Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/facebook-telefonnummern-werden-indirekt-fuer-werbung-genutzt-1211-95835.html    Veröffentlicht: 20.11.2012 22:49

Facebook

Telefonnummern werden indirekt für Werbung genutzt

Facebook erfragt schon seit geraumer Zeit Telefonnummern der Nutzer, offiziell aus Sicherheitsgründen. Es gibt aber eine Zweitverwertung: Die Nummern werden zwar nicht weitergegeben, lassen sich aber durch Werbetreibende indirekt nutzen.

Telefonnummern, die Facebook aus Sicherheitsgründen von seinen Nutzern erfragt hat, werden von dem sozialen Netzwerk nun auch zum Geldverdienen genutzt. Sie werden aber immerhin nicht direkt an Werber weitergegeben.

Business Insider hatte behauptet, dass die Nummern weiterverkauft würden. Facebook hat das dementiert. Die Nummern werden Facebook zufolge gehasht. Ein Werbetreibender, der seine Nummernliste mit Facebook-Nutzern abgleichen will, kann nur erkennen, ob eine Person aus seinem Pool auch bei Facebook ist. Es soll aber nicht möglich sein, diese Person zu identifizieren.

Bedenklich ist allerdings, dass Facebook dies nicht als Grund für das Sammeln der Telefonnummern nennt. Facebook gibt in seiner Hilfe auch weiterhin vor, dass die Telefonnummern aus Sicherheitsgründen gebraucht würden. Für den Fall einer unberechtigten Übernahme eines Facebook-Zugangs oder eines Passwortverlustes soll damit die Chance des Nutzers vergrößert werden, den verlorenen Zugang wiederzuerlangen.

Entwickler wissen, was mit Telefonnummern passiert

Auf den Facebook-Entwicklerseiten wird allerdings zugegeben, wofür die Telefonnummern genutzt werden. So heißt es im Abschnitt Custom Audience Targeting, Telefonnummern und E-Mail-Adressen könnten von Werbenden genutzt werden. Voraussetzung sei, dass sie diese Daten schon erlangt hätten, sei es innerhalb von Facebook oder außerhalb. Codeseitig muss der Entwickler mit Werbeabsichten diese Daten hashen. Damit kann er ein Zielpublikum bilden, um Werbung an genau diese Personen zu schicken.

Facebook meldet sich dann, wenn es Treffer gibt. Ein direkter Nummernabgleich findet nicht statt und der Werbende erhält auch keine Liste von Facebook-Nutzern. In jedem Fall liegt die Nutzung der Telefonnummer aber nicht im Sicherheitsinteresse des Anwenders.

Kein Einzelfall, denn Facebook muss Geld verdienen

Facebook hat in der Vergangenheit wiederholt negative Schlagzeilen verursacht. So hat der Konzern nicht nur ohne Rücksprache mit seinen Nutzern E-Mail-Adressen ausgetauscht, sondern dabei auch gleich noch Kontaktdatenbanken manipuliert. Letzteres soll ein Versehen gewesen sein, wie Facebook beteuert. Trotzdem ist das soziale Netzwerk so über einen Zeitraum von wenigen Tagen plötzlich zu einem der größten E-Mail-Anbieter der Welt geworden.

Seit einiger Zeit wird es zudem für Nutzer immer schwieriger, ihr eigenes Facebook-Profil und ihren Newsfeed unter Kontrolle zu halten. Das liegt auch daran, dass sich Unternehmen und neuerdings auch Privatnutzer Aufmerksamkeit kaufen können. Ein Nutzer, der Geld für seine Einträge zahlt, wird im Freundeskreis eher wahrgenommen als einer, der ohne Finanzmittel Inhalte verbreitet.

Facebook passt seine Algorithmen ständig an

Noch schwerwiegender wirkt unserer Erfahrung nach, dass Facebook versucht, den Newsfeed an die Nutzerinteressen anzupassen, was nur selten gelingt. Wir konnten in der Redaktion gehäuft Situationen beobachten, in denen Personen aus dem Newsfeed komplett ausgeblendet wurden. Facebook analysiert stark die Kommunikation zwischen den Mitgliedern. Wer sich nicht innerhalb von Facebook Nachrichten schickt, sondern herkömmliche E-Mails zur regelmäßigen Kommunikation verwendet, wird feststellen, dass er seine Bekannten bei Facebook seltener sieht, da Facebook die zwischenmenschliche Beziehung der Teilnehmer nicht sehen kann. Dem kann mit der Bildung von Gruppen entgegengewirkt werden, die dann einzeln durchgegangen werden. Aber auch dort sind die Anzeigen nicht vollständig.

Die vielen Experimente verärgern zunehmend die Nutzer des sozialen Netzwerks. Doch Änderungen an den Algorithmen könnten höhere Gewinne bringen und Facebook steht unter Druck. Bei schwachem Börsenkurs hat das Unternehmen im dritten Quartal 2012 einen Verlust vermeldet.  (as)


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