denn immer noch gilt es im Grunde in jeder Mission, eine Zielperson ausfindig zu machen und sie auszuschalten. Der Weg dahin ist aber vielseitig wie nie; wenig andere Actionspiele geben einem derart viele Optionen an die Hand, zur Lösung zu gelangen.

Der schnellste - und mit Abstand am wenigsten elegante - ist natürlich das direkte Drauflosschießen, wahlweise auch in Bullettime. Das wirkt aber nicht nur plump, sondern lässt auch die eigene Deckung sofort auffliegen, zudem wird das Leben von Zivilisten regelmäßig gefährdet, was alles nicht gut für die Punktbilanz ist. Dann schon lieber lautlos agieren, sich anschleichen, Wachen auskundschaften, ablenken oder ausschalten, in Kostüme schlüpfen, oder aber mit den jeweiligen Gegebenheiten der Szenerie agieren. Meist gibt es ausgeklügelte Optionen, die zukünftigen Opfer mit Geschick und Können aus der Ferne zu erledigen, dass weit und breit niemand davon Notiz nimmt.

Viele Möglichkeiten zum Experimentieren

Ein großer Reiz des Spiels ist dieses Herumexperimentieren mit den zahlreichen Gegenständen wie Discokugeln, vergifteten Getränken oder brennbaren Pasten - so skurril und vertrackt wie hier waren die Möglichkeiten zum Gegnerliquidieren selten. Sowohl Spannung als auch gelegentlich humoristische Einlagen gelingen den Entwicklern ausgesprochen gut.

Der Hitman kann bei seinen Aktionen auf neue Fähigkeiten zurückgreifen, vor allem den sogenannten "Instinkt". Wenn der aktiviert ist, werden etwa Zielpersonen farblich hervorgehoben oder Laufwege von Wachen angezeigt; auch als Tarnfunktion lässt sich die Funktion verwenden. Allerdings immer nur vorübergehend, je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad ist die Instinktnutzung zeitlich arg eingeschränkt. Vorsicht ist also geboten, zumal auch in den durchaus mal unterhaltsamen Kostümen und Verkleidungen nie völlige Sicherheit herrscht - wer etwa in einer geklauten Polizeiuniform vor der Nase eines Cops herumläuft, muss sich nicht wundern, wenn der angesichts des unbekannten Kollegen skeptisch reagiert.

Erstklassige Steuerung und das Fazit

Ein weiterer Grund für den gestiegenen Spielspaß ist die Bedienung. Während der Hitman früher oft etwas hölzern und nicht ganz einfach zu steuern war, lässt er sich nun geschmeidig und elegant durch die Missionen lenken - egal ob in brenzliger Schleichsituation, beim Klettern und Kriechen oder beim Aufsuchen der Deckung. Die zahlreichen unterschiedlichen Schauplätze geben für all das mehr als genug Möglichkeiten her. Belebte Marktplätze und dunkle Hinterhöfe, verruchte Stripbars und nächtliche Großstadtstraßen: Die Vielfalt der Umgebungen ist beeindruckend, zumal jede über eine eigene und sehr stimmige Atmosphäre verfügt.

Dafür sorgt auch die hervorragende Technik: Die Zwischensequenzen sind spannungsvoll inszeniert, die Bösewichte und einfallsreichen Orte glänzen mit vielen Details und hochaufgelösten Texturen. Zudem bleibt der Spielablauf auch bei vielen Personen auf dem Bildschirm flüssig, stimmige Lichteffekte sorgen für zusätzliche Atmosphäre. Einzig die deutsche Sprachausgabe wirkt etwas müde - wer des Englischen mächtig ist, stellt also besser die Sprachversion um.

Noch ein weiterer Kritikpunkt trübt die ansonsten große Spielfreude: Das Speichersystem treibt den Schwierigkeitsgrad teils drastisch in die Höhe. Wer es, gerade als PC-Spieler, gewöhnt ist, immer sichern zu können, wird verfluchen, wie weit die Speicherpunkte in einigen Missionen voneinander entfernt sind. Um ein häufiges Wiederholen bestimmter Abschnitte kommen auch Profis kaum herum.

Mörderischer Multiplayermodus

Im Contracts genannten Mehrspielermodus entwickeln Teilnehmer eigene Attentate, die sie anderen als Aufgabe stellen. Das Ganze kommt ohne klassischen Editor aus, der Auftraggeber muss seine Morde stattdessen erst einmal selbst durchführen. Dazu bewegt er sich durch eine aus der Kampagne bekannte Umgebung und bringt bis zu drei NPCs um. Faktoren wie Kostümierung, Auffälligkeit und die gewählte Mordwaffe stellen im Nachhinein Vorgaben für die Mitspieler dar. Je näher sie an das Original herankommen, desto mehr Punkte erreichen sie. Die Idee ist nicht schlecht und macht kurzzeitig Spaß. Zu begrenzte Möglichkeiten für trickreiche Pläne lassen aber schnell Routine einkehren.

Hitman Absolution ist von Square Enix für Xbox 360, Playstation 3 und Windows-PC erhältlich und kostet etwa 50 Euro. Das Spiel ist ungeschnitten und hat von der USK eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Die PC-Version muss via Steam aktiviert werden.

Fazit

Die lange Pause ist dem Hitman gut bekommen. In Absolution präsentiert er sich so wendig, einfallsreich und atmosphärisch wie nie zuvor und bleibt trotz des Mehr an Actionelementen dem lautlosen und geschickten Vorgehen treu. Mag die Story manchmal auch etwas wirr daherkommen und viel zu abrupt enden und die Speicherpunkte an der Motivation zehren: Solch ein furioses Comeback gelingt nur wenigen langjährigen Spielehelden.  (tw)


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