Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/nvidia-pc-gaming-muss-nicht-gerettet-werden-1211-95851.html    Veröffentlicht: 21.11.2012 13:56

Nvidia

"PC-Gaming muss nicht gerettet werden"

Wing-Commander-Schöpfer Chris Roberts will mit seinem hardwarefordernden Weltraumspiel Star Citizen das PC-Gaming retten. Doch muss es überhaupt gerettet werden? Wir fragten bei Nvidia nach, dessen Grafikchips nicht nur in vielen PCs stecken.

Es war einmal eine Spieleserie namens Wing Commander, die neue Maßstäbe beim PC-Gaming setzte und bei so manchem Fan eine Aufrüstung seines Rechners erforderlich machte. 2014 kommt ein neues Weltraumspiel, das wie Wing Commander von Chris Roberts stammt. Der Titel Star Citizen soll das High-End-PC-Gaming mit besonders vielen Grafikdetails und damit gepaartem Anreiz zum Hardwareaufrüsten wieder zurückbringen. Auf Spielekonsolen soll Star Citizen nach Angaben seines Entwicklers nicht umgesetzt werden können, auch nicht auf denen der nächsten Generation.

Diese markigen und werbeträchtigen Versprechen von Roberts dürften mitverantwortlich dafür sein, warum Roberts' Crowdfunding-Bemühungen so erfolgreich waren - über 6,2 Millionen US-Dollar konnten eingenommen werden. "Der Kampf ist vorbei und wir - PC-Gamer, Space-Sim-Fans, Wingnuts, Lancers und der Rest - haben gewonnen", verkündete Roberts stolz.

Zu Hilfe, ein Retter?

Doch ist das PC-Gaming wirklich in Gefahr - und braucht es einen Retter? Wir fragten deshalb auch beim Grafikchiphersteller Nvidia nach - und bekamen Antwort von Lars Weinand, Senior Technical Marketing Manager für den Wirtschaftsraum von Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA) sowie Indien bei Nvidia. Weinand leitet seit fünf Jahren das Team für technisches Marketing bei Nvidia in EMEA und Indien für die Produktbereiche Geforce, Tegra, Quadro und Tesla. Zuvor war er als Technical PR Manager bei ATI und AMD angestellt. 1998 hat er die Webseite Riva Station gegründet und war ab 2002 Chefredakteur bei Tom's Hardware Guide für den Bereich Computergrafik.

Golem.de: Eine oft geäußerte Behauptung ist, dass PC-Spiele faktisch tot seien, weil aktuelle Titel nur noch auf Konsolen ausgerichtet sind. Ist das nur ein Bauchgefühl, oder ist da etwas dran?

Lars Weinand: Bei Nvidia gehört PC-Gaming zu einem unserer Kernbereiche. Geforce-GPUs sind für PC-Spiele gebaut. Wir entwickeln Produkte für PC-Spieler, kommen selber aus der Community und sind leidenschaftliche PC-Spieler. Nach Vorhersage wird der Computerspielebereich im Jahr 2016 erwartungsgemäß 25 Milliarden US-Dollar erwirtschaften. Diese Zahlen stammen von DFC Intelligence. Die Topspiele erwirtschaften am Einführungswochenende mittlerweile mehr Umsatz als Hollywood-Blockbuster.

Golem.de: Und dass immer noch mehr Spiele für Konsolen als für PCs verkauft werden, spielt da keine Rolle?

Lars Weinand: PC-Spiele nähern sich vom Volumen her dem der gesamten Konsolenumsätze. PC-only-Spiele wie Diablo III wurden in den ersten 24 Stunden mehr als 3,5 Millionen Mal verkauft. Der PC ist den sechs Jahre alten Konsolen technologisch um Lichtjahre voraus. Die Kosten sind zwar höher, aber was man dafür bekommt, entschädigt um ein Vielfaches. Battlefield 3, Batman: Arkham City, Max Payne 3 und viele andere Toptitel der vergangenen zwölf Monate sehen auf einer Geforce in Full-HD um Welten besser aus. Die neuen Topspiele Call of Duty: Black Ops 2 und Assassin's Creed 3 erreichen auf Geforce eine geniale Bildqualität.

Alte Konsolen und neue Herausforderungen

Golem.de: Können neue Engines dafür sorgen, dass die Fähigkeiten von Gaming-PCs besser genutzt werden?

Lars Weinand: Lange wurden Spiele hauptsächlich für Konsolen entwickelt und die PC-Version bot nur höhere Auflösungen und Kantenglättung. Das ist aber nicht mehr zeitgemäß. Der Markt verändert sich und eine Spiele-Engine muss es ermöglichen, ein Spiel für Smartphones und Tablets, über Konsolen bis hin zum PC zu entwickeln. Eine gute Engine bedient alle Segmente optimal, wie es etwa bei der Unreal Engine 4 der Fall ist. Nvidia arbeitet dabei eng mit Spieleentwicklern zusammen, damit alle PC-Titel auch in Zukunft optimal auf Geforce laufen und die Technologien optimal ausnutzen. Wir arbeiten auch ständig an neuen Technologien wie 3D Vision, PhysX und TXAA, um PC-Gaming noch besser zu machen.

Golem.de: PCs haben inzwischen einige Gigabyte Haupt- und Grafikspeicher, Konsolen nur einige Hundert Megabyte. Ist das ein Grund für den Unterschied in der Bildqualität?

Lars Weinand: Die aktuelle Konsolengeneration ist schon sehr alt. Da fehlt es an vielen Dingen, um mit den Fortschritten in den 3D-Spiele-Engines und Technologien mitzuhalten. Es scheitert schon daran, moderne Spiele in Full-HD mit Kantenglättung darzustellen. Und selbst wenn, dann fehlt der Speicher, um hochaufgelöste Texturen darzustellen. Die größte Konkurrenz für Konsolen ist jedoch nicht der PC, sondern Tablets und Smartphones. Tegra 3 bietet heute schon eine Grafikqualität, wie sie die erste Konsolengeneration abgeliefert hat. Wir haben eine sehr selbstbewusste Roadmap für unsere Mobilprozessoren und die nächste Generation wird all das noch einen Schritt weiterbringen. Man nehme ein Tegra-Tablet, schließe es an den Fernseher an und dazu ein Gamepad via Bluetooth... was fehlt da noch im Vergleich zu einer klassischen Spielkonsole?

Golem.de: Viele Spieler bezeichnen Chris Roberts und sein Projekt Star Citizen als den möglichen "Retter des PC-Gaming". Sind das überzogene Erwartungshaltungen oder realistische Einschätzungen?

Lars Weinand: Wenn man sich die Absatzzahlen von PC-Titeln anschaut, dann muss PC-Gaming nicht mehr gerettet werden. Der PC ist längst auf Augenhöhe mit den Konsolen - und das, obwohl sich das Marketing rund um diese Spiele meist nur um die Konsolen dreht. Persönlich hoffe ich sehr, dass Space Citizen großartig wird. Ich habe Spiele der Wing-Commander- und Freespace-Serie geliebt. Ein Erfolg ist es schon jetzt, wie die erreichten Crowd-Funding-Ergebnisse zeigen. Bei Nvidia sehen wir dem Spiel mit Freude entgegen.  (ck)


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